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„Kommunikation ist keine Einbahnstraße“: CR bei RWE

Wohl keine andere Branche steht in Sachen Nachhaltigkeit derart unter kritischer Beobachtung und zugleich unter einem so enormen wirtschaftlichen Druck wie die Energiewirtschaft. Jüngst kündigte der Essener Konzern RWE einen Abbau von 6750 Stellen an. Bei dem Energieversorger, der mit dem Slogan „voRWEg gehen“ wirbt, verantwortet Marga Edens das Thema Corporate Responsibility (CR). Mit ihre sprach Frederikje Kuntze für CSR NEWS und das CSR MAGAZIN.

Essen (csr-news) – Wohl keine andere Branche steht in Sachen Nachhaltigkeit derart unter kritischer Beobachtung und zugleich unter einem so enormen wirtschaftlichen Druck wie die Energiewirtschaft. Jüngst kündigte der Essener Konzern RWE einen Abbau von 6750 Stellen an. Bei dem Energieversorger, der mit dem Slogan „voRWEg gehen“ wirbt, verantwortet Marga Edens das Thema Corporate Responsibility (CR). Mit ihre sprach Frederikje Kuntze für CSR NEWS und das CSR MAGAZIN.

CSR NEWS: Welche aktuellen Herausforderungen beschäftigen Sie in den Bereichen CR und Nachhaltigkeit bei RWE?

Marga Edens: Es sind viele Themen, die uns rund um die Bereiche Nachhaltigkeit und CR beschäftigen. Am wichtigsten sind uns drei Themen. Das erste ist der Dialog mit der Gesellschaft, denn Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Bevor wir zu reden beginnen, stellen wir Fragen, hören genau zu, reflektieren das Gehörte und versuchen dann zu antworten. Das führt zu einem insgesamt besseren Verständnis. Es ist wichtig, dass wir lernen, die Gesellschaft besser zu verstehen, im Gegenzug muss aber auch das Verständnis der Gesellschaft uns gegenüber gestärkt werden. Als Unternehmen möchten wir nicht nur geduldet, sondern auch wertgeschätzt werden, dazu ist ein Vertrauen uns gegenüber notwendig. Das führt direkt zum zweiten Thema: Vertrauen. Eine weitere Herausforderung ist es für uns, das in den letzten Jahren verloren gegangene Vertrauen der Gesellschaft in Unternehmen für uns zurückzugewinnen. In Bezug auf unser Kerngeschäft bedeutet dies, dass wir zum Beispiel Abbaubedingungen für Importkohle offen legen. Wenn wir Informationen etwa zu Arbeitsbedingungen und Umwelt vor Ort haben, dann möchten wir transparent sein. Wir wollen die Rahmenbedingungen positiv beeinflussen. Das können wir nicht alleine, dafür brauchen wir die Zusammenarbeit anderer Unternehmen. Zu diesem Zweck haben wir gemeinsam mit anderen europäischen Unternehmen die Initiative „Better Coal“ gestartet. Unsere Absicht ist dabei, die Kohlelieferkette nachhaltiger zu machen und positiv auf die Rahmenbedingungen in den Herkunftsländern einzuwirken. Das ist ein Beispiel, wenn wir von Vertrauen sprechen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir sehr viel von Rekultivierung verstehen und unser Know-how dazu nochmals auf den Prüfstand stellen wollen. Dazu sind wir eine Kooperation mit IUCN, International Union for Conservation of Nature, eingegangen. Die Kenntnisse, die wir in Deutschland gewonnen haben, möchten wir in anderen europäischen Ländern einbringen, in denen im Tagebau gefördert wird. So wollen wir zu einer positiven Entwicklung beitragen.

Ein drittes Thema ergibt sich aus meiner weiteren Tätigkeit als Diversity Officer: Um die Energiewende mit zu gestalten braucht RWE neue Ideen und Lösungen und vor allem die Mitarbeit aller Talente, die wir im Unternehmen haben. Wir brauchen dabei jeden: Jüngere und erfahrenere Kollegen, Frauen und Männer. Mit meinem Diversity-Team arbeite ich an einer Inclusive Corporate Culture. In diesem Rahmen stellen wir Überlegungen an zur Frauenquote, kulturellen Hintergründen und darüber, wie wir die „Generation Y“ für RWE interessieren können. Die Wertschätzung der Vielfalt ist uns besonders wichtig, wir möchten allen Kolleginnen und Kollegen die gleichen Entwicklungs- und Karrierechancen bieten.

