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Germanwatch: Die Zeit für einen fairen Apple ist überreif

Die Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs nimmt weiter stark zu. Davon profitieren vor allem Hersteller wie Samsung und Apple hat das Marktforschungsinstitut Allensbach ermittelt. Was haben die Arbeiter davon, die die Geräte zusammenbauen? Die Entwicklungsorganisation Germanwatch hat über 20 Apple-Zulieferer analysiert und festgestellt: Obwohl Apple Verbesserungen versprochen hat, bleibt die Arbeitssituation in vielen Betrieben weiter miserabel.

Berlin/Bonn (csr-news) > Die Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs nimmt weiter stark zu. Davon profitieren vor allem Hersteller wie Samsung und Apple hat das Marktforschungsinstitut Allensbach ermittelt. Was haben die Arbeiter davon, die die Geräte zusammenbauen? Die Entwicklungsorganisation Germanwatch hat über 20 Apple-Zulieferer analysiert und festgestellt: Obwohl Apple Verbesserungen versprochen hat, bleibt die Arbeitssituation in vielen Betrieben weiter miserabel.

Erst 2012 trat Apple, nach immer wiederkehrender Kritik an den Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben, der Internationalen Arbeitsorganisation Fair Labor Association (FLA). Die FLA untersuchte drei Fabriken des Apple-Zulieferers Foxconn und bestätigte bisherige Berichte von Nichtregierungsorganisationen über schwerwiegende Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte. Daraufhin erklärten sich Apple und Foxconn bereit, diese Verstöße bis zum 1. Juli 2013 zu beheben. Zwar gab es immer mal wieder Meldungen über Verbesserungen, aber eben auch immer wieder neue Berichte über problematische Arbeitsbedingungen. „Die andauernde Verletzung von Arbeitsrechten bei Apples Zulieferern ist zutiefst beunruhigend“, beklagt Cornelia Heydenreich, Teamleiterin Unternehmensverantwortung bei Germanwatch. „Es reicht nicht aus, der FLA beizutreten, um die massiven Probleme zu beheben. Langfristige Veränderungen wird es nur geben, wenn Apple auch systematisch faire Einkaufspraktiken einführt“, so Heydenreich weiter. Erst am Montag hatte die Menschenrechtsorganisation SACOM eine neue Studie über massive Arbeitsrechtsverletzungen bei Biel Crystal – einem Unternehmen aus Hongkong, das Schutzgläser für die iPhones herstellt – veröffentlicht. Erst im September 2013 hatte eine Studie von China Labor Watch aufgedeckt, dass Arbeiterinnen beim Apple-Zulieferer Jabil Green Point bis zu 110 Überstunden pro Monat leisten – teilweise unbezahlt und verpflichtend. Erlaubt sind in China nur 36 Überstunden. „Die aktuellen Untersuchungen von SACOM und China Labor Watch zeigen, dass Probleme wie Löhne unter dem Existenzminimum, quasi erzwungene und nicht angemessen bezahlte Überstunden sowie Mängel beim Arbeits- und Gesundheitsschutz weiterhin bei vielen Zulieferern zu beobachten sind“, kritisiert Cornelia Heydenreich.

