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SHINE: Das Seifenkooperativen-Projekt in Mozambique

Wer über Verantwortungsthemen schreibt, ist nicht selten privat gesellschaftlich engagiert. Torsten Sewing, Autor im CSR MAGAZIN, setzt sich in Mozambique für das Thema „Händewaschen mit Seife“ ein – und damit gegen die oft tödlich verlaufenden Durchfallerkrankungen. Darüber und über die neu gegründete Seifenkooperative sprach Achim Halfmann mit dem Afrikakenner.

Berlin (csr-news) – Wer über Verantwortungsthemen schreibt, ist nicht selten privat gesellschaftlich engagiert. Torsten Sewing, Autor im CSR MAGAZIN, setzt sich in Mozambique für das Thema „Händewaschen mit Seife“ ein – und damit gegen die oft tödlich verlaufenden Durchfallerkrankungen. Darüber und über die neu gegründete Seifenkooperative sprach Achim Halfmann mit dem Afrikakenner.

Herr Sewing, was ist die Idee hinter „SHINE“?

Torsten Sewing: SHINE ist Kommunikation für zum Thema „Händewaschen mit Seife“. In Afrika sterben mehr Kinder an vermeidbaren Durchfallerkrankungen als an HIV/AIDS, Malaria und Masern zusammen. In Europa weiß das kaum jemand: Das Thema ist für viele Hilfsorganisationen nicht „sexy“. Beziehungsweise es ist schwierig, dafür Spendengelder zu generieren. Andererseits zeigt uns jedes Supermarktregal, wie man Hygiene sexy macht und verkauft. Die Idee ist, vom klassischen Produktmarketing zu lernen und es in Afrika einzusetzen, um dort Verhaltensänderungen zu erreichen. Die Frage ist: Wie geht das dort, wo es nur sehr begrenzte Mittel und keine funktionierenden Produktions- und Vertriebsstrukturen gibt? Wir glauben, dass die Antwort darauf eine Kombination aus kooperativer Arbeit in den Dörfern und spannender, auffordernder visueller Kommunikation ist.

Wie wollen Sie diese Idee konkret umsetzen?

Wir haben natürlich Glück, dass die vorindustrielle Seifenherstellung theoretisch fast überall zu machen ist. Wie können weitere Seifenkooperativen entstehen? Die Seife SHINE wird ein „open source“ Produkt sein, jeder erfährt die Bestandteile, jeder kann sich die pdf’s für die Verpackung downloaden. Damit wird die Frage der Skalierung zur Frage, wie die Idee transportiert werden kann. Und dafür nutzen wir Medien: Wo es keinen TV-Empfang gibt, da sind es „Video-Clubs“ – Hütten in denen ein DVD-Recorder steht und die TV-soap gesehen werden kann. Laufbänder oder Schwarzblenden geben während der Ausstrahlung Hinweise wie „Wenn Sie erfahren wollen, wie sie selbst eine Seifenkooperative gründen, rufen Sie bitte die SHINE-hotline an“.

Wie kam dieses Projekt an den Start, welche Ideengeber stehen dahinter?

Ein Ideengeber ist eine Berliner Nichtregierungsorganisation in diesem Sektor, für die ich 2012 einige Monate gearbeitet hatte: WASH-United (www.wash-united.org). WASH steht für WAter, Sanitation, Hygiene – und WASH United klingt nicht nur wie ein Fußballclub, es ist einer: Kinder erfahren, warum sie nicht mehr in den Wald kacken sollen, sie „verinnerlichen“ das, indem sie braune Fußbälle in Torwände kicken, um deren Löcher eine Toilette gemalt ist, und erhalten dann einen Ausweis, der zeigt, dass sie in demselben Club sind, in dem auch Didier Drogba und Bastian Schweinsteiger „spielen“. Ich konnte sehen, dass diese spielerische Kommunikation funktioniert – und dass ein Riesenchance darin liegt, mit Markenkommunikation Verhalten zu ändern.

Unser Partner in Mosambik ist die Teran Foundation, eine Civil Society Organisation (CSO), die seit zehn Jahren in Mossuril vorrangig im Bereich Bildung arbeitet – unter anderem haben sie in dieser Zeit einige hundert Jugendliche zu Hotelpersonal ausgebildet. Uns war klar, dass die Idee nur Erfolg haben kann, wenn sie lokal fest verankert ist. Genau das ist hier der Fall. Die Gründerin der Stiftung, die Schriftstellerin Lisa St Aubin de Teran, ruft in unserem Crowdfunder auf, SHINE zu unterstützen.

