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Umweltministerin: Finanzfachfrau aus dem Heimatland der Schwerindustrie

Hinter den Kulissen ist Barbara Hendricks bei der SPD schon lange eine feste Größe. Nun tritt sie in die erste Reihe. Als nächste Bundesumweltministerin verantwortet die 61-Jährige künftig ein Themenfeld, auf dem sie sich bislang nicht besonders profilierte. Klimaschützer werden genau schauen, ob sich Hendricks im neuen Amt mit aller Kraft dem Schutz der Ozonschicht widmet – oder doch auch die Interessen der einflussreichen Schwerindustrie in ihrem Heimatland NRW im Blick hat.

Von Peter Wütherich

Berlin (afp) – Hinter den Kulissen ist Barbara Hendricks bei der SPD schon lange eine feste Größe. Nun tritt sie in die erste Reihe. Als nächste Bundesumweltministerin verantwortet die 61-Jährige künftig ein Themenfeld, auf dem sie sich bislang nicht besonders profiliert hat. Die gelernte Gymnasiallehrerin vom Niederrhein hat sich vor allem als Finanzexpertin einen Namen gemacht; in den vergangenen sechs Jahren war sie als Schatzmeisterin für die SPD-Finanzen zuständig.

Als erstes wird sich Hendricks nun in ein schwieriges Themenfeld einarbeiten müssen, zu dem unter anderem die Klimapolitik mit ihren aufreibenden internationalen Konferenzen zählt. Als zweites wird sie einen Verdacht ausräumen müssen, der ihre Ernennung zur Ministerin begleitet – nämlich, dass sie vor allem von Proporzerwägungen profitiert hat: Hendricks stammt aus dem mitgliederstärksten SPD-Landesverband NRW, der im Kabinett vertreten sein möchte. Und sie ist eine Frau.

Dass Hendricks das Umweltministeramt ohne spezielle Vorkenntnisse antritt, hat sie mit dem scheidenden Amtsinhaber Peter Altmaier von der CDU gemein. In ihrer bisherigen Karriere hat die im niederrheinischen Kleve geborene Hendricks durchaus unter Beweis gestellt, dass sie sich auf verschiedenen Felder bewähren kann. Studiert hat sie Geschichte und Sozialwissenschaft, es folgte eine Promotion über die Margarineindustrie am Niederrhein. Bereits 1978 stieß die engagierte Katholikin zur SPD, zunächst als Mitarbeiterin der Pressestelle des Landesverbands Nordrhein-Westfalen.

Es folgte die typisch sozialdemokratische Ochsentour: Politisches Engagement im Kreisverband Kleve, seit 1989 als Kreisvorsitzende. Parallel dazu der berufliche Aufstieg in der SPD-durchwirkten Ministerialbürokratie in Nordrhein-Westfalen. 1994 wurde Hendricks in den Bundestag gewählt, im Jahr 1998 kam sie dann als Staatssekretärin ins Bundesfinanzministerium – zunächst unter Oskar Lafontaine. Sie blieb auch unter Hans Eichel und Peer Steinbrück.

In der Partei werden ihr Organisationstalent und Durchsetzungskraft bescheinigt. Hendricks selbst gab einmal als ihr Ziel aus, zu zeigen, dass auch Sozialdemokraten mit Geld umgehen können. In den vergangenen Jahren war sie im Bundestagsausschuss für Entwicklung aktiv, weshalb sie auch als künftige Entwicklungshilfeministerin gehandelt worden war.

Das Bundesumweltministerium, ihr künftiges Ressort, wird mit dem Antritt der großen Koalition abgespeckt. Die mit der Energiewende befassten Referate wechseln in das neue Superministerium für Wirtschaft und Energie, geleitet von Parteichef Sigmar Gabriel. Streitigkeiten zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium hatten in den Jahren der schwarz-gelben Koalition die ohnehin schwierige Energiewende immer wieder zusätzlich ausgebremst.

Klimaschützer werden genau schauen, ob sich Hendricks im neuen Amt mit aller Kraft dem Schutz der Ozonschicht widmet – oder doch auch die Interessen der einflussreichen Schwerindustrie in ihrem Heimatland Nordrhein-Westfalen im Blick hat. In diesem Falle könnte Hendricks schnell unter Verdacht geraten, vor allem politische Statthalterin der mächtigen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Berlin zu sein.