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Die Verantwortung der Medien: Krieg, Schumacher, Femen

Aktuelle Ereignisse und der Umgang mancher Medien damit werfen die Frage nach der Verantwortung der Presse für ihre Produkte und ihre Mitarbeiter auf. Eine medienkritische Diskussion wie in Großbritannien nach den dortigen Abhör- und Missbrauchsskandalen gibt es in Deutschland nicht. Dennoch könnte eine differenziertere Diskussion der Rolle der Presse auch unserem Land guttun. Ein Kommentar von Achim Halfmann

Köln (afp) – Aktuelle Ereignisse und der Umgang mancher Medien damit werfen die Frage nach der Verantwortung der Presse für ihre Produkte und ihre Mitarbeiter auf. Eine medienkritische Diskussion wie in Großbritannien nach den dortigen Abhör- und Missbrauchsskandalen gibt es in Deutschland nicht. Dennoch könnte eine differenziertere Diskussion der Rolle der Presse auch unserem Land guttun.

Ein Kommentar von Achim Halfmann

Die Jagd nach Schlagzeilen und sensationellen Bildern kann zu Grenzübertretungen führen. Am Dienstag versuchte ein als Priester verkleideter Journalist in einer Klinik im französischen Grenoble, zu dem lebensgefährlich verletzten Michael Schumacher vorzudringen. Das berichtete die Managerin des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters, Sabine Kehm. Es sei spürbar, dass manche Leute sich in der Klinik weiter fortzubewegen versuchten als in den Presseraum. Kehm weiter: „Das ist in meinen Augen sehr verwerflich.“ Die Klinik in Grenoble, in der Schumacher wegen einem schweren Schädel-Hirn-Trauma behandelt wird, wird derzeit von Journalisten aus Frankreich, Deutschland und anderen Ländern belagert.

Die diskussionswürdige Rolle von Medienvertretern bei einem anderen aktuellen Ereignis wurde von der Süddeutschen Zeitung thematisiert: Beim Weihnachtsgottesdienst am 25. Dezember im Kölner Dom sprang eine halbnackte Femen-Aktivistin auf den Altar. Ihr Protest habe sich gegen den Kölner Kardinal Joachim Meisner gerichtet, sagte Josephine Witt dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Die überwiegend kritisch diskutierte Aktion erhielt nur deshalb eine breite Öffentlichkeit, weil ein Fotograf des Kölner Express, Udo Gottschalk, und das auf Paparazzi-Fotografien und –Videos spezialisierte Unternehmen Hans Paul Media pünktlich vor Ort waren. Nach dem Online-Bericht der Süddeutschen Zeitung wollte sich die Chefredaktion des Express auf Fragen zur Rolle des Blattes bei der Inszenierung mit Hinweisen auf die „Vertrauenswürdigkeit“ und den „Informantenschutz“ nicht konkret äußern. Der Medienunternehmer Hans Paul habe dagegen erklärt, trotz der Berichte des Express auch selbst ein gutes Geschäft mit seinen Aufnahmen von dieser Aktion gemacht zu haben: „Wir konnten noch gut international verkaufen, wie an die englische Sun und auch in die USA und Südamerika“.

Bleiben die Fragen, mit welchen Methoden sich Medien Informationen beschaffen dürfen und ob sie einer – zumindest strittigen – Aktion Öffentlichkeit verschaffen sollten. In Zeiten rückläufiger Printauflagen droht der Einfluss der Schlagzeile auf den Verkauf eines Blattes für die Antwort darauf zum entscheidenden Kriterium zu werden – wenn eine kritische Reaktion der Leser ausbleibt.

Und ebenso könnte die Frage nach dem Einsatz von Reportern in Krisengebieten zumindest Anlass für Diskussionen bieten – so wichtig die hintergründige und gut informierte Berichterstattung über Krisen und Konflikte auch ist. Wie der Internationale Journalistenverband IFJ am Dienstag in Brüssel mitteilte, starben im zurückliegenden Jahr mindestens 108 Journalisten und Mitarbeiter von Medien bei Konflikten. Die meisten Journalisten (15) kamen in Syrien ums Leben, danach folgen der Irak (13) sowie Pakistan, Indien und die Philippinen (jeweils 10). Möglicherweise war nicht jedes Foto oder Interview das Leben eines Medienvertreters wert. Wir prämieren herausragende Fotografien aus Kriegs- und Krisengebieten, die Verantwortung der Medien für ihre Mitarbeiter diskutieren wir dagegen selten.

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