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Permafrost-Küsten in Ostsibirien zerfallen immer schneller

Bremerhaven (afp) – Steigende Sommertemperaturen und der Rückzug des arktischen Meereises lassen die vor allem aus Permafrost bestehenden Steilküsten Ostsibiriens immer schneller zerfallen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) anhand von Daten und Luftaufnahmen der Küstenstreifen aus den vergangenen 40 Jahren, wie das Institut am Dienstag in Bremerhaven mitteilte. Die Forscher stellten demnach einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Temperaturen in den ostsibirischen Permafrostgebieten und der schnelleren Erosion der Küsten fest.

“Steigt die Durchschnittstemperatur im Sommer um ein Grad Celsius, beschleunigt sich die Erosion um 1,2 Meter pro Jahr”, erklärte der AWI-Geograph Frank Günther, der gemeinsam mit deutschen und russischen Wissenschaftlern die Ursachen für den Küstenzerfall in Ostsibirien untersuchte und die Ergebnisse jetzt in zwei Fachartikeln veröffentlichte. Der Temperaturanstieg wird auch für den Rückzug des arktischen Meereises verantwortlich gemacht, das damit als Küstenschutz in jedem Jahr länger ausfällt.

In der Folge werden die Küsten den Forschern zufolge von Wellen unterspült. Gleichzeitig sinkt das Land von oben ein. Besonders betroffen ist demnach die kleine Insel Muostakh östlich des Lena-Deltas. Sie könnte dem anhaltenden Landverlust auf Dauer sogar ganz zum Opfer fallen, wie die Experten herausfanden.

Die Langzeitstudien der AWI-Wissenschaftler zeigen zudem auch Auswirkungen der Küstenerosion auf das Meer: Derzeit gelangen pro Jahr und Kilometer der Küstenlinie zwischen 88 und 800 Tonnen Kohlenstoff aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen ins Meer – Material, das bisher im Permafrost eingeschlossen war. Einmal ins Wasser gelangt, kann der Kohlenstoff zu Kohlensäure werden und damit zur Ozeanversauerung beitragen.