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Indonesier demonstrieren für höheren Mindestlohn

Jakarta (afp) – In Indonesien haben am Donnerstag hunderttausende Menschen für eine Verdopplung des Mindestlohns demonstriert, um bei der galoppierenden Inflation nicht ins Elend zu stürzen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich zwei Millionen Arbeiter an dem landesweiten Streik, davon 700.000 in der Hauptstadt Jakarta und der Industriezone Bekasi. In allen Fabriken der Hauptinsel Java „ruht die Arbeit“, sagte der Präsident des Gewerkschaftsbundes KSPI, Said Iqbal.

„Erhöht unsere Löhne um 50 Prozent“, stand auf Plakaten, die streikende Arbeiter in Bekasi aufgehängt hatten. Iqbal verwies auf eine Inflationsrate von jährlich 8,4 Prozent. „Viele Arbeiter, die ihre Mieten nicht mehr zahlen können, mussten ihre Wohnungen verlassen und leben unter Brücken und in Abwasserkanälen“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Hintergrund der Proteste ist die Streichung der Kraftstoff-Subventionen, die zu einem Anstieg des Benzinpreises um 44 Prozent und des Dieselpreises um 22 Prozent geführt haben. Die indonesische Wirtschaft boomt seit 2005 mit einem Wachstum von jährlich mehr als sechs Prozent – dennoch ist der Mindestlohn in dem südostasiatischen Inselstaat einer der niedrigsten weltweit.

Im vergangenen Jahr war in der Region Jakarta der Lohn um 44 Prozent auf 2,2 Millionen Rupiah (144 Euro) angehoben worden. Die Arbeitgeber machen geltend, bei einer Verdoppelung in diesem Jahr würden immer mehr ausländische Unternehmen Arbeitsplätze in die Billiglohnkonkurrenzländer Malaysia, Birma oder Vietnam verlegen. Der Vize-Präsident des Arbeitgeberverbandes Apindo, Franky Sibarani, nannte eine Anhebung auf 2,29 Millionen Rupiah „vernünftig“.

Im Oktober und November mehren sich in Indonesien regelmäßig die Streiks, da die örtlichen Behörden dann über die Anpassung des Mindestlohns entscheiden.