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Handel sieht Fortschritte bei Arbeitsbedingungen in Bangladesch

Köln (afp) – Nach den schweren Fabrikunglücken in Bangladesch sieht der deutsche Einzelhandel erste Fortschritte hin zu besseren Arbeitsbedingungen in dem Land, warnt aber zugleich vor überzogenen Erwartungen. Wirksamer als eilig beschlossene Gesetze, Aktionspläne und Kontrollen sei ein Bewusstseinswandel in den Lieferländern selbst, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE), Jan Eggert, am Dienstag in Köln. Entscheidend sei, dass „in Bangladesch selbst ein Umdenken stattfindet und ein Klima entsteht, in dem gute Arbeitsbedingungen eine Selbstverständlichkeit werden“.

Die Außenhandelsvereinigung reagierte damit auf die Debatte um mangelhafte Sicherheitsstandards in den Textilfabriken von Bangladesch. Bei Bränden und anderen Unglücken hatte es in den vergangenen Monaten wiederholt Todesopfer gegeben, zuletzt im Oktober bei einem Brand in einem Werk in Sripur am Rande der Hauptstadt Dhaka. Beim Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza im April waren mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen, es war das schwerste Industrieunglück in der Geschichte des Landes.

Eggert betonte, unter dem Druck der internationalen Öffentlichkeit und aus dem eigenen Land habe bei der Regierung von Bangladesch und den Unternehmen ein Umdenken stattgefunden. „Allen Beteiligten vor Ort ist klar, dass sich nicht nur Brandschutz und Arbeitssicherheit, sondern die Arbeitsbedingungen insgesamt verbessern müssen.“ So habe die Regierung in Bangladesch erstmals durchgegriffen und eine Reihe von Fabriken aufgrund von Verstößen gegen Brand- und Gebäudesicherheitsvorschriften geschlossen. Auch seien die Einstellung von 800 neuen Fabrik-Inspektoren und eine umfassende Reform der Arbeitsgesetze geplant.

Auch der deutsche und europäische Handel hätten Konsequenzen gezogen, unterstrich Eggert. Der AVE-Hauptgeschäftsführer verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf die Initiative des europäischen Einzelhandels zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Lieferländern. Im Zuge dieser „Business Social Compliance Initiative“ (BSCI) würden ab 2014 in den Fabriken unangekündigte Untersuchungen, sogenannte Audits, eingeführt. Die Audit-Kriterien selbst seien bereits Anfang 2013 mit Blick auf den Brandschutz deutlich verschärft worden.

Eggert warnte jedoch davor, in Euphorie zu verfallen. Angesichts der politisch instabilen Lage in Bangladesch bleibe abzuwarten, ob die Pläne der Regierung zu konkreten und vor allem langfristigen Verbesserungen führten. Auch müssten der Einfluss westlicher Unternehmen und die Wirksamkeit von Gesetzen und Kontrollen realistisch eingeschätzt werden. Die Situation vor Ort sei „vielschichtig, und wir dürfen bei ihrer Beurteilung nicht allein die Maßstäbe unserer westlichen Zivilgesellschaft anlegen“.

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