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Bettercoal Code: "Wir werden liefern, brauchen aber Zeit"

Anfang 2012 haben große europäische Energieversorger die Bettercoal-Initiative gegründet, um mehr Nachhaltigkeit in ihre Lieferketten zu bringen. NGOs kritisieren, dass Menschenrechts- und Umweltrisiken bei der Kohleförderung kaum beachtet werden. Der im Juli verabschiedete Bettercoal Code soll durch Audits und weitere Maßnahmen nachvollziehbare Verbesserungen bringen. Wie, darüber sprach CSR NEWS mit dem Vorsitzenden der Initiative, dem Leiter Corporate Responsibility Operations bei RWE, Joachim Löchte.

Essen (csr-news) – Anfang 2012 haben große europäische Energieversorger die Bettercoal-Initiative gegründet, um mehr Nachhaltigkeit in ihre Lieferketten zu bringen. NGOs kritisieren, dass Menschenrechts- und Umweltrisiken bei der Kohleförderung kaum beachtet werden. Der im Juli verabschiedete Bettercoal Code soll durch Audits und weitere Maßnahmen nachvollziehbare Verbesserungen bringen. Wie, darüber sprach CSR NEWS mit dem Vorsitzenden der Initiative, dem Leiter Corporate Responsibility Operations bei RWE, Joachim Löchte.

Sieben Gründungsmitglieder – darunter die RWE AG – haben Bettercoal Anfang 2012 in Großbritannien als Nichtregierungsorganisation registriert. Bereits Mitte 2012 begannen die öffentlichen Konsultationen für den geplanten Kodex, wobei lokale Stakeholder in den Kohleabbaugebieten Südamerikas, Asiens und Russlands einbezogen wurden. Im September 2012 wurde ein Entwurf des Bettercoal Codes vorgelegt, verabschiedet wurde die finale Fassung im vergangenen Juli. Joachim Löchte begleitete den Prozess als Gründungsvorsitzender und wurde in diesem Sommer erneut für ein Jahr zum Chairman gewählt.

Audits nach dem Bettercoal Code werden nun mit regionalem Fokus organisiert und starten in diesem Jahr in den Kohleminen Kolumbiens. Im Blick sind dabei beispielsweise die Arbeitsbedingungen, der Feinstaubausstoß und die Verwaltungsstrukturen. „Wir wollen mit Bettercoal einen Verbesserungsprozess initiieren“, sagt Löchte. „Das braucht Zeit.“ Denn die Audits sind ein wichtiges Element im Dialog mit solchen Kohleexporteuren, die an langfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert sind. Sie sind so aufgesetzt, dass sowohl Minenbetreiber als auch Energieerzeuger damit arbeiten können, und sie münden klassisch in einen Corrective Action Plan. In der Praxis soll geprüft werden, inwieweit weitere Partner bei der Umsetzung dieser Pläne eingebunden werden können: Regierungen, lokale NGOs oder die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Allerdings könnten Unternehmen nicht für die Lösung aller Probleme verantwortlich gemacht werden. Wenn es in Kolumbien etwa um Morddrohungen gegen Gewerkschaftler gehe, dann müssten Unternehmen zwar für das Problem sensibilisiert werden, aber „in der Pflicht ist insbesondere der Staat“, so Löchte.

RWE wird – wie andere Bettercoal-Mitglieder – die Ergebnisse der Audits in den eigenen Beschaffungsprozess integrieren. Denn diese werden in einer Datenbank hinterlegt, auf die Mitglieder der Initiative Zugriff besitzen. Die Daten können damit etwa für das Counterparty Risk Management in Bezug auf Governance-, Umwelt- und gesellschaftliche Risiken genutzt werden. Derzeit werde dazu in 150 verschiedenen Datenbanken recherchiert, so Löchte. Der Umgang mit dem Bettercoal Code werde hausintern bei den Energieversorgen eingeübt: “ Mitarbeiter, die sich mit Compliance und Trading beschäftigen, erhalten Trainings für den Bettercoal-Standard.“ Auch die Corporate Responsibility-Verantwortlichen würdenn dabei einbezogen.
Die Vermeidung von Mehrfachauditierungen ist sowohl für Energieerzeuger als auch für Minenbetreiber sinnvoll und erleichtert den Zugang zu den Minen. Löchte: „Bettercoal ist das Gesicht für die Audits im Markt.“ Bei der Zusammenarbeit in der Industrieinitiative müssen allerdings strenge kartellrechtliche Vorgaben beachtet werden.

Wie werden sich solche Audits in Regionen umsetzen lassen, die nicht gerade für ihre Markttransparenz und starke Zivilgesellschaften bekannt sind – beispielsweise in Russland? „Das werden wir austesten müssen“, sagt Löchte. „Wichtig ist hier eine hohe Transparenz gegenüber allen Beteiligten. Dies wird eine politische Begleitung erleichtern.“

Auf die Bettercoal-Verantwortlichen kommt damit einiges an Arbeit zu. Monatlich treffen sie sich in Arbeitsgruppen; drei- oder viermal pro Jahr tritt der Vorstand zusammen und entscheidet beispielsweise darüber, in welcher Region Kohleminen als nächstes auditiert werden. Eine wichtige Funktion kommt dem Geschäftsführer Martin Christie zu, der den lokalen Stakeholderdialog fördert und für den Informationsfluss sorgt.

Neun Mitglieder zählt die Initiative heute, darunter E.On und Vattenfall. „Wir sind bestrebt, Bettercoal in die Breite zu bringen“, sagt Löchte und hat dabei nicht nur die Energieerzeuger im Blick. Denn auch für die Schwerindustrie und den Automobilbau als große Energieverbraucher sei die Kohle-Lieferkette relevant. Dort steht derzeit allerdings das Thema „Konfliktmineralien“ ganz oben auf der Prioritätenliste, zu dem in Brüssel an einer Regulierung gearbeitet wird.

Werden sich Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen mit Bettercoal davon überzeugen lassen, dass es die Energieversorger mit einem verantwortungsvollen Sourcing ernst meinen? Dass der neue Code ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sei, werde von NGOs anerkannt, so Löchte. Die Meinungen gingen dazu auseinander, ob dieser Schritt ausreiche. Der Bettercoal-Vorsitzende weiter: „Wir werden liefern, aber wir brauchen auch Zeit zu liefern.“

Bettercoal im Internet: bettercoal.org

Der Bettercoal-Code >> als PDF zum Download

CSR NEWS zur NGO-Kritik an Bettercoal:
>> „Better Coal“ oder „Bitter Coal“

Fotos: Die Bettercoal-Repräsentanten Joachim Löchte (links) und Martin Christie auf der El Cerrejón Steinkohlemine im nördlichen Kolumbien (Bild oben). Die Mine im Panorama (Mitte): Im Jahr 2008 waren hier über 5.000 Menschen beschäftigt und 42% der gesamten Kohleproduktion Kolumbiens wurden an dieser Stelle gefördert.

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