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Gewerkschafter prangern miserable Arbeitsbedingungen in Katar an

Doha (afp) – Internationale Gewerkschaftsvertreter haben nach einem Kontrollbesuch in Katar deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter eingefordert. Erhebliche Defizite seien “immer noch weitverbreitet und ein Klima der Angst zu beobachten”, kritisierte die Internationale Vereinigung der Bau- und Holzarbeiter (BWI) am Donnerstag. Zuvor hatte eine 18-köpfige BWI-Delegation ihre viertägige Inspektion in dem Golfstaat abgeschlossen, der die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausrichtet und wegen miserabler Bedingungen auf den WM-Baustellen heftig in die Kritik geraten war.

Die Lage sei “nicht hinnehmbar” und müsse “jetzt gleich, nicht irgendwann in der Zukunft” verbessert werden, mahnte die Vereinigung. “Die von den Behörden vorgestellten Pläne und Reformen lassen die notwendige Dringlichkeit vermissen.” Gewerkschaftsvertreter hatten zuvor kritisiert, dass Gastarbeiter mit falschen Versprechen geködert, nicht nach Absprache bezahlt und Verträge gebrochen würden. Außerdem müssten viele von ihnen ihre Reisepässe abgeben und würden in überfüllten Lagern eingepfercht.

Der für Arbeitsfragen zuständige Staatssekretär Hussein al-Mullah hatte der Delegation versichert, dass Katars Unternehmen “die Arbeitsvorschriften zu 99 Prozent” erfüllen und die Behörden einschreiten würden, wenn es Beschwerden gebe. Doch laut BWI werden Arbeiterrechte keineswegs flächendeckend geschützt. Außerdem sei die vom nationalen WM-Organisationskomitee erlassene “Arbeiter-Charta” zu vage gefasst und nicht an international anerkannten Standards ausgerichtet.

Ende September hatte die britische Zeitung “The Guardian” berichtet, dass Arbeiter auf den WM-Baustellen wie “moderne Sklaven” behandelt würden und Dutzende von ihnen in den vergangenen Wochen gestorben seien. Die katarische Regierung wies dies zurück und schaltete eine internationale Anwaltskanzlei ein, um sich gegen die Anschuldigungen zu wehren.