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BUND-Studie: Hormon-Anwendungen in der Schweinezucht

Um die Schweinezucht möglichst effizient zu betreiben, greifen Schweinezüchter immer öfter zu Hormonen. In einer Studie hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die gezielte Anwendung von Hormonpräparaten festgestellt. Dies sei weder mit dem Tierschutz noch mit dem Schutz der Umwelt vor dem Eintrag risikobehafteter Stoffe zu vereinbaren, erklären die Umweltschützer und fordern Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich zum Handeln auf.

Berlin (csr-news) > Um die Schweinezucht möglichst effizient zu betreiben, greifen Schweinezüchter immer öfter zu Hormonen. In einer Studie hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die gezielte Anwendung von Hormonpräparaten festgestellt. Dies sei weder mit dem Tierschutz noch mit dem Schutz der Umwelt vor dem Eintrag risikobehafteter Stoffe zu vereinbaren, erklären die Umweltschützer und fordern Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich zum Handeln auf.

„Die systematische Anwendung von Hormonpräparaten insbesondere in größeren Schweineställen diene vor allem dazu, den Betreuungsaufwand der Muttertiere zu verringern und die Ferkelanzahl zu erhöhen“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Das Ziel des Hormoneinsatzes ist eine hormonelle Steuerung der verschiedenen Fruchtbarkeitsereignisse des weiblichen Zyklus: Brunst (Paarungsbereitschaft), Ovulation (Ei-Sprung), Geburt, Wehen; z.T. auch der Pubertät (Geschlechtsreife). Durch den Einsatz von Sexualhormonen sollen die Sauen möglichst gleichzeitig in die Brunst kommen, im Anschluss gleichzeitig künstlich besamt werden und knapp vier Monate später auch gleichzeitig abferkeln. So wird der Betreuungsaufwand verringert und gleichzeitig die Anzahl der Ferkel erhöht. Diese Praxis widerspreche allerdings der Absicht des Arzneimittelgesetzes, wonach Medikamente nur zur Heilung kranker Tiere eingesetzt werden dürfen, kritisiert Weiger die gängige Praxis und fordert: „Bundesagrarminister Friedrich muss dieser tier- und umweltschädlichen Praxis einen Riegel vorschieben. Was wir brauchen, ist eine Kehrtwende in der Agrarpolitik. Weg von der Massentierhaltung und weg von der Subventionierung einer Agrarindustrie, die Tiere zu Gebärmaschinen macht“. Denn durch den Einsatz der Hormone werden auch unnatürlich viele Ferkel geboren. „Dies führt auch zu einer höheren Anzahl toter Ferkel“, so BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. „Außerdem gelangen mit der Gülle hormonell wirksame Substanzen in Böden und Gewässer und damit auch in Trinkwasserressourcen. Hormone könnten nicht oder nur teilweise aus dem Wasser entfernt werden“. Deshalb müssten sämtliche Daten, zu den in der Nutztierhaltung verwendeten Hormonen und deren Mengen offen gelegt werden, fordert der BUND. Die letzte veröffentlichte Zahl von 670 Kilogramm pro Jahr in der Veterinärmedizin eingesetzter Hormonpräparate stamme von 2003. Da die Tierhaltung seitdem weiter intensiviert worden sei, würden inzwischen vermutlich sehr viel größere Mengen zur Anwendung kommen. Strenger überwacht werden müsse vor allem der Einsatz der sogenannten Steroide. Diese als erbgutschädigend und krebserregend geltenden Medikamente dienten unter anderem in der Sauenhaltung zur Zyklusgleichschaltung.

Deutschland müsse sich davon verabschieden, auch bei Fleisch den Titel „Exportweltmeister“ anzustreben, sagte Weiger. „Eine Agrarpolitik, die vor allem auf Wachstum der industriellen Tierhaltung setzt, führt zu mehr Umweltschäden, großem Tierleid und hohen Folgekosten für die Gesellschaft“. Die heute veröffentlichte Studie legt einmal mehr offen, dass in Agrarfabriken Tiere als reiner Produktionsfaktor statt als Lebewesen betrachtet werden – mit inakzeptablen Folgen, heißt es dazu auch von der Bundestagsfraktion der Grünen. Deren Sprecher für Agrarthemen, Friedrich Ostendorff: „Wir wollen keine Hormonbelastung im Trinkwasser und wir wollen keine Turbo-Ferkelzucht, bei der Tiere mit Medikamenten zu Höchstleistungen getrimmt werden und überzählige schwache Ferkel im Müll landen. Agrarminister Friedrich ist hier in der Pflicht, die Verbraucher zu schützen und die Unbedenklichkeit des Trinkwassers und der Lebensmittel zu gewährleisten“. Der Deutsche Bauernverband (DBV) bezeichnete die Studie dagegen als Angstmacherei und stellt ihre fachlichliche Qualität in Frage. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken: „Nach dem missglückten Skandalvideo zu Glyphosat versucht der BUND erneut, mit Halbwahrheiten und Falschbehauptungen auf sich aufmerksam zu machen. Die Studie ist nicht auf Information und Aufklärung angelegt, sondern auf Verunsicherung der Verbraucher“. Es konnte bisher kein Zusammenhang zwischen dem Hormoneinsatz in der Sauenhaltung und Rückständen in der Umwelt nachgewiesen werden, weil sich die Eiweißverbindungen innerhalb kürzester Zeit abbauen, so der DBV. Nach Angaben aus der tierärztlichen Praxis werden nur 10 – 15 Prozent der Tiere so behandelt – und dies völlig legal.

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