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Energiewende braucht offene Gesellschaft: Gauck überreicht Umweltpreis an "Stromrebellin"

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises auf die Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende hingewiesen. Es gebe zwar einen gemeinsamen politischen Willen, aber die Wende müsse noch ein kompletter Erfolg werden, sagte Gauck am Sonntag in Osnabrück. „Sie muss für Produzenten und Verbraucher wirtschaftlich tragfähig sein“, mahnte der Bundespräsident. Auch dies gehöre zu den Aufgaben der neuen Bundesregierung.

Osnabrück (afp) – Bundespräsident Joachim Gauck hat bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises auf die Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende hingewiesen. Es gebe zwar einen gemeinsamen politischen Willen, aber die Wende müsse noch ein kompletter Erfolg werden, sagte Gauck am Sonntag in Osnabrück. „Sie muss für Produzenten und Verbraucher wirtschaftlich tragfähig sein“, mahnte der Bundespräsident. Auch dies gehöre zu den Aufgaben der neuen Bundesregierung.

„Die Energiewende kann gelingen, wenn sich überzeugende Innovationen im fairen Wettbewerb in einer offenen Gesellschaft mit freien Märkten und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen durchsetzen“, sagte Gauck weiter. Die Veränderungen, die die Energiewende bringen werde, würden allerdings nicht ohne Diskussionen ablaufen, „wohl auch nicht ohne manchen Streit“.

Mit dem auf 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis wurden in diesem Jahr die Unternehmerin Carmen Hock-Heyl und die als „Stromrebellin“ bekannt gewordene Ursula Sladek ausgezeichnet. Der Preis wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in diesem Jahr zum 21. Mal vergeben.

Hock-Heyl gelang es, Dämmmatten für den Hausbau aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf gegen zahlreiche Widerstände am Markt durchzusetzen. Als Produkterfinderin, Unternehmensgründerin und Geschäftsführerin machte sie Öko-Dämmstoffe gegen Widerstände und Desinteresse „hoffähig“. Dabei habe sie ankämpfen müssen und viel Geld investiert. Mit ihrem Mut sei es gelungen, „aus Visionen Realität zu formen“, hatte DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde bei der Bekanntgabe der Gewinnerinnen erklärt. Daher sei sie auch ein Vorbild für andere Unternehmen, weil sie Ökologie und Ökonomie mit Erfolg in Einklang gebracht habe, gesundes Bauen fördere und regionale Wirtschaftskreisläufe wiederbelebt habe.

Sladek hatte als Reaktion auf die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 in dem Schwarzwald-Ort Schönau eine Bürgerinitiative mit anderen Anti-Atom-Aktivisten initiiert, 1994 den Ökostromanbieter EWS gegründet und 1997 das Stromnetz des Ortes mit 2500 Einwohnern gekauft. Seitdem baute sie es zu einem führenden Ökostrom-Anbieter aus. Sladek habe mit ihren Mitstreitern und EWS viele Hürden gemeistert, die der damalige Stromanbieter für die Netz-Übernahme aufgebaut habe, erklärte die Stiftung. Sie habe sich auch nicht von überhöhten Verkaufspreisen einschüchtern lassen. Die „Stromrebellin“ sei ein gesellschaftliches Vorbild, weil sie sich zusammen mit ihren Mitbürgern gegen ein großes Energieversorgungsunternehmen durchgesetzt und damit einen ökologischen Wandel bewirkt habe. Die 67-Jährige war 2011 bereits in den USA mit einem der wichtigsten Preise für Umweltschutz, dem Goldman Environmental Prize, ausgezeichnet worden.

Foto: Ursula Sladek nimmt aus der Hand von Bundespräsident Joachim Gauck den Deutschen Umweltpreis in Empfang.