Nachrichten

Nachhaltige Impulse der Werbemittelbranche: Perspektiven von der PSI

Ausbeutung von Arbeitskräften in Asien, verschärfte gesetzliche Regelungen und die Kritik an der Wegwerfmentalität: Die Werbemittelbranche geht neuen – schwereren – Zeiten entgegen. Dass Promotionartikel auch nachhaltig sein können, zeigt noch bis heute die 52. PSI in Düsseldorf, Europas Leitmesse der Werbeartikelindustrie. CSR NEWS stellt einige besondere Ideen vor.

Düsseldorf (csr-news) – Ausbeutung von Arbeitskräften in Asien, verschärfte gesetzliche Regelungen und die Kritik an der Wegwerfmentalität: Die Werbemittelbranche geht neuen – schwereren – Zeiten entgegen. Dass Promotionartikel auch nachhaltig sein können, zeigt noch bis heute die 52. PSI in Düsseldorf, Europas Leitmesse der Werbeartikelindustrie. CSR NEWS stellt einige besondere Ideen vor.

Mit rund 5.000 Unternehmen in Deutschland und einem Jahresumsatz von 3,4 Mrd. Euro ist die Branche alles andere als ein Zwerg. Nach Überzeugung des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft ZAW sind Werbeartikel „Treiber der Marktkommunikation für Unternehmen in Deutschland“. Umso wichtiger erscheint es, dass diese Produkte nicht nur ihre ökonomische Rolle ausfüllen, sondern auch ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung gerecht werden.

Kugelschreiber: Langlebiger ist nachhaltiger

Der Kugelschreiber ist ein typischer Promotion-Artikel: Günstig in der Anschaffung, millionenfach weitergegeben und weggeworfen. Das französische Unternehmen „Planet Partner“ macht Webekulis langlebig – wovon Umwelt und Kunden profitieren. Wie Planet Partner-Gründer Philippe Abbou berichtet, stieß er vor drei Jahren auf eine einfach – für Werbeartikel allerdings verheerende – Wahrheit: Je länger und häufiger ein Produkt genutzt wird, umso günstiger fällt sein ökologischer Fußabdruck aus. Die Kugelschreiber von Planet Partner bestehen aus Metall, konventionellen Kunststoffen oder kompostierbarem PLA-Biokunststoff. Das besondere an ihnen ist heute: Sie lassen sich nicht nur einfach nachfüllen, sondern sind mit einem gebrandeten Online-Angebot an Nachfüllminen verbunden. Das funktioniert so:

Auf jedem Kugelschreiber ist eine fünfstellige Zahlenkombination angegeben. Wer die Website www.planet-partner.com zusammen mit dieser Zahlenkombination aufruft, wird auf eine individuelle Website geleitet. Dort findet er eine Abbildung seines Kugelschreibers und einen Hinweis auf den Werbepartner, von dem er das Gerät erhalten hat. Auf der Website lässt sich „zum Freundschaftspreis“ eine Nachfüllmine bestellen, die dann mit einem individualisierten, auf den Werbepartner lautenden Schreiben ausgeliefert wird.


Philippe Abbou

Philippe Abbou nennt das eine „gute Pädagogik“, weil dem Nutzer die Wiederverwendung des Stiftes so erleichtert wird. Und er ist von der Werbewirksamkeit dieses Angebotes überzeugt, das sich nachhaltig aus der Menge der Werbe-Kugelschreiber-Angebote abhebt. Abbou: „Täglich erreichen uns zwischen 100 und 200 Werbebotschaften. An welche Botschaften von gestern können Sie sich noch erinnern?“ Auf dem deutschen Markt ist das Angebot von Planet Partner neu, Abbou stellt es in dieser Woche auf der Werbeartikelmesse PSI in Düsseldorf vor.

Bio-Lebensmittel als Werbeartikel

Gummibärchen ohne Farbstoffe und mit 21 Prozent Fruchtanteil, Bio-Gelantine oder alternativ dem pflanzlichen Gelantine-Ersatz Apfel-Pektin führt das das hessische Unternehmen myfitmix in seinem Sortiment von Bio-Werbeartikeln. Bio-Müsliriegel und Bio-Pralinen gehören ebenfalls dazu. Die Zutaten sind IMO-zertifiziert, aber nicht nur das: Auch einige der Produktverpackungen sind heute aus biologisch abbaubarem Kunststoff. Qualität und Nachhaltigkeit fallen bei diesem Angebot zusammen.

