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Fair und Gut? – Arbeitsbedingungen in der Fahrradproduktion

Fahrradfahren gilt als umweltfreundlich und fortschrittlich. Wenig bekannt sind die Bedingungen, unter denen Fahrräder produziert werden. Während die eher hochpreisigen Räder oftmals in Deutschland bzw. Europa produziert werden, kommen preiswertere Modelle meist aus Asien. Die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft ZEG lässt unter anderem in Kambodscha produzieren und hat die Arbeitsbedingungen untersuchen lassen.

Köln (csr-news) > Fahrradfahren gilt als umweltfreundlich und fortschrittlich. Wenig bekannt sind die Bedingungen, unter denen Fahrräder produziert werden. Während die eher hochpreisigen Räder oftmals in Deutschland bzw. Europa produziert werden, kommen preiswertere Modelle meist aus Asien. Die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft ZEG lässt unter anderem in Kambodscha produzieren und hat die Arbeitsbedingungen untersuchen lassen.

Ähnlich wie in der Textilindustrie waren auch die Hersteller von Fahrrädern auf der Suche nach den günstigsten Produktionsbedingungen. In den vergangenen zwei Jahren hat sich dabei Kambodscha hervorgetan und gehört inzwischen zu den großen Exportländern von Fahrrädern. So lässt auch die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft ZEG Fahrräder ihrer Eigenmarken Pegasus, Bulls und Zemo in Kambodscha und Vietnam produzieren. Die ZEG ist mit über 1.000 Mitgliedsfirmen Europas größter Zweirad-Fachhandelsverband und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von fast 500 Millionen Euro. Wie deren Fahrräder hergestellt werden, wollte das Unternehmen genau wissen und ist mit Mitgliedern seines Qualitätsbeirats nach Kambodscha gereist. „Wir bauen Fahrräder unter fairsten Bedingungen!“ Das ist die Botschaft der ZEG, die bei ihrem asiatischen Geschäftspartner Fahrräder und E-Bikes herstellen lässt und dabei strikt auf die Einhaltung international verbindlicher Standards achtet. „Mit dem Besuch der Produktionsstätte durch den Qualitätsrat setzen wir einen weiteren Standard für Transparenz und Qualität“, so ZEG-Vorstandsvorsitzender Georg Honkomp. Unter der Leitung des ehemaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking besuchte der Qualitätsrat zwei Tage lang Werke in Kambodscha und Vietnam. Der frühere bayerische Finanzminister Erwin Huber, Mitglied im Qualitätsrat, zog das Fazit: „Ich bin angesichts vieler Berichte über Produktionszustände in Asien mit einem sehr kritischen Bewusstsein hierher gefahren. Und bin beeindruckt von den offensichtlich modernen Anforderungen entsprechenden Werksanlagen. Das entspricht durchaus deutschen und europäischen Normen“. Die zwei besuchten Fabriken des Partnerunternehmens Strongmen Ltd. in Ho Chi-Minh-City sind schon seit 2008 nach dem internationalen Standard SA 8000 zertifiziert. Im Dezember 2013 wurde nun auch die Fahrradfabrik in Kambodscha vom TÜV Rheinland mit dem SA 8000 ausgezeichnet. „Damit gehört das Fahrradwerk zu einem der ersten in Kambodscha, das sich verpflichtet Sozial- und Arbeitsstandards wie einen vorbildlichen Gesundheits- und Arbeitsschutz, keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, keine Diskriminierung und ein faires Lohnniveau einzuhalten. “Ich war über die Kompetenz der Mitarbeiter und des Managements überrascht”, bekennt Wendelin Wiedeking. Im Dezember vergangenen Jahres ist die ZEG dem UN Global Compact beigetreten. “Damit setzt die ZEG einen Standard für die Fahrradindustrie”, so der Unternehmensethiker Thomas Schwartz, ebenfalls Mitglied im Qualitätsrat. Albert Herresthal, Vorsitzender des VSF, eines Verbundes unabhängiger Fahrradhändler und Hersteller, zeigte sich über den Beitritt erfreut. „Wir hoffen, dass dieser Schritt der ZEG auch durch ihre Marktmacht viel Aufmerksamkeit generiert und so ein weiterer Anstoß für die ganze Fahrradbranche wird, interessierter und sensibler mit der Frage umzugehen, in welcher Weise Produkte hergestellt und vertrieben werden. Wenn die ZEG nach eigenem Anspruch hier einen Standard für die Fahrradwirtschaft setzen will, kann sie mit voller Unterstützung unseres gemeinnützigen Verbandes rechnen“. Wirtschaften unter fairen sozialen und ökologischen Bedingungen ist für den VSF seit seiner Gründung ein Hauptanliegen, das sich unter anderem in den VSF-Unternehmensleitlinien ausdrückt: Darin wird ein “fairer und transparenter Umgang aller Handelspartner in allen Handelsstufen der Fahrradbranche” ebenso gefordert, wie eine “Offenlegung der gesamten Fertigungs- und Distributionskette”. Zur Etablierung dieser Themen in der Fahrradbranche verleiht der VSF seit 2005 den Ethikpreis, das nächste Mal beim vivavelo Kongress am 12. und 13. Mai 2014.