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Palmöl-Check 2013 – Firmen unter der Lupe

Die weltweite Nachfrage nach Palmöl steigt stetig an und mit ihr werden auch die Probleme beim Anbau nicht weniger. Zahlreiche Unternehmen wollen nur noch Palmöl aus nachhaltigem Anbau verwenden, dennoch genügen rund 60 Prozent des in Deutschland genutzten Palmöls nicht mal den Minimalanforderungen an ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Dies ist ein Ergebnis des aktuellen Palmöl-Checks der Naturschutzorganisation WWF.

Berlin (csr-news) >  Die weltweite Nachfrage nach Palmöl steigt stetig an und mit ihr werden auch die Probleme beim Anbau nicht weniger. Zahlreiche Unternehmen wollen nur noch Palmöl aus nachhaltigem Anbau verwenden, dennoch genügen rund 60 Prozent des in Deutschland genutzten Palmöls nicht mal den Minimalanforderungen an ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Dies ist ein Ergebnis des aktuellen Palmöl-Checks der Naturschutzorganisation WWF.

„Egal ob Pizza, Margarine, Waschmittel oder Lippenstift, in fast jedem zweiten Produkt aus dem Supermarktregal versteckt, sich Palmöl oder Palmkernöl, das vor allem auf Plantagen in den tropischen Regenwaldregionen Südost-Asiens angebaut wird“, warnt Martina Fleckenstein, Leiterin des Bereich Landwirtschaft beim WWF. „Unser Konsum entscheidet also über das Schicksal von Orang-Utan oder Tiger und der Menschen vor Ort“. Immerhin hat sich die Anbaufläche für Ölpalmen in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu verdoppelt. Palmölplantagen bedecken inzwischen etwa 16 Millionen Hektar der Erde. Das entspricht der doppelten Fläche Österreichs. Dabei ist Palmöl gar kein schlechtes Öl, mit lässt sich auf vergleichsweise geringer Fläche ein großer Teil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenölen decken. Die Pflanze ist dreimal so ertragreich wie Raps und beansprucht für den gleichen Ertrag etwa sechsmal weniger Fläche als Soja. In vielen Ländern ist Palmöl ein schwer zu ersetzendes Nahrungsmittel. Das Problem ist der Anbau. Der Round Table for Sustainable Palmoil (RSPO) hat Mindeststandards zur sozialen und ökologischen Verantwortung entwickelt, die von den Anbaubetrieben eingehalten werden müssten.

Mit seinen „Palmöl Scorecards“ fragt der WWF nun regelmäßig bei Konsumgüterherstellern die Einkaufspolitik ab und stellt fest, wie diese Mindestanforderungen in der Palmöl-Lieferkette umgesetzt werden. Insgesamt 238 Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum, davon 157 aus Deutschland, wurden bewertet. 72 der befragten deutschen Unternehmen erreichten weniger als zwei Punkte und fanden sich damit am unteren Ende der Skala wieder. Möglich waren 12 Punkte, wobei für die Mitgliedschaft beim RSPO und die Einreichung des jährlichen Berichts zwei Punkte vergeben wurden. Je einen weiteren Punkt gab es für eine klare Selbstverpflichtung zur Umstellung auf 100 % zertifiziertes Palmöl bis spätestens 2015 sowie für unmissverständliche Forderungen an die Lieferanten, ihre Treibhausgasemissionen zu veröffentlichen. Darüber hinaus wurden konkrete Angaben zu Mengen jährlich genutzten Palmöls mit bis zu 2 Punkten und Angaben zum Anteil zertifizierten Palmöls mit bis zu 6 Punkten bewertet. Insgesamt verweigerten sich 43 Prozent der deutschen Unternehmen einer transparenten Einkaufspolitik oder sind nicht Mitglied des Runden Tischs für Nachhaltiges Palmöl (RSPO).

Doch es gibt inzwischen auch zahlreiche Positiv-Beispiele, wie der WWF betont. So hat der Lebensmittelhändler Rewe als einziges deutsches Unternehmen die höchstmögliche Wertung von 12 Punkten erreicht. 2011 hat das Unternehmen seine konzernweit gültige Leitlinie für Palmöl- und Palmkernölerzeugnisse in Kraft gesetzt. Sie ist für alle konventionellen Eigenmarkenprodukte gültig, die Palmöl beinhalten. Die Lieferanten sind dazu aufgefordert, die Anforderungen der Palmöl-Leitlinie so zeitnah als möglich umzusetzen und nur noch sogenanntes segregiertes, RSPO-zertifiziertes Palmöl und Palmkernöl zur Herstellung der Eigenmarkenprodukte der REWE Group einzusetzen. „Eine breite und nachhaltigere Palmölstrategie kann aber nur wirkungsvoll umgesetzt werden, wenn globale und gleichgerichtete Anstrengungen realisiert werden“, so Ludger Breloh, Bereichsleiter „Grüne Produkte“ bei der Rewe Group. „Eine der wichtigsten Herausforderungen wird es weiterhin sein, die Nachfrage an zertifiziertem Palmöl massiv zu steigern, damit im nächsten Schritt bestehende Zertifizierungssysteme um strengere Kriterien ergänzt werden können“. Denn derzeit sind insgesamt nur 16 Prozent der weltweiten Palmölproduktion zertifiziert und von denen wird nur etwa die Hälfte verkauft. „Positiv ist, dass immer mehr Unternehmen zertifiziertes Palmöl nutzen oder dabei sind, umzustellen. Langsam und zögerlich entsteht die nötige Transparenz “, lobt Fleckenstein. Trotzdem: Global betrachtet bewertet der WWF die Situation weiterhin als „kritisch“.

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