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Weltkonferenz gegen Kinderarbeit: Wirtschaft im Fokus, Programm bleibt unkonkret

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO will ihre Anstrengungen verstärken, die gefährlichsten Formen der Kinderarbeit bis zum Jahr 2016 auszulöschen. So steht es in dem gestern in der brasilianischen Hauptstadt vorgelegten Abschlussdokument der Brasilia vorgelegten Abschlussdokument der „3. Weltkonferenz gegen Kinderarbeit“. NGOs kritisieren den ILO-Ansatz als zu unkonkret und undifferenziert.

Brasilia (csr-news) – Die Internationale Arbeitsorganisation ILO will ihre Anstrengungen verstärken, die gefährlichsten Formen der Kinderarbeit bis zum Jahr 2016 auszulöschen. So steht es in dem gestern in der brasilianischen Hauptstadt vorgelegten Abschlussdokument der Brasilia vorgelegten Abschlussdokument der „3. Weltkonferenz gegen Kinderarbeit“. NGOs kritisieren den ILO-Ansatz als zu unkonkret und undifferenziert.

168 Millionen Kinder weltweit arbeiten, über 85 Millionen davon unter besonders gefährlichen Bedingungen: Insgesamt sank die Zahl der arbeitenden Kinder gegenüber dem Jahr 2000 zwar um fast 80 Millionen. Aber dennoch wird die Weltgemeinschaft ihr Ziel, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis zum Jahr 2016 abzuschaffen, voraussichtlich nicht erreichen.

Die Verhinderung von Kinderarbeit sei in erster Linie eine Aufgabe der Regierungen, heißt es in dem Abschlussdokument der Weltkonferenz vom 8. bis 10. Oktober. Erforderlich seien dazu jedoch auch eine verstärkte zwischenstaatliche Zusammenarbeit sowie die Kooperation von Regierungen, Unternehmen, Gewerkschaften und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die ILO kündigt an, Multi-Stakeholder-Programme gegen Kinderarbeit in Zulieferketten und den gesellschaftlichen Dialog zu stärken. Dazu legte die Organisation ihr Programm „Red Card to Child Labour“ neu auf, bei dem Schauspieler, Sportler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Kinderarbeit medienwirksam die „rote Karte“ zeigen.

Für die Kindernothilfe nahm die Kinderrechtsexpertin Antje Weber an der Konferenz teil. „Positiv ist, dass einige Bereiche stärken in den Fokus gerückt sind“, sagte Weber gegenüber CSR NEWS. So werde der informelle Sektor in der Abschlusserklärung erwähnt, der Bereich also, in dem Kinder zum Beispiel in privaten Haushalten ohne jeden Rechts- und Versicherungsschutz tätig sind. Auch sei mit Bezug auf die „UN Guiding Principles on Business and Human Rights“ das Thema „Wirtschaft und Menschenrechte“ angesprochen worden, und die Unternehmen hätten sich zu ihrer Verantwortung gestellt, Kinderarbeit in den eigenen Lieferketten zu eliminieren. Aber: In Bezug auf die Abschaffung der Kinderarbeit „hat man keine konkreten Schritte vereinbart, um das zu erreichen.“ Zwar nehme die Abschlusserklärung auf den 2010 bei der ersten Weltkonferenz zur Kinderarbeit in Den Haag verabschiedeten Fahrplan Bezug, daran sei jedoch nicht weiter gearbeitet worden. Erforderlich seien nationale Aktionspläne zur Abschaffung von Kinderarbeit oder der Blick auf nationale Gesetzgebungen zu Mindestlöhnen und Zugang zu Bildung.

Zudem hält Weber ein differenzierteres Vorgehen für wichtig: „Ein generelles Verbot der Kinderarbeit geht an der Realität vorbei und stürzt diese Mädchen und Jungen in eine rechtlose Situation“. Das sieht auch die Kinderrechts-Referentin Iris Stolz von terre des hommes so: „Wir brauchen einen differenzierten Ansatz. Da ist die ILO hinten dran.“ In Ländern wie Kolumbien, Bolivien oder Peru sei es für Kinder wichtig, legal arbeiten zu können, um so ihre Rechte zu wahren und Arbeitsbedingungen mitzubestimmen. In diesen Ländern hätten sich Kinder in eigenen Kindergewerkschaften organisiert. Stolz weiter: „Das ist ein Armutsproblem.“ Zur Beendigung von Kinderarbeit sei eine Voraussetzung, dass die Mindestlöhne von deren Eltern den Unterhalt der Familie sicherten. Und es fehlten soziale Sicherungssysteme, denn häufig gerieten Kinder in familiären Krisensituationen – wie bei einer Erkrankung der Eltern – in Arbeit.

Die offizielle Website der Weltkonferenz:
http://childlabour2013.org

Die >> Abschlusserklärung der Weltkonferenz (englisch)

Einen Überblick zum Thema „Kinderarbeit“ – auch im Blick auf die unternehmerische Verantwortung – gibt das UNICEF-Dokument „Fragen und Antworten zum Thema Kinderarbeit“. >> als PDF zum Download

Foto: Das Heliopolis Orchestra (Sao Paulo) eröffnete am 8. Oktober am ersten Konferenztag eine Konzertserie unter dem Motto „Music Against Child Labour“

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