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Stellenwert und Herausforderungen sozialer Nachhaltigkeit in Unternehmen

Im großen Schatten der ökologischen Nachhaltigkeit erkämpfen sich in den Unternehmen soziale Themen immer mehr Raum. Vor allem durch den demografischen Wandel gelangen Aspekte wie Mitarbeiterzufriedenheit, Arbeitssicherheit und Chancengleichheit zu höherer Aufmerksamkeit. Eine der großen Herausforderungen sozialer Themen ist ihre Messbarkeit. Eine Studie von DV-Ratio untersucht den aktuellen Stand sozialer Nachhaltigkeit in Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz.

München (csr-news) > Im großen Schatten der ökologischen Nachhaltigkeit erkämpfen sich in den Unternehmen soziale Themen immer mehr Raum. Vor allem durch den demografischen Wandel gelangen Aspekte wie Mitarbeiterzufriedenheit, Arbeitssicherheit und Chancengleichheit zu höherer Aufmerksamkeit. Eine der großen Herausforderungen sozialer Themen ist ihre Messbarkeit. Eine Studie von DV-Ratio untersucht den aktuellen Stand sozialer Nachhaltigkeit in Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz.

Für die Studie wurden 147 große und kleine Unternehmen befragt, wobei sich vor allem kleine und mittlere Unternehmen beteiligt haben. „Es wurden zwei zentrale Ziele verfolgt“, schreibt DV-Ratio Geschäftsführer Matthias Mielcarczyk im Vorwort. „Zum einen soll in einer Momentaufnahme festgestellt werden, wie die deutsche Unternehmenslandschaft aktuell bezüglich des Themas soziale Nachhaltigkeit aufgestellt ist. Zum anderen geht es darum, die Diskussion anzuregen und auf die Bedeutung der sozialen Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen“. Interessant war zunächst wie bekannt sind eigentlich Institutionen und Organisationen durch die soziale Nachhaltigkeit national und auch international anerkannt, definiert wird. Gefragt wurde nach der Global Reporting Initiative (GRI), der International Labour Organisation (ILO), dem UN Global Compact und der DIN ISO 26000, wobei der überwiegende Teil der Befragten die Organisationen nur dem Namen nach oder gar nicht kannte. Darüber hinaus nannten 42 Prozent der Befragten die GRI, als Organisation die sie gut oder sehr gut kennen. Angesichts der Bekanntheit der genannten Organisationen im professionellen Nachhaltigkeitsmanagement überraschen die Antworten etwas. Unabhängig von regulatorischen Grundlagen scheint es vielleicht interessanter nach den Motiven für die Auseinandersetzung mit sozialer Nachhaltigkeit zu fragen. Immerhin lassen sich nur 14 Prozent der Befragten durch gesetzliche Rahmenbedingungen dazu antreiben. Möglicherweise eine Erklärung für die Ergebnisse der vorherigen Frage. Die wesentliche Motivation ist der Wettbewerb, Vorteile am Markt durch die Auseinandersetzung mit sozialen Aspekten der Nachhaltigkeit. Das korrespondiert mit einem anderen Ergebnis. Aus persönlicher Überzeugung setzen sich nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten mit dem Thema auseinander, im Ranking der Antworten allerdings Platz 3. Dazwischen liegt noch die Mitarbeiterbindung mit 43 Prozent aller Nennungen. Anknüpfend an die Motivation ging es weiterhin um die wichtigsten Themen der sozialen Nachhaltigkeit für die Unternehmen. Die Studie stellte hier die wesentlichen GRI-Indikatoren zur Auswahl. Arbeitsbedingungen (51 Prozent), ethisches Verhalten/Werterhaltung (50 Prozent) und Unternehmensverantwortung (48 Prozent) waren die häufigsten Nennungen. Auch bei den weiteren Antworten spiegelt sich, dass das zentrale Motiv der Mitarbeiterbindung wieder. Aus- und Weiterbildung, Arbeitsschutz, individuelle Förderung werden als wichtige Themen genannt, deutlich abgeschlagen mit nur noch 7 Prozent der Nennungen die Mitbestimmung. Das deutet darauf hin, dass Unternehmen sich sehr zweckorientiert mit der sozialen Nachhaltigkeit beschäftigen. Tatsächlich spielen auch Werte und Normen eine bedeutende Rolle, neben der allgemeinen Unternehmensverantwortung wurden auch Themen wie beispielsweise Menschenrechte angesprochen.

