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"Mein Vater war Nationalsozialist": August Oetker zur Geschichte des Familienunternehmens

„Wir wollten endlich Antworten haben auf die Fragen, die uns gestellt wurden“, sagte August Oetker dem Wochenmagazin „Zeit“. 2008 schlug der Vorsitzende des Beirats der Dr. August Oetker KG seinen Verwandten vor, die NS-Geschichte der familieneigenen Unternehmensgruppe aufarbeiten zu lassen. Unter der Überschrift „Mein Vater war Nationalsozialist“ bringt die aktuelle Ausgabe der Zeit ein Interview mit dem Unternehmer.

Hamburg (csr-news) – „Wir wollten endlich Antworten haben auf die Fragen, die uns gestellt wurden“, sagte August Oetker dem Wochenmagazin „Zeit“. 2008 schlug der Vorsitzende des Beirats der Dr. August Oetker KG seinen Verwandten vor, die NS-Geschichte der familieneigenen Unternehmensgruppe aufarbeiten zu lassen. Unter der Überschrift „Mein Vater war Nationalsozialist“ bringt die aktuelle Ausgabe der Zeit ein Interview mit dem Unternehmer.

Es habe bereits einen früheren Versuch zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit des Unternehmens gegeben, der am Veto des Seniors gescheitert sei, so August Oetker. Der 2007 verstorbene Rudolf-August Oetker war Untersturmführer der Waffen-SS, zu der er sich freiwillig gemeldet hatte. Über seine Erlebnisse während des „Dritten Reiches“ wollte Oetker sen. später nicht sprechen.

Dem Münchener Historiker Prof. Andreas Wirsching öffnete die Familie Oetker alle Archive und die private Korrespondenz. In seiner Studie über das Unternehmen Oetker und die Eigentümerfamilie sowie den Teilhaber Kaselowsky kommt Wirsching zu dem Fazit: „Kaselowsky und mit ihm die Familie und die Firma Oetker trugen Verantwortung für das politische System, in dem sie lebten. Sie waren Stützen der NS-Gesellschaft, sie suchten die Nähe des Regimes und profitierten von dessen Politik.“ Weiter heißt es dort: „Auch die Firma Oetker war an dieser Ausplünderung der Juden beteiligt“.

August Oetker gegenüber der „Zeit“: „Die Nazis waren die neuen Honoratioren, deren Nähe man gesucht hat. Meine Familie wollte dazugehören“. Zudem sei es darum gegangen, den Schutz der Nationalsozialisten zu erlangen. Über die Bereicherung am Eigentum der Juden sei in der Familie nach dem Krieg nicht gesprochen worden.

Mit der späteren Aufarbeitung der NS-Vergangenheit sei Rudolf-August Oetker einverstanden gewesen. „Er hat gesagt: Nicht zu meinen Lebzeiten. Danach ja“, so der Sohn August. Von der Aufarbeitung der Geschichte des Familienunternehmens sei die Marke „Dr. Oetker“ bislang nicht berührt worden. Der Unternehmer: „Für die meisten Menschen steht Dr. Oetker für Pizza oder Pudding.“

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Das Buch „Dr. Oetker und der Nationalsozialismus: Geschichte eines Familienunternehmens 1933-1945“ von Jürgen Finger, Sven Keller und Andreas Wirsching erscheint am 18. Oktober im Verlag C.H.Beck.

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