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Andere Versicherer nutzen ähnliche Werbetricks wie Debeka

Düsseldorf (afp) – Die umstrittenen Werbepraktiken des Versicherers Debeka sind einem Zeitungsbericht zufolge nur die Spitze des Eisbergs und werden von anderen Branchengrößen in ähnlicher Form angewandt. Rund ein halbes Dutzend weiterer Versicherungsfirmen pflegt nach Informationen des „Handelsblattes“ (Dienstagsausgabe) ebenfalls ein dichtes Kontaktnetz im Beamtenapparat, um den eigenen Vertrieb anzukurbeln. Dazu sollen unter anderem die BHW, DBV und Signal Iduna gehören.

Auf Anfrage der Zeitung wollten die Unternehmen demnach keine Auskunft über Provisionen für sogenannte Vertrauensmitarbeiter geben, die Männer und Frauen kurz nach der Verbeamtung angeblich gezielt als Kunden anwerben. Die Firmen hätten sich jedoch einen „direkten Draht“ zu Finanzämtern, Gerichten, Zollämtern und Staatsanwaltschaften gesichert: Nach Einschätzung des „Handelsblattes“ geht die Zahl der nebenbei für die Versicherungen tätigen Beamten in die Zehntausende.

Die Zeitung nannte als Beispiel, dass freie Handelsvertreter der Signal Iduna weitreichenden Zugriff auf die Daten junger Polizisten und zentrale Verzeichnisse von Berufsauszubildenden hätten, die bei Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern geführt würden. So habe ein hessischer Oberkommissar durch seine Kooperation mit gleich vier Versicherern mehr als 500.000 Euro innerhalb von sieben Jahren kassiert. Ein Richter in Bayern soll jährlich tausende Euro mit der Vermittlung von Bausparverträgen für die BHW dazuverdient haben.

Die Debeka hatte kürzlich bestätigt, Beamte für sich als sogenannte Tippgeber nebenberuflich arbeiten zu lassen, um neue Versicherungskunden zu werben. Die Versicherung betont, diese Tätigkeit als Tippgeber sei nach dem Bundesbeamtengesetz zulässig und vergleichbar etwa mit der Abonnentenwerbung bei Zeitungsabonnements. Im Zusammenhang mit den Werbepraktiken des Versicherers ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit sowie der Verletzung des Dienstgeheimnisses und Anstiftung dazu.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium hatte vergangene Woche in einem Schreiben die über 70.000 Beamten des Bundeslandes davor gewarnt, Personendaten möglicher neuer Versicherungskunden ohne deren ausdrückliche Genehmigung weiterzugeben. Verstöße könnten straf- und disziplinarrechtliche Folgen haben.