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Verantwortung für 60.000 Lagerartikel: CSR bei Hornbach

Baumärkte zählen zu den Einzelhandelszweigen mit einer großen Produktvielfalt – und bekanntermaßen einem hohen Preisdruck. Keine einfache Aufgabe für einen Nachhaltigkeitsbeauftragten, wirtschaftliche Effizienz und nachhaltige Unternehmensgestaltung beieinander zu halten. Beider Baumarktkette Hornbach stellt sich Andreas Back, Leiter Qualitätsmanagement und Umwelt, dieser Herausforderung.

Bornheim (Pfalz) – Baumärkte zählen zu den Einzelhandelszweigen mit einer großen Produktvielfalt – und bekanntermaßen einem hohen Preisdruck. Keine einfache Aufgabe für einen Nachhaltigkeitsbeauftragten, wirtschaftliche Effizienz und nachhaltige Unternehmensgestaltung beieinander zu halten. Beider Baumarktkette Hornbach stellt sich Andreas Back, Leiter Qualitätsmanagement und Umwelt, dieser Herausforderung. Frederikje Kuntze sprach für CSR NEWS mit ihm.

CSR NEWS: Herr Back, welche aktuellen Herausforderungen beschäftigen Sie als Leiter Qualitätsmanagement und Umwelt bei Hornbach momentan besonders?

Andreas Back: Durch die Globalisierung der Produktionsstätten gibt es eine Vielzahl an Herausforderungen, das aktuelle Hauptthema ist aber die europäische Holzhandelsverordnung. Diese ist im März dieses Jahres in Kraft getreten, zeigt aber erst jetzt ihre volle Wirkung. Wir beschäftigen uns mit diesem Thema bereits seit Jahren und haben eine korrespondierende CSR-Policy parat. Dies macht es uns verhältnismäßig einfach, der Holzhandelsverordnung nachzukommen. Eine Herausforderung liegt darin, die anderen Marktteilnehmer über den Inhalt der Verordnung zu informieren. In dieser Hinsicht befinden wir uns fast in der Rolle eines Consultingunternehmens. Die oft am Ende der Lieferkette angesiedelten größeren Handelsunternehmen sind bei neuen Verordnungen oft besser aufgestellt als Zulieferer oder Hersteller.

Wie informieren Sie Ihre Hersteller und Lieferanten?

Da gibt es mehrere Möglichkeiten: Zum einen informieren wir im persönlichen Gespräch, etwa durch ein Anschreiben, eine E-Mail oder in speziellen Lieferantenveranstaltungen. Dazu laden wir Lieferanten von betroffenen Artikeln ein und informieren sie gezielt. Außerdem nehmen wir uns Zeit, um Fragen zu beantworten, obwohl das nicht unser eigentliches Geschäft ist. Letztlich ist unser wertvollstes Gut unser Markenname, damit sind wir gegenüber dem Kunden und der Öffentlichkeit verantwortlich.


Andreas Back

Zu Ihrer Person: Welches Grundstudium beziehungsweise welche Ausbildung haben Sie absolviert? War eine Verantwortung für Umwelt und Nachhaltigkeit da bereits Ihre Zielrichtung?

Nein, eine entsprechende Zielrichtung hatte ich nicht eingeschlagen. Ich habe einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund, aber kein abgeschlossenes Studium. Dafür konnte ich eine solide betriebswirtschaftliche Grundausbildung mit einer Aufbauqualifikation ergänzen. Außerdem habe ich ein grundlegendes technisches Verständnis als Grundvoraussetzung mitgebracht. Ich hatte die Ehre, den Bereich Qualitätsmanagement und Umwelt von Beginn an aufzubauen.

Wie sind Sie zu Hornbach gekommen?

Ich habe drei Semester studiert und während der Semesterferien bereits bei Hornbach gearbeitet. Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich dann das Studium vorzeitig beendet habe. Ich hatte in meiner bisherigen Laufbahn immer entsprechende Förderer, sodass ich mehrere Abteilungen durchlaufen konnte. Dadurch, dass unser Unternehmen stetig gewachsen ist, ergab sich die Chance, einen solchen Bereich aufbauen zu dürfen.

Wie sind Sie aktuell strategisch in Ihrer Position im Unternehmen eingebunden?

