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Stromproduktion aus Braun- und Steinkohle 2013 weiter gestiegen

Der lange kalte Winter und die niedrigen Weltmarktpreise haben dafür gesorgt, dass die Produktion von Kohlestrom in Deutschland 2013 trotz Energiewende weiter angestiegen ist. Die Produktion von Braunkohlestrom erreichte den höchsten Stand seit 1990, die von Steinkohlestrom wuchs um rund 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus der Jahresprognose der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervorgeht.

Berlin (afp) – Der lange kalte Winter und die niedrigen Weltmarktpreise haben dafür gesorgt, dass die Produktion von Kohlestrom in Deutschland 2013 trotz Energiewende weiter angestiegen ist. Die Produktion von Braunkohlestrom erreichte den höchsten Stand seit 1990, die von Steinkohlestrom wuchs um rund 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus der Jahresprognose der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervorgeht. Die Kohlendioxid-Emissionen werden daher weiter ansteigen.

Die Stromproduktion insgesamt blieb im vergangenen Jahr mit insgesamt 629 Milliarden Kilowattstunden nahezu auf der Höhe von 2012. Mit der Verbrennung von Braunkohle wurden laut der Jahresprognose 162 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Das waren etwas mehr als 2012 und – wie seit Jahren schon – so viel wie mit keinem anderen Energieträger. Die Steinkohleproduktion belief sich auf 124 Milliarden Kilowattstunden, das waren deutlich mehr als 2012. Der Weltmarktpreis für Steinkohle war zuletzt deutlich gesunken.

Auch die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind wuchs 2013 weiter – um 2,5 Prozent – und erreichte 147,1 Milliarden Kilowattstunden. Zurück ging die Stromproduktion aus Atomenergie, aus Erdgas und aus Mineralölprodukten. Die AG Energiebilanzen veröffentlichte ihre Prognose bereits Mitte Dezember. Sie zeigt auch, dass von dem in Deutschland erzeugten Strom mehr ins Ausland exportiert als von dort importiert wurde.

Zwar wurde mehr Strom aus Braunkohle produziert – der Verbrauch sank trotzdem um rund ein Prozent, wie die AG Energiebilanzen betonte. Grund seien die Inbetriebnahme neuer Kraftwerke und die Abschaltung alter Anlagen 2012: Sie hätten zu einem höheren Wirkungsgrad geführt. Die AG Energiebilanzen wird von der Energiewirtschaft getragen.

„Wir müssen den Emissionshandel wieder in Gang bringen“, sagte Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) in Brüssel als Reaktion auf die Zahlen. Es gebe rund zwei Milliarden Verschmutzungszertifikate, die bei Unternehmen und Banken lägen, wodurch der CO2-Preis im Keller sei. „Und wenn CO2 billig ist, dann sind Braunkohle und Steinkohle interessanter als Gaskraftwerke.“

Die Umweltorganisation BUND forderte Gabriel zu einem „beherzten Vorgehen“ gegen Kohlekraftwerke auf. Energieexpertin Tina Löffelsend erklärte, neben einer Reform des Handels mit Kohlendioxid-Zertifikaten seien neue Effizienzstandards für Kraftwerke notwendig. Insbesondere unflexible Braunkohlekraftwerke erschwerten die Energiewende und liefen zunehmend „nur für die Exportprofite von RWE und Vattenfall“.

Die Grünen kritisierten den Boom beim Kohlestrom scharf. „Das ist ein klimapolitischer Skandal und ein umweltpolitisches Armutszeugnis“, sagte Parteichefin Simone Peter zum Abschluss der Klausurtagung des Grünen-Parteivorstands in Berlin. Sie warnte die große Koalition davor, „die erneuerbaren Energien auszubremsen und der Kohle Vorschub zu leisten“. Die Bundesregierung müsse ein nationales Klimaschutzgesetz auf den Weg bringen und auch auf europäischer Ebene verhindern, dass Klimaschutzziele aufgeweicht werden.

Die Umweltexpertin der Fraktion der Linken, Eva Bulling-Schröter, forderte einen Plan für den Ausstieg aus der Kohlestromversorgung. Da sich Union und SPD aber im Koalitionsvertrag gegen eine grundlegende Reform des Emissionshandels ausgesprochen hätten, sei einer weiteren Zunahme der Braunkohleverstromung Tür und Tor geöffnet“, erklärte Bulling-Schröter.