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Textilarbeiter in Bangladesch lehnen Lohnerhöhung um 50 Prozent ab

Dhaka (afp) – Die Textilarbeiter in Bangladesch haben eine Erhöhung des Mindestlohns um 50 Prozent abgelehnt. Verhandlungen zwischen Regierungsvertretern, Fabrikbetreibern und Gewerkschaftsvertretern über eine höhere Bezahlung für die vier Millionen Näherinnen und Näher scheiterten am Donnerstag zunächst. Die Gewerkschaften hätten die angebotene Erhöhung des Monatslohns von derzeit 3000 Taka (28 Euro) auf 4500 Taka (42 Euro) plus Essensgeld als zu niedrig abgelehnt, sagte der Gewerkschaftsführer Sirajul Islam Rony.

„Wir können das nicht akzeptieren. Das ist weit entfernt von unseren Forderungen“, sagte Rony nach dem Treffen der Mindestlohn-Kommission. Die Gewerkschaften fordern einen Lohn von 8114 Taka (75 Euro) im Monat. Der Arbeitgebervertreter Arshad Jamal Dipu lehnte die Gewerkschaftsforderung als „unrealistisch“ ab. Die Kommission soll in der nächsten Woche erneut zusammentreten.

Die Textilarbeiter in Bangladesch gehören zu den am niedrigsten bezahlten der Welt. Der derzeit geltende Mindestlohn reicht nach Gewerkschaftsangaben nicht aus, um in Würde zu leben. Dazu kommen die schlechten Arbeitsbedingungen. Im April war das Fabrikgebäude Rana Plaza eingestürzt; mehr als 1100 Menschen wurden getötet. Auch bei Bränden in Textilfabriken starben hunderte Arbeiter.

Die Empfehlung der Kommission muss von der Regierung gebilligt und in ein Gesetz gegossen werden. Regierungskreisen zufolge könnte sich Regierungschefin Sheikh Hasina auch über die Empfehlung hinwegsetzen und einen Mindestlohn anordnen, der die Gewerkschaften zufriedenstellt. Angesichts der Massenproteste und Streiks der vergangenen Wochen sowie mit Blick auf bevorstehende Wahlen im Januar steht die Ministerpräsidentin stark unter Druck.

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Produzent von Textilien weltweit. Die rund 4500 Fabriken im Land produzieren rund 80 Prozent aller Exporte des Landes. Deren Wert beläuft sich auf rund 20 Milliarden Euro jährlich.

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