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Frauen im Management – der langsame Aufstieg

„Frauen im Management: Ja wo stecken sie denn?“ hat eine aktuelle Studie der Universität Osnabrück gefragt. Offenbar behält das Thema seine Relevanz, denn auch andere Studien zum gleichen Thema wurden in den letzten Wochen veröffentlicht. Allgemeiner Tenor: Auch wenn immer mehr Frauen in deutsche Chefetagen vordringen, ihr Anteil bleibt insgesamt bescheiden.

Darmstadt (csr-news) > „Frauen im Management: Ja wo stecken sie denn?“ hat eine aktuelle Studie der Universität Osnabrück gefragt. Offenbar behält das Thema seine Relevanz, denn auch andere Studien zum gleichen Thema wurden in den letzten Wochen veröffentlicht. Allgemeiner Tenor: Auch wenn immer mehr Frauen in deutsche Chefetagen vordringen, ihr Anteil bleibt insgesamt bescheiden.

Möglicherweise nimmt der Druck der europäischen Politik zu. Mitte des Monats haben sich der Rechtsausschuss und der Ausschuss für die Rechte der Frau im Europäischen Parlament mit einem Vorschlag der Europäischen Kommission beschäftigt. Hintergrund ist ein Vorschlag der Kommission, das unausgewogene Verhältnis von Männern und Frauen in den Unternehmensvorständen zu beheben. Bis 2018 soll der Anteil der Frauen bei rund 40 Prozent liegen, so die Idee. Mit ihrem zustimmenden Votum haben die beiden Ausschüsse nun den Weg für die nächsten Schritte im EU-Gesetzgebungsverfahren freigemacht. Zeitgleich mit der Abstimmung hat die Europäische Kommission einen Bericht über Frauen in Entscheidungspositionen veröffentlicht, der auch aktuelle Zahlen über Frauen in den Leitungsorganen der größten börsennotierten Unternehmen in der EU enthält. Diese Zahlen stammen von April 2013 und zeigen, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen von 15,8 % (Oktober 2012) auf 16,6 % gestiegen ist. Die Zahlen sind ferner nach Funktionsebene aufgeschlüsselt. Danach sind 17,6 % der nicht geschäftsführenden Direktoren Frauen (gegenüber 16,7 % im Oktober 2012); der Frauenanteil in Führungspositionen der obersten Ebene liegt bei 11 % (gegenüber bislang 10,2 %). „Der Druck von gesetzgeberischer Seite wirkt. In der gläsernen Decke zeigen sich die ersten Risse. Immer mehr Unternehmen reißen sich geradezu um hoch qualifizierte und talentierte Frauen. Sie alle wissen, dass sie diese Frauen brauchen, wenn sie sich im globalen Wettbewerb behaupten wollen,“ so Vizepräsidentin Viviane Reding, EU-Kommissarin für Justiz. „Frankreich und Italien sind in Sachen Frauenquote Vorreiter. Diese Länder haben bereits einschlägige Gesetze erlassen und damit erhebliche Fortschritte erzielt“.

Auch die Großkonzerne beim Thema Frauenquote Frage wieder in den Fokus der Öffentlichkeit: Die Deutsche Bank hat, obwohl insgesamt 40 Prozent Frauenanteil, nicht eine Frau im Vorstand. Die Allianz kommt, bei ganzen 11 Vorstandsmitgliedern, immerhin auf eine Dame. Und im Siemens-Vorstand ging mit Brigitte Ederer Ende September nun die letzte verbliebene Frau. Es scheint, die Frauen seien nach erfolgreichen Vorstößen nun wieder auf dem geordneten Rückzug aus dem Top-Management und die Quote dringend notwendig. „Der Eindruck täuscht“, sagt Doris Mailänder, Geschäftsführerin der Personalberatung TreuenFels. „Der Anteil der Frauen auf Führungspositionen in Deutschlands Wirtschaft wächst. Gerade im deutschen Mittelstand sind 30 bis 40 Prozent Frauenanteil bereits Fakt. Und mittelständische Unternehmen beschäftigen rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer Deutschlands“. Ein Grund für den hohen Frauenanteil im Mittelstand: Der Großteil der Betriebe ist in Familienbesitz. „Die Eigentümer legen Wert auf Kontinuität, vielfach übernehmen die Töchter das Ruder im Betrieb“, erklärt Mailänder. „Die wachsen so stetig in die Rolle der Geschäftsführerin hinein und trauen sich und anderen Frauen mehr zu“. Auch in der Unternehmensführung setzen Frauen andere Prioritäten, das belegen etwa die Umfragen des Verbands deutscher Unternehmerinnen VdU. „Unternehmerinnen versuchen dem Fachkräftemangel – statt mit Geld – etwa mit flexiblen Arbeitszeitmodellen zu begegnen. Sie sehen die Mitarbeiterbindung als wichtige Stellschraube für ihren wirtschaftlichen Erfolg“, erläutert Mailänder.

