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Amazon-Beschäftigte kritisieren Verdi

Berlin (afp) – Der Kampf der Gewerkschaft Verdi für höhere Löhne beim Internet-Versandhändler Amazon stößt auf Widerstand in der Belegschaft. Mehr als tausend Mitarbeiter haben nach Angaben des Konzerns vom Montag eine Stellungnahme unterzeichnet, in der sie sich “von derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen der Verdi” distanzieren. Eine Gewerkschaftssprecherin sagte der Nachrichtenagentur AFP in Berlin, es sei Druck auf die Beschäftigten ausgeübt worden.

In dem Schreiben der Mitarbeiter heißt es, der Konzern sei “ein ganz normaler Arbeitgeber” mit Stärken und Schwächen. “Das negative öffentliche Bild verfolgt uns bis ins Privatleben”, beklagen die Beschäftigten in der Stellungnahme, über die zuerst die “Neue Osnabrücker Zeitung” berichtet hatte. Laut dem Blatt hatten Ende Dezember 1018 Mitarbeiter in den Amazon-Logistikzentren in Leipzig und Bad Hersfeld den Aufruf unterschrieben.

Die Beschäftigten wollen sich dem Schreiben zufolge “nicht mehr privat für unseren Arbeitgeber, unsere Arbeitsbedingungen und die Ansicht einiger Kollegen rechtfertigen, welche nicht der Realität und unserem täglichen Arbeitsleben entsprechen”. Es werde “unser Ansehen und damit unsere Existenz in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt”, kritisieren sie.

Eine Amazon-Sprecherin sagte AFP, das Unternehmen begrüße die Initiative der Beschäftigten, “denn sie zeigt, wie die Mehrheit unserer Mitarbeiter denkt”. Über tausend Beschäftigte hätten das Papier unterzeichnet. In den Amazon-Logistikzentren gebe es “faire und gute Arbeitsbedingungen”, fügte die Sprecherin hinzu.

Die Verdi-Sprecherin warf hingegen der Unternehmensleitung vor, Druck auf die Mitarbeiter auszuüben. Recherchen der Gewerkschaft hätten ergeben, dass am Standort Leipzig die Unterzeichnung des Aufrufs “unter Aufsicht des Managements” erfolgt sei. Mit der Aktion solle vermutlich “das sehr angekratzte Image von Amazon poliert werden”, sagte die Sprecherin.

In der Woche vor Weihnachten hatten täglich hunderte Amazon-Beschäftigte in den Logistikzentren Leipzig und Bad Hersfeld sowie an einem Tag auch im bayerischen Graben für Tarifverhandlungen gestreikt. Verdi fordert für die Mitarbeiter einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels.

Nach Angaben der Sprecherin sollen die Streiks in den nächsten Wochen im Gespräch mit den Amazon-Mitarbeitern ausgewertet werden. Es werde dann auch “mit Sicherheit” Pläne für neue Arbeitsniederlegungen geben, sagte sie. Verdi halte an den bisherigen Forderungen fest.

Das Amazon-Management lehnt Verhandlungen und die geforderte Tarifbindung bisher ab. Das Unternehmen mit rund 9000 festen Mitarbeitern in Deutschland orientiert sich an der niedrigeren Bezahlung in der Logistikbranche.