Ich bin zum einen als Produkt Compliance Officer im Unternehmen tätig. In dieser Position bin ich für alles, was mit Artikeln und Produkten in unseren neun europäischen Ländern zusammenhängt, verantwortlich. Gemeinsam mit meinem Team sorgen wir dafür, dass die Produkte den Normen und Vorschriften der jeweiligen Mitgliedsländer entsprechen. Wir haben über 60.000 Artikel, die in unseren derzeit 140 Märkten auf Lager sind. Hinzu kommt noch eine Vielzahl an Bestellartikeln. An dieser Stelle spielt das Qualitätsmanagement eine große Rolle. Von unseren 60.000 Lagerartikeln ist ein erheblicher Anteil Eigenmarke und Eigenimporte der Hornbach-Baumarkt-AG. Hierbei übernehmen wir die Herstellerverantwortung. So sind wir beispielsweise im Sinne des Produktsicherheitsgesetzes direkt mit in die Produktverantwortung einbezogen. Ein weiteres Zuständigkeitsgebiet ist der Umweltschutz. Darunter fallen zum Beispiel Umweltlizenzierungen, wie Verpackungslizenzierungen, Elektroschrott und Batterien. Aber auch die Regelentsorgung der Märkte, Logistikzentren und Verwaltungen gehört bei uns in dieses Gebiet. Die CSR-Thematik spannt sich wie ein Dach über die gesamten Bereiche Qualitätsmanagement und Umwelt.

Welchen Wunsch hätten Sie an die Politik?

Das grundsätzliche Problem ist, dass für CSR keine international verbindlichen gesetzlichen Regelungen existieren. Von vielen Dingen wird als selbstverständlich ausgegangen, weil sie in Europa tariflich durch das Arbeitsrecht geregelt sind – in den Schwellenländern sind sie das leider noch nicht. Wir haben in Europa ein sehr hohes Niveau. Wenn der Kunde also in Europa ein Produkt kauft, geht er davon aus, dass dieses Produkt unter den bei uns gültigen Voraussetzungen hergestellt worden ist. Die jüngsten Beispiele aus Bangladesch, Pakistan und China zeigen aber, das ist nicht der Fall. Insofern ist meine Forderung an die Politik, sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene verbindliche Regelungen zu schaffen. Als Orientierungshilfe und Handlungsrahmen für Unternehmen gibt es verschiedene Leitlinien wie den Global Compact, SA 8000 oder die ILO. Die Unternehmen müssen sich aus den verschiedenen Richtlinien ein „Best-of“ erstellen, durch das sie sich in der Öffentlichkeit und gegenüber ihren Kunden repräsentieren. Genauso haben wir es gemacht. Unsere Produkte werden genau nach diesen Kriterien geprüft und hergestellt.

Zuletzt ein Ausblick in die Zukunft: Welche Pläne gibt es bei Ihnen für den Bereich Nachhaltigkeit und CSR?

Der gesamte Produktionsprozess ist dynamisch. Folglich verlagern sich innerhalb des Prozesses auch Produktionsstätten an andere Orte, was einen roten Faden in der Planung und Vorgehensweise notwendig macht. Dabei gibt es sehr unterschiedliche Entwicklungsstufen, auf denen sich Produktionsstätten – und teilweise auch ganze Produktionsländer – befinden. Je nach Stufe ist ein Plan über die Weiterentwicklung der Fabrik von Nöten. Das ist auch abhängig davon, welches Ziel der Mindeststandard vorgibt. Konkret heißt das bei uns, dass manche Fabriken als Zulieferer abgelehnt werden, weil die Kluft zwischen Ist- und Soll-Zustand zu groß ist, um diese kurzfristig anzugleichen. Wir weisen diese Fabriken aber nicht nur auf unsere Mindeststandards hin, sondern beschreiben ihnen auch den genauen Weg, wie sie diese erreichen können. In den meisten Fällen verbleiben wir so, dass die Fabriken sich wieder bei uns melden, sobald sie selbst der Meinung sind, diesen Standard erreicht zu haben.

Auf ein interessantes Projekt möchte ich noch hinweisen, das uns dabei zukünftig unterstützen kann: Derzeit wird ein Import Promotion Desk aufgebaut. Finanziert wird dies vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und findet hauptsächlich in Zusammenarbeit mit dem BGA statt, beteiligt sind aber auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Bundesverband für Groß- und Außenhandel. Das Import Promotion Desk will diverse Projekte in verschiedenen Ländern umsetzen: Darunter fällt zum Beispiel der Ansatz, eine Mindestqualifikation für potenzielle Lieferanten außerhalb von Europa herzustellen, sodass sie bei einem Audit bestehen können. Im Endeffekt soll der Entwicklungsstand angehoben werden. Bei diesem Projekt bin ich als Vertreter der Baumarktbranche involviert. Es geht aktuell um drei Bereiche, darunter auch der Holzbereich. Das Projekt ist eine Annäherung von europäischen Abnehmern und Schwellen- und Entwicklungsländern. Das ist eine sehr interessante und löbliche Alternative. Ein Verzicht oder gar ein Boykott derzeitiger Zulieferer etwa aus Asien würde nur die Lieferströme verlagern, aber kein Umdenken bewirken.

Herzlichen Dank für das Gespräch!