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Nachhaltige Waldbewirtschaftung: PEFC kritisiert WWF – WWF empfiehlt FSC

Das Zertifizierungssystem PEFC Deutschland wirft der Umweltschutzorganisation WWF vor, einseitig ihr eigenes Waldzertifizierungssystem zu bevorzugen. Der WWF empfiehlt nachhaltigkeitsorientierten Unternehmen und Verwaltungen, sich beim Kauf von Holzprodukten am FSC-Label zu orientieren; PEFC sei nicht anspruchsvoll genug. Der Ton wird rauer.

Stuttgart/Freiburg (csr-news) – Das Zertifizierungssystem PEFC Deutschland wirft der Umweltschutzorganisation WWF vor, einseitig ihr eigenes Waldzertifizierungssystem zu bevorzugen. Der WWF empfiehlt nachhaltigkeitsorientierten Unternehmen und Verwaltungen, sich beim Kauf von Holzprodukten am FSC-Label zu orientieren; PEFC sei nicht anspruchsvoll genug. Der Ton wird rauer.

„Bei allem Verständnis dafür, dass der WWF zunächst das eigene Baby küsst und die globalen Erfolge von PEFC in der bestehenden Konkurrenzsituation schmerzen mögen, mit der Verunglimpfung eines unmittelbar auf den Beschlüssen der Rio-Nachfolgekonferenzen basierenden Waldzertifizierungssystems wird der globalen Verbreitung des Nachhaltigkeitsgedankens und damit dem Walderhalt ein Bärendienst geleistet“, so der PEFC Deutschland-Vorsitzende, Prof. Ulrich Schraml, in einem Statement. Schraml reagierte auf eine Pressemitteilung zu einem FSC-Round-Table am 5. Dezember in Berlin. Danach hatte der WWF-Waldexperte Johannes Zahnen dort geäußert: „Man muss aber auch in aller Deutlichkeit sagen, dass es weltweit kein besseres Zertifizierungssystem gibt. PEFC ist keine Alternative“. Zahnen forderte von der Politik ein klares Bekenntnis zum FSC.

PEFC Deutschland-Vorstand Schraml verweist darauf, dass der FSC vom WWF gegründet worden sei. Die Umweltorganisation sitze in den Vorständen von FSC International und von vieler nationaler FSC-Gremien. Zwei der insgesamt vier Generalsekretäre des FSC hätten eine berufliche WWF-Vergangenheit. Die Möglichkeit, sich an der transparenten Entwicklung der PEFC-Standards zu beteiligen, habe der WWF ungenutzt gelassen.

Gegenüber CSR NEWS sagte der WWF-Waldexperte Johannes Zahnen zu der Frage nach FSC oder PEFC: „Es geht uns nicht um die Kürzel, sondern um die Inhalte.“ Der WWF habe beide Zertifizierungssysteme über Jahre verfolgt und extern bewerten lassen. Der PEFC sei inhaltlich schwächer und dem WWF nicht anspruchsvoll genug. Wenn der PEFC seine Ansprüche heraufsetze, werde der WWF ihn auch unterstützen.

Zum Hintergrund: PEFC (Pan European Forest Certification System) ist der weiter verbreitete Standard, insbesondere in Deutschland ist das Zertifizierungssystem klar im Vorsprung. Der FSC (Forest Stewardship Council) holt jedoch auf: So wollen jetzt Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ihre Landeswälder FSC-zertifizieren lassen. In der anspruchsvolleren Struktur des FSC kommt den Naturschutzorganisationen ein größerer Einfluss zu. Der PEFC-Begutachter Falko Thieme formuliert das so: „Bei PEFC Deutschland e.V. ist die Wahrung der Eigentümerinteressen garantiert. (…) In der FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V. dagegen sind die Waldbesitzer in einer gewissen Minderheitenrolle.“ Insgesamt gelten die FSC-Anforderungen als weitreichender, etwa was die Vermeidung von Pflanzenschutzmitteln oder die Forderungen nach Mischbeständen oder naturbelassenen Flächen betrifft. Ob eines der Zertifizierungssysteme als nachhaltiger zu bewerten ist, dazu gibt es inzwischen eine Vielzahl von Studien – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Vor zwölf Jahren haben die beiden Zertifizierungssysteme eine Synopse ihrer Standards erstellt, die >> hier als PDF aufgerufen werden kann.