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Tarifbindung in deutschen Unternehmen gesunken

Düsseldorf (afp) – Das System der Tarifverträge ist in den vergangenen 20 Jahren löchriger geworden. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag in Düsseldorf veröffentlichte Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. während 1998 noch Tarifverträge für 76 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und 63 Prozent in Ostdeutschland galten, lag die Tarifbindung im Jahr 2012 nur noch bei 60 Prozent im Westen und 48 Prozent im Osten.

Das liegt laut WSI nicht nur an einem geringeren Organisationsgrad der Arbeitnehmer, sondern auch an „Erosionserscheinungen auf der Arbeitgeberseite“. So verlören die Arbeitsgeberverbände deutlich an Mitgliedern. Beispielsweise habe Gesamtmetall allein zwischen 1993 und 1996 über 20 Prozent seiner Mitgliedsunternehmen eingebüßt. Den Arbeitnehmerorganisationen fehle damit oft ein Ansprechpartner, betonte das WSI. Es seien aber nicht nur wirtschaftlich schwache Unternehmen, die den Verbänden den Rücken kehrten und sich Tariflöhne nicht leisten könnten.

Im anderen Fall bleiben Unternehmen zwar Verbandsmitglieder, scheiden aber aus der Tarifbindung aus. Dies betrifft vor allem kleinere Unternehmen. Laut WSI bietet gut die Hälfte der rund 700 Arbeitgeberverbände in Deutschland eine solche Mitgliedschaft ohne Tarifbindung an. Im Jahr 2010 hatten demnach 42 Prozent der Mitgliedsunternehmen von Gesamtmetall diesen Status.

Den WSI-Experten zufolge haben die Arbeitgeberverbände damit ihre tarifpolitische Funktion teilweise eingebüßt. Auch bei der politischen Lobbyarbeit setzten zumindest größere Unternehmen heute eher auf eigene Zugänge, statt sich auf die Arbeit des national organisierten Verbands zu verlassen.

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