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Weltbank wird zur "Lösungsbank": Kosteneinsparungen und strategische Neuausrichtung

Die Weltbankgruppe steht vor weitreichenden Reformen: Durch Bürokratieabbau und neue Strukturen sollten die jährlichen Kosten binnen drei Jahren um 400 Millionen Dollar (umgerechnet rund 295 Millionen Euro) sinken, kündigte Weltbank-Chef Jim Yong Kim am Freitag am Rande der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington an. Das Bundesentwicklungsministerium erklärte, die Weltbank solle im Rahmen einer inhaltlichen Neuausrichtung auf die aktuelle globale Agenda eingestellt und zu einer ‚Lösungsbank‘ umgebaut werden.

Berlin (afp/csr-news) – Die Weltbankgruppe steht vor weitreichenden Reformen: Durch Bürokratieabbau und neue Strukturen sollten die jährlichen Kosten binnen drei Jahren um 400 Millionen Dollar (umgerechnet rund 295 Millionen Euro) sinken, kündigte Weltbank-Chef Jim Yong Kim (Foto) am Freitag am Rande der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington an. Das Bundesentwicklungsministerium erklärte, die Weltbank solle im Rahmen einer inhaltlichen Neuausrichtung auf die aktuelle globale Agenda eingestellt und zu einer ‚Lösungsbank‘ umgebaut werden.

Seit Monaten kursieren Gerüchte über geplante harte Einschnitte bei den mehr als 10.000 Mitarbeitern. Die Weltbank werde auch ihre Personaldecke „strategisch“ auf den Prüfstand stellen, sagte Kim. Sie gelte bei Entwicklungs- und Schwellenländern als zu komplex und bürokratisch. Die Institution müsse sich bei ihrem Aufbau eher an Unternehmen orientieren und „innovative Lösungen finden“. Außerdem sei die Weltbank zu stark nach Weltregionen aufgespalten. Stattdessen sollen künftig die Abteilungen mit Blick auf ihre jeweilige Expertise gruppiert werden, sagte Kim.

In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagsausgabe) mahnte der Weltbank-Chef, dass sich die Organisation in den kommenden Jahren „fundamental“ ändern müsse. „Meine Botschaft an die Mitarbeiter ist klar: Wenn Sie wertvolle Arbeit verrichten für unsere Ziele, dann haben Sie eine gute Zukunft bei der Bank. Wenn Sie aber nur irgendeine Zusatzarbeit machen, dann sollten Sie sich verändern.“

Privatsektor erhält stärkere Bedeutung

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) begrüßte die neue Strategie der Weltbank als „guten und zukunftsweisenden Weg“. Es sei sinnvoll, „die Diskussion um die Nachfolge der Millenniumsentwicklungsziele auch in der Weltbankgruppe zu verankern“, so Niebel. Es gebe aber noch einige Baustellen, erklärte er. Deutschland werde bei der Umsetzung der Strategie darauf dringen, dass in der Bank „die Armuts- mit einer Nachhaltigkeitsagenda zusammengeführt“ werde. Die Weltbank müsse sich messbaren Klima- und Umweltzielen verpflichten, forderte Niebel. Nach Angaben seines Ministeriums sind viele deutsche Forderungen in die strategische Neuausrichtung der Weltbank eingeflossen: So werde dem privaten Sektor eine größere Bedeutung eingeräumt – etwa in Fragen der Finanzierung oder bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.

Die Weltbank wurde wie ihre Schwesterorganisation IWF 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods gegründet und sollte ursprünglich den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg voranbringen. Heute ist die Kernaufgabe der Weltbankgruppe, die Armut auf dem Planeten zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Menschen in Entwicklungsländern zu verbessern. Zur Weltbankgruppe gehören neben der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) und der der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA) auch die Beteiligungsgesellschaft Internationale Finanz-Corporation (IFC) sowie die Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (MIGA). Oberstes Entscheidungsgremium der Weltbankgruppe ist der Gouverneursrat, in den jedes Mitglied einen Gouverneur entsendet. Deutschland als viertgrößter Anteilseigner der Weltbank entsendet seinen jeweiligen Entwicklungsminister.

Jim Yong Kim hatte den Chefposten bei der Weltbank als Nachfolger von Robert Zoellick im Juli 2012 angetreten. Der US-Bürger mit südkoreanischen Wurzeln ist ausgebildeter Arzt und leitete zuvor die US-Eliteuni Dartmouth College. Erfahrungen in der Entwicklungspolitik sammelte er als früherer Leiter der Abteilung für die Bekämpfung von Aids bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). An der Spitze der Weltbank hat der 53-Jährige das Ziel ausgegeben, die extreme Armut in der Welt bis 2030 zu beseitigen.