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Energieeffizienz-Index: Industrie investiert noch zu wenig

Zu wenig Investitionen, zu hohe Anforderungen an Amortisationszeiten, zu kleine Budgets, so lassen sich die Ergebnisse der Umfragen zum ersten Energieeffizienz-Index für die deutsche Industrie zusammenfassen. Das Potenzial von Effizienzmaßnahmen ist in den Unternehmen zwar bekannt, dennoch wird zu wenig investiert. In den Betrieben erwartet man allerdings eine weiter steigende Bedeutung.

Stuttgart (csr-news) > Zu wenig Investitionen, zu hohe Anforderungen an Amortisationszeiten, zu kleine Budgets, so lassen sich die Ergebnisse der Umfragen zum ersten Energieeffizienz-Index für die deutsche Industrie zusammenfassen. Das Potenzial von Effizienzmaßnahmen ist in den Unternehmen zwar bekannt, dennoch wird zu wenig investiert. In den Betrieben erwartet man allerdings eine weiter steigende Bedeutung.

Wie energieeffizient produziert die deutsche Industrie heute? Diese Frage soll der neue Energieeffizienz-Index, den das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart entwickelt hat, beantworten. Der nun halbjährlich erscheinende Index beleuchtet die aktuelle Lage der Energieeffizienz in der deutschen Industrie und wirft einen Blick in die Zukunft. Investitionen in Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Produktionsanlagen oder Gebäuden sind meist hochrentabel. Insgesamt sind die Investitionen der Industrie allerdings noch zu gering, unter anderem, weil die Budgets für Einzelmaßnahmen fehlen. „Den Verantwortlichen ist die hohe Bedeutung und das wirtschaftliche Potenzial von Energieeffizienz-Maßnahmen sehr wohl bewusst, doch die geforderte Amortisationszeit von drei bis höchsten fünf Jahren greift viel zu kurz“, so Prof. Thomas Bauernhansl, Leiter des EEP. Die aktuelle Auswertung der Umfrage hat bestätigt, dass Unternehmen, die nach der Total-Cost-of-Ownership-Methode rechnen, um vieles mehr in Energieeffizienzmaßnahmen investieren, als diejenigen Unternehmen, die nur auf ihre Jahresbilanzen schauen.

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Eine Studie des EEP hat gezeigt, dass es in vielen Branchen und Sektoren noch enormes Potenzial für die Reduzierung des Energieverbrauchs gibt. Ziel des neuen Energieeffizienz-Index ist es nun, regelmäßig an diese Potenziale zu erinnern. Denn, jeder Euro, der in Effizienzmaßnahmen gesteckt wird, kommt nicht nur der Umwelt, und dem Unternehmen, sondern ebenso der deutschen Wirtschaft insgesamt und den Arbeitsplätzen vor Ort zugute. Die Technik zur Verbesserung der Energieeffizienz kommt nämlich meistens von hiesigen Unternehmen. Durch den reduzierten Energieverbrauch werden die Produkte aber nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger – ein erheblicher Wettbewerbsvorteil im globalen Markt. Der neue Index liefert nun halbjährlich Benchmarking-Daten für produzierende Unternehmen mit dem Ziel, der Politik regelmäßig ein Feedback über die Situation in der produzierenden Industrie Deutschlands zu geben. Der Index lehnt sich an die Systematik des Geschäftsklimaindexes des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) an. In einem kurzen Erhebungsbogen werden Daten in drei Kategorien abgerufen: 1. aktuelle und zukünftige Bedeutung der Energieeffizienz für das eigene Unternehmen, 2. bereits umgesetzte und geplante Investitionen im Bereich Energieeffizienz des eigenen Unternehmens sowie 3. erzielte und geplante Energieeinsparungen des eigenen Unternehmens. Im ersten Durchlauf konnten die Daten von etwa 80 ausgewählten jeweils branchentypischen Unternehmen erhoben werden. Dabei wurden hauptsächlich Unternehmen befragt, die sich bereits intensiv mit dem Thema Energieeffizienz auseinandersetzen, also z. B. bereits ein Energiemanagementsystem etabliert haben. Das EEP rechnet damit, dass die Datenbasis bei den kommenden Auswertungen breiter wird. Obwohl Potenziale, Möglichkeiten und Erfolgsaussichten den meisten Unternehmen bekannt sind, halten sich Aktivitäten und Ziele zur Steigerung der Energieeffizienz in Grenzen und bleibt zu niedrig, so das Fazit des EEP. Gefordert ist nun die Politik, die durch geeignete Fördermaßnahmen für entsprechende Investitionen sorgen kann und somit die Energiewende vorantreibt.

Ausgewählte Ergebnisse der ersten Untersuchung:

  • Nur 15% der befragten Unternehmen geben an, dass das Thema Energieeffizienz derzeit eine geringe Bedeutung hat und 42% der Befragten schätzen das Thema als hoch wichtig ein.
  • 54% der Unternehmen rechnen zukünftig mit einer steigenden Bedeutung des Themas.
  • 63% der Unternehmen investieren höchstens 5% ihrer Gesamtinvestitionen in Energieeffizienz.
  • 86% der Unternehmen kennen ihre Ansätze zur Steigerung der Energieeffizienz, jedoch haben über 90% der Unternehmen kein festes Budget für die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen.
  • 80% der Unternehmen planen ihren Energieverbrauch um höchstens 5% zukünftig zu reduzieren und nur 4% wollen diesen um mehr als 10% senken.