Apple ist momentan eines der wertvollsten, vermögendsten und erfolgreichsten Unternehmen weltweit. Die Produkte gelten als hipp, innovativ und sind überdurchschnittlich teuer. Warum gelingt es dem Unternehmen nicht, seine Produkte fair zu produzieren? Dabei kommuniziert Apple sogar offen die Ergebnisse der eigenen Audits. Erst Anfang des Jahres wurde der letzte Supplier Responsibility Report für das Jahr 2012 veröffentlicht. Danach wurden die Arbeitsbedingungen von rund 1,5 Millionen Arbeitern in 393 Audits untersucht, mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Auf der einen Seite zeigte sich, dass die Arbeitszeiten trotz Ausnahmen in vielen Fällen eingehalten wurden, auf der anderen Seite musste man sich von einem chinesischen Zulieferbetrieb trennen, weil dort Kinder beschäftigt wurden. Zudem tauchen die Probleme nicht nur bei den direkten Zulieferern auf, sondern schon bei der Rohstoffbeschaffung, etwa beim Abbau sogenannter Konfliktmineralien. Die Studie von Germanwatch konzentriert sich allerdings auf den Bereich der direkten Zulieferer und beschreibt die zurückliegenden Jahre in denen Apple durch Kampagnen wie makeITfair oder „Time to bite into a fair Apple“ immer mehr unter Druck geriet. Bis Juli dieses Jahres sollten die Mängel beseitigt sein, so war die Verabredung zwischen Apple und der FLA. Doch seitdem ist nichts mehr zu hören, kritisiert Germanwatch, gibt es weder eine neue FLA-Untersuchung noch eine Stellungnahme von Apple. Also alles gut? Die bereits erwähnten Untersuchungen aus den letzten Wochen zeigen ein anderes Bild, zudem wurde im Mai bekannt, dass das neue und preiswertere iPhone 5c zukünftig vom Foxconn-Konkurrenten Pegatron produziert wird. Die beabsichtigte noch preiswertere Produktion rief China Labor Watch auf den Plan. Die Organisation besuchte drei Pegatron-Fabriken verglich die realen Arbeitsbedingungen mit dem Apple-Verhaltenskodex und stellte erhebliche Abweichungen fest. „Es wird somit deutlich, dass es auch gut eineinhalb Jahre nach dem Beitritt Apples zur FLA noch zu massiven Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen bei den Apple-Zulieferern in China kommt“, so die Autoren. „Zwar scheint Foxconn tatsächlich seine Überstundenanzahl gesenkt zu haben. Gleichzeitig sind jedoch die Produktivitätsanforderungen an einzelne Arbeiter gestiegen“. Hinzu kommt, das neben der Frist bis zum 1. Juli 2013 Verstöße in drei Foxconn-Fabriken zu beseitigen, im Januar 2014 die zweijährige Frist ausläuft, innerhalb derer alle Unternehmen, die der FLA beitreten, den Verhaltenskodex einhalten müssen.

Insgesamt wird deutlich, dass die Missstände in den Fabriken ein strukturelles Problem darstellen. „Die Nichteinhaltung von bestimmten Menschen- und Arbeitsrechten tritt nicht nur bei wenigen, sondern bei allen untersuchten Fabriken auf. Und sie tritt nicht nur bei Apple, sondern auch bei anderen Unternehmen auf, die in China und anderen Niedriglohnländern produzieren lassen“, heißt es in der Studie. Insbesondere das Vorweihnachtsgeschäft führt dazu, dass die Arbeiter in den Fabriken, die auch IT-Geräte herstellen, unter besonders hohem Druck arbeiten und extrem viele Überstunden leisten müssen. Als einen wesentlichen Grund für die anhaltend schlechten Arbeitsbedingungen sieht Germanwatch den enormen Preisdruck in der Elektronikbranche. „Bei operativen Margen von 0,9 % steht Foxconn unter starkem Wettbewerbsdruck. Das führt dazu, dass das Management von Foxconn und anderen Zulieferern versucht, Kosten einzusparen. Apple hingegen sitzt am längeren Hebel und erreicht operative Margen von knapp 40 %“, so die Autoren. Statt die zarten Verbesserungen bei Foxconn auszubauen, setzt Apple auf noch günstigere Produktionsbedingungen und unterstützt damit noch schlechtere Arbeitsbedingungen.

Die Veröffentlichung Das Fallbeispiel Apple – Immer noch keine fairen Arbeitsbedingungen in China ist eine Bestandsaufnahme der kritischen Auseinandersetzung mit den Arbeitsbedingungen von Apple-Lieferanten in China und analysiert 22 relevante Studien und Untersuchungen von Nichtregierungsorganisationen wie SACOM, China Labor Watch, aus dem makeITfair-Projekt sowie von der FLA.