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Beobachtungen, die auch durch eine Studie der Hochschule Osnabrück bestätigt werden. Im Auftrag des Wirtschaftsinformationsdienstleisters Bisnode hat die Hochschule die Situation der Frauen in über 260.000 Unternehmen untersucht. Fazit: Wenig Bewegung im Top-Management, der Anteil weiblicher Führungskräfte im Top- und Mittelmanagement beträgt zusammen gerade einmal 21 Prozent und nur 11 Prozent auf der obersten Chefetage. Den größten Zugewinn an weiblichen Führungskräften verzeichnen kleine und mittlere Unternehmen. Dort wuchs der Anteil zusammengerechnet auf bis zu 23 Prozent. „Unsere Studie zeigt für das Jahr 2013 bundesweit einen auffälligen Gegensatz zwischen der sehr engagierten Debatte um Zielmarken in den Führungsetagen der Unternehmen und der realen Entwicklung der letzten Jahre“, so Barbara Schwarze und Andreas Frey von der Hochschule Osnabrück. Ein zweigeteiltes Bild ergibt die isolierte Betrachtung der Managementebenen. So sind in 2013 nur 11,2 Prozent der Toppositionen in deutschen Unternehmen von Frauen besetzt. Damit stieg ihr Anteil innerhalb von sieben Jahren insgesamt um knapp 3 Prozent. Im Mittelmanagement zeigt sich dagegen ein deutlich positiverer Anstieg auf 29,9 Prozent. Innerhalb von sieben Jahren entspricht dies einer Steigerung um knapp 9,0 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei der näheren Betrachtung der Unternehmensgröße. Hier variiert der Anteil von Frauen im Top-Management erheblich. So lag ihr Anteil in den kleinen Unternehmen bei 12,6 Prozent, in den mittleren bei 10,3 Prozent und bei den großen rund 6,3 Prozent. Gründe hierfür können sein, dass kleine und mittlere Unternehmen, die oft inhabergeführt seien, offensichtlich mit flachen Hierarchien den Frauen einen direkteren Zugang zu den Führungspositionen bieten könnten. Zudem würden diese Unternehmen durch ihre Strukturen flexibler auf individuelle Erfordernisse eingehen.

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Einen grundsätzlich steigenden Anteil weiblicher Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft stellt der Verein FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) fest. In die Aufsichtsräte und auch in die Vorstände der 160 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX notierten Unternehmen in Deutschland sind teilweise erstmals Frauen eingezogen oder ihr Anteil wurde gezielt gesteigert, heißt es in einer Mitteilung. Trotzdem fällt die Bilanz für 2013 eher ernüchternd aus. In diesem Jahr wurden im Rahmen der Aufsichtsratswahlen weitaus weniger Frauen nominiert als noch 2012. Entsprechend hat sich das Tempo bei der Steigerung des Frauenanteils in den Führungsetagen der Wirtschaft wieder verlangsamt. „12 Jahre nach der freiwilligen Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, und über 4 Jahre nach der Aufnahme der Forderung nach mehr Vielfalt in den Deutschen Corporate Governance Kodex beträgt der Frauenanteil in Aufsichtsräten insgesamt 17,4 Prozent. Die Zahlen sprechen für sich. Es gibt noch reichlich Potenzial für Veränderung“. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS) hat sich im Rahmen ihrer jährlichen Aufsichtsratsstudie unter anderem mit dem Frauenanteil in Aufsichtsräten beschäftigt. In diesem Jahr hat sich die Zusammensetzung zahlreicher Kontrollgremien stark verändert. Immerhin 70 der rund 250 Mandate mussten in diesem Jahr neu vergeben werden und auch 2014 sieht es ähnlich aus. Ob Frauen von diesen Veränderungen profitieren können, lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. Die DWS-Untersuchung unterscheidet an dieser Stelle zwischen Mandaten von Anteilseignern und Arbeitnehmervertretern. „Von den 250 Anteilseignermandaten bei den DAX30 Gesellschaften werden 2013 insgesamt 39 Mandate von Frauen gehalten. Damit ist der Anteil um 3,5 Prozentpunkte auf 18 Prozent gestiegen. Ein Blick auf die Arbeitnehmerseite macht deutlich, dass hier mehr für eine angemessene Beteiligung von Frauen getan wurde: Im DAX30 sitzen auf den Arbeitnehmerbänken der Kontrollgremien immerhin 62 Frauen. Bei einer Gesamtzahl von 238 Mandaten entspricht das 26,1 Prozent. 2012 lag die Quote bei 24,6 Prozent“, so Jella Benner-Heinacher, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DSW. Im Durchschnitt sind die DAX-Gesellschaften damit von dem 40-Prozent-Frauenanteil in den Kontrollgremien, wie er auf EU-Ebene diskutiert wird, trotz stetigen Anstiegs immer noch weit entfernt. Doch es ist nicht nur die Mitgliedschaft in den Aufsichtsgremien selbst, die von Bedeutung ist. Entscheidender ist, wer den Gremien vorsitzt respektive in den wichtigen Ausschüssen vertreten ist und damit an den Schaltstellen der Macht sitzt. Bei der Besetzung solcher Schlüsselpositionen in den Aufsichtsräten spielen Frauen nach wie vor eine untergeordnete Rolle. So wurden 87,5 Prozent der Ausschusspositionen von Männern besetzt, lediglich 12,5 Prozent von Frauen. Der Vorsitz im Aufsichtsrat ist im DAX 30 ebenfalls nahezu komplett männerdominiert. Lediglich das Kontrollgremium der Henkel KGaA wählte Familienvertreterin Simone Bagel-Trah zur Vorsitzenden. Henkel gehört neben Deutscher Telekom, Allianz und Beiersdorf auch zu den Gesellschaften mit dem höchsten Frauenanteil in ihren Aufsichtsgremien. Ein weiteres auffälliges Ergebnis, die Frauen in den Aufsichtsräten sind signifikant jünger als ihre männlichen Kollegen, nämlich im Durchschnitt um sieben Jahre.