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Fünftes Todesopfer bei Bauarbeiten an Brasiliens WM-Stadien

Rio de Janeiro (afp) – Bei den Bauarbeiten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hat es einen fünften Todesfall gegeben: Ein Bauarbeiter verunglückte am Samstag in der Amazonia-Arena in der Stadt Manaus und erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen, wie die Behörden mitteilten. Die Staatsanwaltschaft drohte den Bauunternehmen mit hohen Strafzahlungen und erklärte, in Manaus müssten die Arbeiten „sofort“ gestoppt werden.

Der 22-jährige Arbeiter Marcleudo de Melo Ferreira stürzte laut Medienberichten am frühen Morgen vom Stadiondach 35 Meter in die Tiefe. Das Bauunternehmen Andrade Gutierrez unterbrach daraufhin am Samstag aus Respekt für den Verunglückten in Manaus die Bauarbeiten. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie könne es „nicht zulassen, dass die Dringlichkeit beim Baufortschritt zulasten des Lebens und des Wohlbefindens der Arbeitskräfte“ Vorrang erhalte. Bei Zuwiderhandlungen muss das Unternehmen Andrade Gutierrez mit Tagessätzen von umgerechnet rund 33.000 Euro rechnen.

Bei den auf Hochtouren laufenden WM-Vorbereitungen in dem südamerikanischen Land haben sich schon mehrere Tragödien ereignet. Ende November waren auf der Baustelle des Itquerao-WM-Stadions in São Paulo zwei Arbeiter ums Leben gekommen. In der Fußballarena, in der am 12. Juni 2014 die WM eröffnet werden soll, war ein Kran umgestürzt und hatte Stahlbauteile des Dachs herabgerissen. Zuvor waren bereits zwei Menschen in Manaus sowie in einem Stadion der Hauptstadt Brasília ums Leben gekommen.

„Ich prangere die Arbeitsbedingungen in dem Stadion und die Risiken der Nachtschichten schon seit langem an“, sagte Gewerkschaftsführer Cicero Custodio dem Nachrichtenportal G1 nach dem jüngsten Unglück. „Bauarbeiter in der Amazonia-Arena werden miserabel behandelt.“ Custodio regte einen Generalstreik an, um auf Missstände aufmerksam zu machen und Verbesserungen auf der Stadionbaustelle durchzusetzen, wo rund 1900 Arbeiter rund um die Uhr tätig sind.

Das Stadion im nordbrasilianischen Manaus sollte bis zum 20. Dezember fertiggestellt und am 15. Januar eröffnet werden. Insgesamt wird die WM in Brasilien in zwölf Stadien ausgerichtet. Die Kosten für das Sportereignis in Höhe von rund acht Milliarden Euro stoßen in der Bevölkerung auf Kritik und waren ein Grund für landesweite Massenproteste im Sommer.