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NRW-Kongress „Fortschritt gestalten“: Wissensland statt Ressourcenland

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will in den nächsten vier Jahren den nachhaltigen Strukturwandel des Landes im Dialog von Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik voranbringen. Als Auftakt dazu diente der Kongress „Fortschritt gestalten“ am 2. Dezember in Düsseldorf. Die Veranstaltung sei „eine Art Initialzündung: Wir wollen wirklich einen offenen Diskussionsprozess“, so die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze vor den 400 Teilnehmern. Und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin sagte: „Es muss etwas Sichtbares dabei herauskommen.“

Düsseldorf (csr-news) – Die nordrhein-westfälische Landesregierung will in den nächsten vier Jahren den nachhaltigen Strukturwandel des Landes im Dialog von Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik voranbringen. Als Auftakt dazu diente der Kongress „Fortschritt gestalten“ am Montag in Düsseldorf. Die Veranstaltung sei „eine Art Initialzündung: Wir wollen wirklich einen offenen Diskussionsprozess“, so die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze vor den 400 Teilnehmern. Und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin sagte: „Es muss etwas Sichtbares dabei herauskommen.“

Nach den Worten der Wissenschaftsministerin ist Nordrhein-Westfalen „so eine Art ‚living lab‘“. Die Ministerin weiter: „Wir wissen, wie Strukturwandel funktioniert.“ Mit diesem Erfahrungshintergrund werde sich das Land jetzt den Themen demografische Entwicklung und Klimawandel stellen. Allerdings seien diese Herausforderungen nur von allen gesellschaftlichen Kräften gemeinsam zu bewältigen. Dabei gelte es, auch Querdenker einzubeziehen. „Im Wissenschaftsbetrieb tun wir das genau dann, wenn sie den Nobelpreis bekommen. Vorher finden wir sie eher anstrengend“, so Schulze.

Wirtschaftsminister Duin sagte, Nachhaltigkeitsthemen eigneten sich dazu, „über den normalen Schrebergarten hinauszugucken“ und lange bestehende Strukturen aufzubrechen. Am Beispiel der Begriffe „Schrebergarten“ und „urban gardening“ sagte Duin weiter: Nachhaltigkeitsakteure müssten „eine Sprache entwickeln, die Menschen motiviert, daran mitzuwirken.“

Treiber des Wandels kommen aus Schwellenländern

Auch der Politikwissenschaftler Prof. Dirk Messner (Bonn) verwies auf die in Nordrhein-Westfalen vorhandenen Erfahrungen mit Veränderungsprozessen. Das Land „ist ein alter Hase, wenn es um Strukturwandel geht“, so Messner. In den 70er Jahren habe die Landesregierung mit Universitätsgründungen den Aufbau einer Wissenslandschaft in der „Kernregion der industriellen Revolution“ vorangetrieben und in den 80er und 90er Jahren hätten neue kulturelle Perspektiven im Vordergrund der Veränderungsprozesse gestanden.

Die gegenwärtigen Treiber des Wandels kämen allerdings nicht aus den westlichen Industriestaaten. Der Schwerpunkt der Weltwirtschaft verschiebe sich in Richtung der Schwellenländer, insbesondere nach Asien. „Wir sind nicht mehr Zentrum der Entwicklung, wir sind eher am Rand“, so der Politikwissenschaftler. Im Zuge des Wandels entstünden neue globale Mittelschichten, und zwar ganz überwiegend außerhalb Europas. Messner: „Wir müssen uns mit gesellschaftlichen Akteuren auseinandersetzen, die wir vorher nur als Akteure der Entwicklungszusammenarbeit kennengelernt haben.“

Für NRW, die „Kernregion der industriellen Revolution“, gehe es darum, globale Entwicklungen nicht nur passiv hinzunehmen, sondern aktiv mitzugestalten – und dabei die eigene lokale Identität mit globalen Lernprozessen zu verkoppeln.

Thema aus der „bierernsten Ecke“ holen

Nach Ansicht des Leiters Nachhaltigkeitsmanagement bei Henkel, Uwe Bergmann, ist Bildung ein zentrales regionales Nachhaltigkeitsthema. „Von dem Ressourcenland Nordrhein-Westfalen – Abbau von Kohle – wollen wir uns zu einem Wissensland entwickeln“, sagte Bergmann in einer der Arbeitsgruppen während der Konferenz. Angesichts fehlender Budgets in den Schulen, beispielsweise zur Ausgestaltung der Naturkunderäume, sei das Engagement von Unternehmen für die Bildung wichtig.

Die Bereichsleiterin Nachhaltigkeit und Konzernmarketing der REWE Group, Daniela Büchel, sagte in der Arbeitsgruppe, Nachhaltigkeitsthemen müssten „aus dieser bierernsten Ecke raus“. Büchel weiter: „Bei diesem Thema fehlt ein bisschen der Spaß für die Leute.“ Gerade Handelsunternehmen stelle sich die schwierige Aufgabe, Themen wie Biodiversität oder Ressourcenschutz am Point of Sales zu transportieren.

Die während der Tagung zusammentretenden Arbeitsgruppen sollen in einem kontinuierlichen Prozess weiterarbeiten, kündigte Wissenschaftsministerin Schulze an. Zudem soll ein offener Dialog über die Internetseite www.fortschritt.nrw.de fortgesetzt werden.

Bild oben: Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und Wirtschaftsminister Garrelt Duin
Bild Mitte: Teilnehmer einer Arbeitsgruppe, von links Stefan Voss (sneep), Andreas Novak (Transparency International Deutschland), Joachim Ganse (KPMG) und Uwe Bergmann (Henkel).