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Neue World Vision Kinderstudie: Kinder wollen eine gerechtere Welt für alle

Berlin (csr-news) >  Aus Anlass der Vorstellung der neuen World Vision Kinderstudie mit dem Titel „»Wie gerecht ist unsere Welt?« Kinder in Deutschland 2013“ fordert die internationale Kinderhilfsorganisation die neue Bundesregierung auf, mehr Politik für Kinder zu wagen, Kinder in Familie, Schule und in Bereichen, wo die Belange von Kindern betroffen sind, anzuhören und sie bei Entscheidungen zu befragen. Christoph Hilligen, Vorstand World Vision betont: „Der Abbau von finanziellen, sozialen und kulturellen Ungleichheiten sollte im Vordergrund einer neuen Politik stehen. Diese Forderung ergibt sich aus der Verfassung der Bundesrepublik und garantiert jedem Gesellschaftsmitglied ohne Ansehen ihres Alters, ihrer Herkunft oder ihres Geschlechts ein würdiges Leben“. Im Auftrag der Kinderhilfsorganisation World Vision Deutschland haben die Kindheitsforscherin Prof. Sabine Andresen und der Sozialwissenschaftler Prof. Klaus Hurrelmann  zusammen mit TNS Infratest Sozialforschung, München, zum dritten Mal 2500 Kinder in Deutschland über ihre Lebenssituation und ihr Wohlbefinden befragt. Ziel ist es, auch den sechs- bis elfjährigen Kindern eine Stimme zu geben, ihnen zuzuhören, ihre Sichtweisen kennen zu lernen und daraus Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft abzuleiten. Die letzten beiden World Vision Kinderstudien erschienen 2007 und 2010.

Die neue Studie zeigt, dass Kinder ein hohes Gerechtigkeitsempfinden haben, und zwar nicht nur auf sich selbst bezogen, sondern dass sie auch Gerechtigkeit für andere fordern. Allerdings soll dafür auch jeder etwas beitragen. In Bezug auf den Umgang mit armen Menschen empfindet eine überwiegende Mehrheit der Kinder, dass die Gesellschaft in Deutschland diese ungerecht behandelt. Andresen betont: „Es ist wieder einmal erstaunlich, mit welcher Klarheit Kinder ihre Umwelt und ihre Mitmenschen betrachten und bewerten. Selbst Kinder ab 3 Jahren haben bereits ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und teilen beispielsweise Süßigkeiten relativ gerecht auf. Betrüblich ist, dass sich in Bezug auf benachteiligte Kinder wenig getan hat“. 32% der Kinder wachsen in Familien auf, in denen nur ein Elternteil arbeitet. 12% der Kinder wachsen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf, der auch in Vollzeit arbeitet. Diese Kinder und Kinder von arbeitslosen Eltern beklagen sich am häufigsten, dass ihre Eltern zu wenig Zeit hätten. Kinder, bei denen Mutter und Vater arbeiten, beklagen sich am wenigsten über den Zeitmangel ihrer Eltern.

Die World Vision Kinderstudie zeigt auch, dass Kinder aus benachteiligten sozialen Schichten die geringsten Selbstbestimmungsmöglichkeiten im Alltag haben. Deutlich weniger als der Durchschnitt dürfen sie entscheiden, mit welchen Freunden sie sich treffen oder was sie in der Freizeit unternehmen möchten. Hurrelmann betont: „Kinder brauchen ein kindgerechtes Umfeld und eine kinderfreundliche Gesellschaft. Wir hoffen, dass wir mit dieser Studie der neuen Bundesregierung Erkenntnisse an die Hand gegeben haben, die ihnen ermöglicht an einer Gesellschaft zu arbeiten, die Kindern eine gute Zukunft ermöglicht“.

Deshalb wird die Kinderstudie 2013 an die Kinder- und Familienexpertin von Bündnis 90/ Die Grünen Katja Dörner überreicht, die erklärt: „Ich freue mich, die 3. World Vision Kinderstudie stellvertretend für die Bundespolitik entgegen nehmen zu dürfen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Erkenntnisse im Familienausschuss und in der Kinderkommission des Deutschen Bundestages angemessen behandelt werden. Es ist Besorgnis erregend, dass in einem Land wie Deutschland trotz jahrelanger Diskussion über Kinderarmut ein Fünftel der Kinder als abgehängt bezeichnet werden kann. Das Wohlergehen gerade dieser Kinder liegt mir besonders am Herzen. Ich kann es Union und SPD nur dringend ans Herz legen, die Erkenntnisse der Kinderstudie in den laufenden Koalitionsverhandlungen zu berücksichtigen. Wir brauchen schnellstmöglich eine ganzheitliche Strategie mit messbaren Zielen zur Bekämpfung der Kinderarmut“.

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