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Deutscher Arbeitsmarkt profitiert von Zuwanderern

Berlin (afp) – Der Migrationsforscher und Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, warnt vor Stimmungsmache angesichts der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für Bulgarien und Rumänien. „Von einer massenhaften Zuwanderung aus Armut in die deutschen Sozialsysteme kann nicht die Rede sein, dies ist eine unverantwortliche Stimmungsmache“, schrieb Zimmermann in einer am Wochenende veröffentlichten Analyse. Die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit, die ab Mittwoch auch für diese beiden EU-Länder gilt, biete gute Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt.

Wie alle anderen Bürger der Europäischen Union können Rumänen und Bulgaren ab Januar 2014 in jedem EU-Mitgliedsland uneingeschränkt arbeiten. „Die überaus große Mehrheit der Zuwanderer aus diesen beiden Staaten sind gut qualifizierte Fachkräfte wie Ärzte, Ingenieure, Spezialisten, die bei uns dringend gebraucht werden“, betonte der Direktor des Bonner Instituts. Die Arbeitslosigkeit der bereits jetzt in Deutschland lebenden Bulgaren oder Rumänen sei deutlich geringer als im Durchschnitt der hier lebenden Ausländer. Sie bezögen „auch weitaus weniger Sozialleistungen als andere Gruppen von Ausländern“.

Der Bonner Wissenschaftler, der sich intensiv mit Fragen der Migration aus Osteuropa beschäftigt, wies Darstellungen aus dem jüngsten CSU-Papier zurück, wonach infolge der Arbeitnehmerfreizügigkeit eine wachsende „Armutsmigration“ zu erwarten sei. „Entgegen mancher Stammtischparolen zählen Rumänen und Bulgaren schon jetzt zu den besonders gut integrierten Ausländergruppen bei uns“, betonte Zimmermann. „Ein Viertel von ihnen ist sogar hoch qualifiziert.“ Es wäre angesichts wachsender Engpässe in vielen Berufsbereichen „unverantwortlich, diese Potenziale jetzt nicht zu nutzen“, mahnte der Migrationsforscher.

Zimmermann rechnet damit, dass ab 2014 infolge der Freizügigkeit maximal bis zu 200.000 Rumänen und Bulgaren zusätzlich nach Deutschland kommen dürften, „wahrscheinlich aber viel weniger“. Derzeit seien insgesamt knapp 170.000 Menschen aus den beiden östlichen EU-Mitgliedsstaaten in Deutschland beschäftigt. „Über 70 Prozent von ihnen zahlen regelmäßig in die Sozialversicherungen ein“, sagte der Wissenschaftler.

Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) ist ein internationales Netzwerk für ökonomische Forschung, dem nach eigenen Angaben weltweit über 1300 Wissenschaftler angehören.