Neben diesen Fragen zur allgemeinen Standortbestimmung des Themas ist von ebensolchem Interesse, wie soziale Nachhaltigkeit in den Unternehmen verankert und verortet ist. Vor allem Regeln zur Anti-Diskriminierung haben über 80 Prozent der befragten Unternehmen in ihren Unternehmensleitsätzen fest verankert. Deutlich dahinter liegen Themen wie Arbeitsschutz (50 Prozent) und überraschender weise Anti-Korruptionsregeln (46 Prozent). „An der Frage zeigt sich deutlich, dass feste Regelungen vor allem das Innenverhältnis des Unternehmens betreffen. Das Außenverhältnis, also vor allem die gesellschaftliche Verantwortung, ist in Unternehmensleitsätzen nur wenig reglementiert“, heißt es in der Studie. Wie Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit dokumentiert und kommuniziert werden, ist ein weiterer Bestandteil der Studie. In der internen Berichterstattung sind es vor allem die normalen HR-Themen und Indikatoren wie Ausbildung, Weiterbildung und Arbeitsschutz über die berichtet wird. Je abstrakter die Themen, beispielsweise Menschenrechte, werden umso weniger finden sie in den internen Berichten Berücksichtigung. Dies mag daran liegen, dass solche Themen schwer quantitativ zu erfassen und darzustellen sind. Interessanterweise wird zum Thema Anti-Diskriminierung, immerhin das mit Abstand am häufigsten genannte Thema in Unternehmensleitsätzen, intern eher selten berichtet. Die externe Berichterstattung spiegelt ein ähnliches Bild wieder. „Bei der externen Berichterstattung scheint die Darstellung des Unternehmens als verantwortungsbewusster Corporate Citizen eine wichtige Rolle zu spielen“, so der Wortlaut der Studie. Am intensivsten wird zu den Themen Unternehmensverantwortung und gesellschaftliches Engagement berichtet. Und auch bei der externen Berichterstattung wird über abstraktere Themen aus den gleichen Gründen weniger berichtet. Insgesamt erheben 40 Prozent der befragten Unternehmen Kennzahlen zur sozialen Nachhaltigkeit. Diese dienen vor allem der Darstellung des Status quo und werden eher weniger als Kontroll- oder Steuerungsinstrument genutzt. Das wichtigste Instrument um diese Zahlen zu erfassen sind Mitarbeiterbefragungen. Nur zehn Prozent der Befragten verzichteten bislang vollständig auf die Befragung der Mitarbeiter. Lohnt sich der Aufwand für die Unternehmen? Zwar erwarten zwei Drittel der Befragten Wettbewerbsvorteile, tatsächlich haben aber nur 15 Prozent eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Leistung feststellen können. Da aber immerhin 35 Prozent gar keine Kennzahlen zur sozialen Nachhaltigkeit erfassen, sind Erfolge natürlich auch nicht eindeutig zuzuordnen. Ziemlich eindeutig fällt die Prognose für die soziale Nachhaltigkeit aus, fast 50 Prozent glauben an eine zunehmende Bedeutung und ein weiteres Viertel sieht eher eine gleichbleibende Bedeutung. Nur insgesamt vier Prozent rechnen mit einer abnehmenden Bedeutung.

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Die gesamte Studie ist in einem White Paper zusammengefasst und kann bei DV-Ratio als PDF bezogen werden.

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