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RWE-Chef will Unternehmen auf Energiewende ausrichten

Düsseldorf (afp) – Der Chef des Energieriesen RWE, Peter Terium, will sein Unternehmen einem Zeitungsbericht zufolge vollständig auf die Energiewende ausrichten. RWE solle nur noch in erneuerbare Energien investieren und nicht mehr in neue fossile Kraftwerke, berichtete das „Handelsblatt“ (Mittwochsausgabe) unter Berufung auf ein vertrauliches Papier des Konzerns. Zuvor warnte Terium angesichts zahlreicher Kraftwerksabschaltungen vor Stromausfällen in Europa und erntete dafür Kritik.

„Wir wollen der glaubwürdige und leistungsstarke Partner für den Wandel des europäischen Energieversorgungssystems werden“, zitierte das „Handelsblatt“ aus dem Papier. Im Jahr 2018 werde sich „RWE entscheidend an der Neuausrichtung der Energiewirtschaft in Europa beteiligt haben“. Im Jahr 2020 soll die konventionelle Stromerzeugung demnach nur noch maximal ein Fünftel des Betriebsergebnisses ausmachen, während es im vergangenen Jahr noch mehr als die Hälfte gewesen sei.

Der „Süddeutschen Zeitung“ vom Dienstag sagte Terium, dem gesamten europäischen Kontinent drohten wegen der Abschaltung konventioneller Kraftwerke Energieengpässe. „Schon in den vergangenen beiden Wintern war die Lage angespannt, nun gehen überall in hohem Tempo weitere Anlagen vom Netz“, führte er aus. Die Wirtschaft in Europa werde wieder wachsen und mehr Strom brauchen. Dies mache ihm „wirklich Sorgen“, sagte Terium.

Die Kohle- und Gaskraftwerke nicht nur von RWE sind wegen des Booms beim Ökostrom immer seltener am Netz. Das wachsende Angebot von Strom aus Sonne, Wind und Biomasse lässt die Börsenpreise stark fallen. „30 bis 40 Prozent der Anlagen schreiben Verluste“, sagte Terium der „Süddeutschen Zeitung“. Die Erträge reichten nicht, um die Schulden von RWE zu bedienen. „Um es klar zu sagen: eine gefährliche Situation“, sagte Terium.

„Unser Ergebnis wird dramatisch sinken“, warnte der RWE-Chef. Es sei „unvermeidbar, dass wir mit neuen Sparprogrammen nachlegen müssen“. Die RWE-Kraftwerksparte etwa müsse mehr als die bislang geforderte halbe Million Euro pro Jahr sparen. Terium hatte bereits Stellenstreichungen angekündigt. Zudem will der Konzern einzelne Bereiche auslagern oder in Niedriglohnländer verlegen.

RWE hat 70.000 Beschäftigte und macht einen Umsatz von mehr als 50 Milliarden Euro. Der Konzern gehört zu den zehn europäischen Stromkonzernen, die Mitte Oktober eine Neuausrichtung der EU-Energiepolitik forderten und scharfe Kritik an der Ökostromförderung übten. Die Konzerne bemängeln steigende Energiepreise für Unternehmen und Verbraucher durch Steuern und Umlagen sowie ausbleibende Investitionen wegen fehlender Planungssicherheit.

Sie fordern unter anderem eine grundlegende Änderung des Subventionssystems für die erneuerbaren Energien. An dem Appell waren neben RWE auch das deutsche Unternehmen Eon, Vattenfall aus Schweden, GDF Suez aus Frankreich, die spanischen Firmen Iberdrola und Gas Natural, Enel und Eni aus Italien, das niederländische Unternehmen Gasterra und der tschechische CEZ-Konzern beteiligt.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte Teriums Äußerungen in der „Süddeutschen Zeitung“ am Dienstag. „Die Abschaltung konventioneller Kraftwerke ist kein Problem der Energiewende, sondern ihr Ziel“, erklärte die Organisation. RWE schüre „jetzt erneut überzogene Ängste vor Stromausfällen“. „Dabei geht es dem Konzern nur um weitere Subventionen für klimaschädliche Kohlemeiler“, erklärte Greenpeace.

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