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Ermittlungen nach Brand in Textilfabrik in Bangladesch

Dhaka (afp) – Wegen eines Großbrands in einer der größten Textilfabriken Bangladeschs haben die Behörden Ermittlungen wegen mutmaßlicher Brandstiftung aufgenommen. „Wir denken, es handelt sich um Brandstiftung durch Arbeiter innerhalb und außerhalb des Fabrikgeländes“, sagte ein Beamter der Industriepolizei, Mosharraf Hossain, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Am späten Donnerstagabend waren nach Zusammenstößen zwischen demonstrierenden Arbeitern und Polizisten im Industriegebiet Gazipur außerhalb der Hauptstadt Dhaka Brände in zwei Gebäuden der Firma Standard Group ausgebrochen. Die Arbeiter waren für höhere Löhne auf die Straße gegangen.

Angeblich kam es zu Randale auf dem Fabrikgelände, nachdem Gerüchte über zwei während der Demonstration getötete Arbeiter verbreitet wurden. Nach Angaben der Feuerwehr wurde einer der Brände schnell unter Kontrolle gebracht. Das andere Feuer, bei dem 15 voll beladene Lastwagen in Flammen aufgingen, habe die ganze Nacht über angedauert.

Standard Group zählt zu den größten Textilherstellern in Bangladesch, die Firma produziert laut ihrer Webseite unter anderem Kleidung für Zara, Tommy Hilfiger und Gap. Ein Vertreter der Vereinigung der Textilproduzenten und -exporteure Bangladeschs (BGMEA), Reaz Bin Mahmood, sagte, die betroffene Fabrik halte sich an Arbeitsvorschriften und bezahle ihre Arbeiter „gut und pünktlich“.

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Produzent von Textilien weltweit. Die Branche beschäftigt fast vier Millionen Menschen, überwiegend Frauen. Die Fabriken produzieren rund 80 Prozent aller Exporte des Landes. Oft sind die Arbeitsbedingungen in den Fabriken jedoch schlecht: Lange Schichten an sechs Tagen pro Woche sind keine Seltenheit, der Lohn ist niedrig. Hinzu kommt die häufige Missachtung von Sicherheitsvorschriften in den Fabriken.

Nach einem Großbrand mit 1335 Toten in einer Textilfabrik im April sind in Bangladesch die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen lauter geworden. Die Regierung hob den gesetzlichen Mindestlohn zum Dezember um 76 Prozent auf 68 Dollar (50 Euro) pro Monat an, die Arbeiter fordern aber eine Anhebung auf 100 Dollar. Vergangene Woche vereinbarte die Regierung mit Gewerkschaftsvertretern und Handelsketten neue Sicherheitsstandards für die 3500 Textilfabriken des Landes.

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