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Asmussen fordert “Kulturwandel” in der Arbeitswelt

Hamburg (afp) – Der neue Arbeits-Staatssekretär Jörg Asmussen betrachtet die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf als grundsätzliche Herausforderung der Gesellschaft. “Das hat viel mit Kulturwandel im Kopf zu tun”, sagte der frühere Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB) der neuen Ausgabe des Magazins “Stern”. “Den kann man nicht per Gesetz verordnen.” Es gehe auch um die Frage: “Halten die Kollegen einen Vater, der in Elternzeit geht, für ein Weichei oder gilt das als normal?” Es gehe ihm darum, die Arbeitswelt in Deutschland so zu ändern, dass sie besser zu den verschiedenen Lebensphasen passt.

Der 47-jährige SPD-Politiker trauert nach eigenem Bekunden den rund 150.000 Euro im Jahr nicht nach, die er in seinem neuen Job weniger erhält als bei der EZB. Er könne auch mit dem Gehalt eines Staatssekretärs “sehr, sehr gut leben”. Er fügte hinzu: “Geld allein macht echt nicht glücklich.” Es sei ihm mit dem Jobwechsel vor allem um seine Familie gegangen. “Ich möchte normal am Leben meiner Kinder teilnehmen. Davon haben mich vor allem das Pendeln und die Reisen abgeschnitten”, sagte der Vater zweier Töchter. “Und wenn man am eigenen Geburtstag im möblierten Appartement aufwacht und Müsli mit H-Milch frühstückt, weil der Kühlschrank nichts anderes hergibt, ist das einfach doof.”

Als Vorbild sieht er sich dennoch nicht. “Ehrlich, mir ist es total wurscht, ob mich andere für ein Vorbild oder einen Vollidioten halten.” Er habe für seinen Schritt jedoch viel Zuspruch bekommen. So hätten ihm ältere Männer geschrieben, sie hätten das vor zehn Jahren auch mal machen sollen.

Der verbeamtete Staatssekretär von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) nannte als weiteren Grund für den Gang zurück nach Berlin, dass er “ein bisschen” auch ein Politikjunkie sei. Asmussen: “Politikverrückt muss man aber als SPD-Mitglied sein.” Er wolle nun umgehend die Projekte Mindestlohn und Rentenpaket angehen.