Außerdem arbeiten wir mit der Napier University (Edinburgh) zusammen – vor dort kamen jetzt schon viele sehr gute Designs, so zu Beispiel die Launch-Verpackung von SHINE, die man im Crowdfunder sehen kann.


Das Produktionsgebäude der Seifenkooperative

Was wird dieses Projekt zu einem nachhaltigen Beitrag für die Menschen in Mozambique werden lassen?

Zunächst mal geht es um die Menschen in Mossuril: Es entstehen Arbeitsplätze, eine erfolgreiche Kooperative wird zum ökonomischen Faktor – und das ohne Großplantagen oder Umweltverschmutzung. Wir nennen das „barefoot business“. Schon diese eine Kooperative wäre ein großer Erfolg, ökonomisch ebenso wie sozial. Unsere Annahme ist, dass eine erfolgreiche Seifenkooperative die dann eine gewichtige Rolle im Dorf spielen wird, sich positiv auf die Verhaltensänderung im Händewaschen auswirken wird.

In einem weiteren Schritt hoffen wir, dass die TV-soap SHINE dazu führt, dass weitere Seifenkooperativen entstehen. Das ist sicherlich der spannendste Moment in diesem Projekt. Ist das der Fall, gibt es vielleicht auch Wege, die TV-soap an anderen Orten einzusetzen? Wir drehen in der Sprache Macua, die vor allem im Norden von Mosambik von mehr als neun Millionen Menschen gesprochen wird. Sollte das Konzept aufgehen, wird es einfach sein, die Serie zu synchronisieren und in anderen Ländern anzubieten. Das können Länder in Afrika sein, aber das kann auch Indien, Brasilien oder Indonesien sein. Mehr als 2,5 Milliarden Menschen leben ohne ausreichende Sanitärversorgung – wir setzen uns für dieses Menschenrecht ein.

Wie sehen die nächsten Schritte und wie sieht der Zeitplan aus?

Zwei Stränge laufen parallel: Erstens die Seifenproduktion: Derzeit machen wir ein crowdfunding für die Grundausstattung – die Frauen haben im Sommer von der Kirche ein baufälliges Gebäude erhalten. Gebraucht werden ca. 8 000 Euro für die Gebäudesanierung und Einrichtung. Der Crowdfunder ist Mitte Januar abgeschlossen, die Frauen renovieren ab Februar und machen aus dem Gebäude eine kleine Seifenmanufaktur. Für den April und Mai 2014 kommt ein pensionierter Experte, der den Frauen das Seifenmachen beibringt. Daran schließt sich eine Gruppe von Studenten an, die weitere Marketing Collaterals entwickeln, den ersten Businessplan durchrechnen bzw. die Business Model Canvas mit den Frauen erarbeiten.

Zweitens die TV-soap: Im Mai 2014 beginnen wir mit den Dreharbeiten, zunächst für einen „Piloten“, also die ersten 30 Minuten der TV-soap. Derzeit entstehen erste Entwürfe. Klar, dass wir dafür zunächst auf eigene Ressourcen zurückgreifen – Lisa ist eine bekannte Bestseller-Autorin und wurde in Deutschland von Suhrkamp und Insel verlegt. Regisseur und ein erster Produzent sind an Bord, mit einem TV-Sender verhandeln wir. Die Inhalte des Piloten werden wir ab März mit Fokusgruppen durchsprechen. Langfristig suchen wir nach Talenten vor Ort – die TV-soap wird von Mozambikanern produziert und dann auch geschrieben. Das gilt auch für die Schauspieler, die wir integrieren. Schließlich planen wir keine „reality-soap“, sondern eine entsprechende Dramatisierung.

Vielen Dank!

Die Projektvorstellung >> im Internet

Die Anschaffung einer Presse und anderer Hilfsmittel soll derzeit ein Crowdfunding ermöglichen. Über 1.600 USD sind so bereits zusammengekommen. >> Hier geht es zu der Crowdfunding-Seite.

Um Unterstützung für ihr Projekt bitten die Organisatoren auch auf >> betterplace.org