Ein weiteres Ziel unsererseits ist es, Produkte und Dienstleistungen noch besser auf die Bedürfnisse der Gesellschaft abzustimmen. Das sind unsere großen aktuellen Themen: Der Dialog mit der Gesellschaft, das Vertrauen der Gesellschaft zurückzugewinnen und in unser Kerngeschäft einzubringen sowie Diversity und Inclusion.

Wie sind Sie zu RWE gekommen?

Ursprünglich habe ich Jura studiert. Dieses Studium bot mir ein sehr breites Spektrum beruflicher Möglichkeiten. Zunächst habe ich als Firmenanwältin gearbeitet, in diesem Rahmen auch als Corporate Secretary. Eine Zeit lang war ich auch als Leiterin Investor Relations tätig. Anschließend entschied ich mich für das Thema Corporate Responsibility. In diesem Bereich habe ich in den Niederlanden bei der RWE-Tochtergesellschaft Essent angefangen. Sobald RWE dann Essent übernommen hatte und Herr Terium der Vorstandsvorsitzende von Essent wurde, haben wir gemeinsam an diesem Thema weitergearbeitet. Als Herr Terium wieder nach Essen gewechselt ist, merkte ich, dass ich einen ähnlichen Weg einschlagen wollte. Denn wenn man in diesem Bereich wirklich etwas erreichen möchte, sollte man in der Zentrale arbeiten.

Wie sind Sie strategisch ins Unternehmen eingebunden? Welche Zusammenhänge und welche Zuständigkeitsbereiche bestehen?

Der Corporate Responsibility-Bereich ist Teil von Corporate Affairs. Dieser Bereich beinhaltet nicht nur Corporate Responsibility, sondern auch Corporate Communications und Political Affairs. Damit können wir effektiver kommunizieren und gemeinsam in den Dialog mit der Gesellschaft treten.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Zum jetzigen Zeitpunkt wird die Politik von Anfragen überlaufen, deshalb möchte ich mein Anliegen allgemein halten. Mein Wunsch ist, dass die Politik die Energiewende gerade hier in Deutschland nachhaltig gestaltet. Die Energiewende sollte nicht gestoppt werden, sie muss weitergehen – aber auf eine nachhaltige Art und Weise.

Welche Inhalte sollten hinsichtlich Nachhaltigkeit und CR an Universitäten vermittelt werden?

Corporate Responsibility ist keine reine Kommunikationsangelegenheit, Berichte und Broschüren allein genügen nicht. Man muss in seinem eigenen Unternehmen die Prozesse auf den Prüfstand stellen und sich fragen, ob man richtig handelt und ob man Prozesse nachhaltiger gestalten kann. Außerdem ist es wichtig, die Meinungen der Stakeholder einzuholen und zu berücksichtigen. Man sollte sich nicht selbst überschätzen und offen für andere Meinungen sein. Die Bereitschaft zuzuhören und Dinge zu hinterfragen, das ist kurzgefasst die Botschaft, die ich auch den Studenten mitgeben würde. Es handelt sich bei Corporate Responsibility nicht nur um Websites und Magazine – Corporate Responsibility ist kein „Nice-to-have“, vielmehr ein „Need-to-have“! Nicht nur die Energieunternehmen brauchen CR um zu überleben, sondern wir als Gesellschaft allgemein.
Das Thema Corporate Responsibility ist kein triviales Thema, es muss tiefer erforscht und verstanden werden. An diesem Punkt setzen viele Aktivitäten von RWE an. Zum Beispiel Energiebildung, das ist auch ein Schwerpunkt der RWE-Stiftung, außerdem beteiligen wir uns an der MINT-Kooperation, um mehr junge Frauen für technische Berufe zu interessieren. Herr Terium nimmt dieses Jahr zum zweiten Mal am „Dialog mit der Jugend“ teil, wo Schüler für energiewirtschaftliche Themen interessiert werden und in Dialog miteinander treten. Wir haben sehr viele Projekte, in denen Mitarbeiter Wissen zur Energiewirtschaft zum Beispiel an Schulen vermitteln, denn wir sind überzeugt, dass das ein wichtiger Punkt ist, um Themen wie Energiepolitik oder CR verstehen zu können. Damit schaffen wir grundlegendes Verständnis und auch Vertrauen uns gegenüber.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der RWE-CR-Report >> zum Download

Foto: Am ersten bundesweiten „Green Day“ besichtigten Schüler in der vergangenen Woche das Laufwasserkraftwerk Baldeney.