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Deutschland: Mehr Beschäftigung und mehr Armut

Berlin (afp) – Trotz steigender Beschäftigtenzahlen hat sich die Zahl der armutsbedrohten Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren erhöht. Das geht aus einem am Dienstag in Berlin vorgestellten Bericht des Statistischen Bundesamts und mehrerer Forschungsinstitute hervor. Demnach stieg der Anteil der Armutsgefährdeten von 15,2 Prozent im Jahr 2007 auf 16,1 Prozent im Jahr 2011.

Besonders deutlich stieg das Armutsrisiko demnach bei den 54- bis 64-Jährigen. Bei diesen erhöhte es sich von 17,7 Prozent (2007) auf 20,5 Prozent (2011). Damit erreichte es etwa das Niveau der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, von denen 2007 20,2 Prozent und 2011 20,7 Prozent armutsgefährdet waren.

Auch die sogenannte dauerhafte Armut stieg den Auswertungen der Statistiker zufolge. 2011 waren demnach 40 Prozent der von Armut gefährdeten Menschen bereits in den vorangegangenen fünf Jahren arm. 2000 lag der Anteil der dauerhaft Armen bei 27 Prozent. Als arm galt der Definition des Reports zufolge, wer im Jahr 2011 weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hatte.

Der Sozialverband VdK forderte die Politik zum Handeln auf. „Insbesondere Altersarmut ist kein Randproblem“, erklärte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Vermeidung und Bekämpfung von Armut müsse „ganz nach oben auf die politische Tagesordnung“. Dazu gehöre auch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns.

Armut wirkte sich dem Bericht zufolge zugleich eindeutig auf die Lebenserwartung aus. Die mittlere Lebenserwartung von Männern in der niedrigsten Einkommensgruppe liege bei der Geburt fast elf Jahre unter der von Männern aus der hohen Einkommensgruppe, heißt es in dem sogenannten Datenreport 2013. Bei Frauen betrage der Unterschied acht Jahre.

An dem Bericht wirkten neben dem Statistischen Bundesamt auch die Bundeszentrale für politische Bildung das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) und das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin mit. Der Report stützt sich auf diverse amtliche Statistiken und sozialwissenschaftliche Berichte und beleuchtet zahlreiche Fragen von Arbeitsmarkt und Demografie bis hin zu Bildung und Einkommen.

Unter anderen verwiesen die Experten auch auf ein Absinken des Arbeitsvolumens. Zwar gab es in Deutschland im Jahr 2012 mit 41,5 Millionen Erwerbstätigen so viele Beschäftigte wie noch nie, die Zahl der von diesen jeweils geleisteten Arbeitsstunden nahm in den vergangenen 20 Jahren aber ständig ab. Arbeitete ein Erwerbstätiger 1992 im Schnitt 1564,4 Stunden pro Jahr, waren es 2012 nur noch 1393,3 Stunden.

Als Grund dafür identifizierten die Statistiker, dass immer mehr Menschen gewollt oder ungewollt in Teilzeit arbeiteten und sich die Zahl atypisch Beschäftigter erhöhte. 2012 sei bereits gut jeder fünfte Kernerwerbstätige auf diese Weise beschäftigt gewesen, hieß es in dem Report.