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Kosmetik-Check: Luxusparfums mit Hormon-Chemikalien und vergälltem Alkohol

Wien (csr-news) > Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat im Rahmen des Kosmetik-Checks 33 ausgewählte Markenparfums von Armani, Chanel, Yves Saint Laurent & Co anhand der Deklaration der Inhaltsstoffe auf hormonell wirksame Chemikalien und die Verwendung von vergälltem Alkohol untersucht. Die 33 untersuchten Parfums setzen sich aus den Gewinnern des deutschen Parfumpreises der Jahre 2012 und 2013 zusammen, sowie aus den Mehrfachgewinnern der Vergangenheit. 22 der 33 bewerteten Markenparfums enthalten den hormonell wirksamen chemischen UV-Filter ‚Ethylhexyl Methoxycinnamate‘. In 15 Parfums fanden wir vergällten Industriealkohol, der im Verdacht steht, den hormonell wirksamen PVC-Weichmacher Diethylphthalat (DEP) zu enthalten. Nicht zu beanstanden waren nur fünf der 33 Produkte, darunter die Klassiker N°5, Coco und Allure Homme Sport von Chanel, sowie Shalimar von Guerlain und Code Sport von Armani. „Dass zwei Drittel der untersuchten Markenparfums die hormonell wirksame Chemikalie Ethylhexyl Methoxycinnamate enthalten, ist sehr besorgniserregend“, sagt DI Dr. Helmut Burtscher, Biochemiker bei GLOBAL 2000. „Denn dieser chemische UV-Filter hat eine ähnliche Wirkung wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und kann hormonell gesteuerte Prozesse im Körper negativ beeinflussen.“ In Untersuchungen mit Ratten wurden hormonelle Effekte schon bei Mengen festgestellt, die allein durch den Gebrauch von Kosmetika im Körper zustande kommen. „Überrascht hat uns der Befund, dass fast die Hälfte der hochpreisigen Markenparfums, anstatt mit reinem Alkohol mit billigem vergälltem Industriealkohol hergestellt wurden“, führt Burtscher weiter aus. „Das Vergällen von Alkohol hat den Zweck, die Alkoholsteuer zu umgehen. Dafür werden sogenannte ‚Vergällungsmittel‘ zugesetzt und diese müssen nicht deklariert werden. Nun ist aber bekannt, dass eines der häufigsten Vergällungsmittel in Kosmetika der PVC-Weichmacher Diethylphthalat (DEP) ist. Eine Chemikalie, deren hormonelle Wirksamkeit den Behörden und der Industrie seit langem bekannt ist.“ DEP ist ebenso wie chemische UV-Filter im Körper von Menschen und in der Muttermilch nachweisbar. Untersuchungen stellten dabei einen besorgniserregenden Zusammenhang zwischen der Höhe dieser Chemikalienbelastung und der Verwendungshäufigkeit von Körperpflegeprodukten fest. „Um abzuklären, ob und in welchem Ausmaß nicht deklariertes DEP aus vergälltem Alkohol in Kosmetika und Körperpflegeprodukten enthalten ist, gibt GLOBAL 2000 nun Laboruntersuchungen in Auftrag“, sagt Burtscher. „Sollte sich unser Verdacht bestätigen, werden wir selbstverständlich alles daran setzen, dass Kosmetikhersteller ihre Produkte zum Schutz der Gesundheit von KonsumentInnen so rasch als möglich auf reinen Alkohol umstellen“. Der GLOBAL 2000 Kosmetik-Check hat gezeigt, dass Körperpflege- und Kosmetikprodukte, vom Parfum, über Cremen bis zur Zahnpasta, in einem hohen Ausmaß hormonell wirksame Chemikalien enthalten. Eine Beurteilung dieser hormonell wirksamen Chemikalien hinsichtlich ihrer Verwendung als Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten hat die Europäische Union aber erst für Jänner 2015 auf ihrer Agenda. Und selbst dieser Termin droht durch eine aktuell bekannt gewordene Verzögerung des EU-Fahrplans zur Regulierung von hormonell wirksamen Chemikalien erneut um ein weiteres Jahr nach hinten verschoben zu werden. KonsumentInnen erwarten sich aber von Körperpflegeprodukten, dass diese sicher sind. Bis heute haben schon 3.700 KonsumentInnen auf www.global2000.at ihren Unmut über die hormonelle Belastung von Kosmetika kundgetan und die Kosmetikindustrie aufgefordert, aus freien Stücken auf hormonell wirksame Inhaltsstoffe zu verzichten.

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