Papier geht (fast) nur nachhaltig

Auffällig häufig setzen sich die Anbieter von Papierprodukten mit Nachhaltigkeitsthemen und -Standards auseinander. Die Logos von FSC und PEFC finden sich vielerorts, weit verbreitet ist die Verwendung von recyceltem Papier. Das griechische Unternehmen Lainas Products bietet darüber hinaus ein Notizbuch an, bei dem auch die Spiralheftung aus Papier gestaltet ist – und dazu passend einen Papier-Kugelschreiber. Und der Haftnotizanbieter Post-it setzt nicht nur auf PEFC-zertifiziertes Papier, sondern fördert zudem ein Wasserkraftwerk zur Gewinnung umweltfreundlicher Energie und stellt seine Produkte so klimaneutral.

Cradle-to-Cradle-Ansätze

Citizen Green“ heißt das nachhaltige Angebot des französischen Anbieters Boomerang. Dazu gehören vollständig – einschließlich der Reißverschlüsse und aller Kleinteile – aus recyceltem Polypropylen hergestellte Taschen. Boomerang lässt sie bei einer chinesischen Firma herstellen, die ihr Recyclingmaterial beispielsweise aus Europa und aus Hongkong erhält. In China wird das Material gereinigt, geschreddert und verflüssigt – um dann neue Fäden daraus ziehen und neue Taschen herstellen zu können. Der Boomerang-Produktmanager hat seinen Zulieferer in den zwei Jahren der Zusammenarbeit viermal besucht und berichtet davon, dass dieser sich auch bei der Reinigung seiner Abwässer größte Mühe gibt. Ein besonderes Angebot von Boomerang: Die Nutzer können die Taschen nach Verwendung zurücksenden, damit sie dann wieder dem Recycling zugeführt werden.

Alexander Szirota vertritt Citizen Green in Deutschland. Nachhaltige Werbemittel seien in den letzten fünf Jahren ein stärker Trend, immer noch „mit sehr viel Luft nach oben“. Die Nachfrage käme derzeit insbesondere aus Konzernen und der Politik. In manchen Anforderungskatalogen seien Nachhaltigkeitskriterien verankerte, jedoch spiegele sich dies in den zur Verfügung stehenden Budgets noch nicht wieder. Ein großer Teil der Anbieter habe sich dem Thema Nachhaltigkeit noch nicht gestellt – wegen der komplexen Materie. „Nachhaltige Produkte muss man erklären“, sagt Szirota. Werbemittelanbieter müssten über zigtausende Produkte informiert sein. Dann noch zu Ökologie und Nachhaltigkeit auskunftsfähig zu bleiben, überfordere manchen Kollegen. Szirota bringt das auf die kurze Formel: „Viele Händler sind zu faul.“

Pakistanische Fußbälle mit BSCI-Logo

Fleißiger sind da offensichtlich die Händler aus Pakistan: Geschäftsführer Waseem Lodhi vertritt den pakistanischen Hersteller von Fußbällen und Textilien „Bola Gema“ auf der PSI. Die kritische deutsche Diskussion zu den Sozialstandards in Pakistan kennt er gut, nicht zufällig wirbt Bola Gema am Stand mit einem übergroßen BSCI-Logo. Zudem sei die Firma mit ihren etwa 100 Mitarbeitern in der Produktion IMAC-zertifiziert und garantiert frei von Kinderarbeit. Ab diesem Jahr unterstütze der pakistanische Staat die BSCI-Zertifizierungen lokaler Hersteller, indem er 25 Prozent der Zertifizierungskosten übernehme, berichtet Lodhi.

Für die größte soziale Herausforderung in der pakistanischen Textilindustrie hält der Manager die Löhne: „Die Arbeiter werden hier nicht ausreichend bezahlt.“ Ausschlaggebend sei die Konkurrenz mit anderen Billiglohnländern wie Pakistan oder China. Hoffnung setzt Lodhi auf eine Belebung der Nachfrage durch ein Freihandelsabkommen zwischen Pakistan und der EU. Wenn verstärkt Order eingingen, dann müssten die Unternehmen auch höhere Löhne zahlen, um ihre Arbeiter zu binden. Der Unternehmer weiß, wovon er redet, wirbt er doch selbst Mitarbeiter aus anderen Betrieben mit höheren Löhnen ab.

Alternative Promotion-Ideen für Pharma

Zum Schluss: Veränderte Diskussionen und gesetzliche Neuerungen bleiben nicht ohne Auswirkung auf die Branche. Promotionartikel speziell für die Pharmabranche bietet das im Jahr 2012 gegründete US-amerikanische Unternehmen Builtbydoctors. Ltd. Hochwertige Geschenke sind ebenso verpönt wie die klassischen Blöcke, Kalender und Kugelschreiber. Stattdessen bietet Builtbydoctors Dokumentationstafeln, Broschüren und Patienteninformationen zu vielen medizinischen Fachthemen an. Damit soll die Arbeit des beschenkten Arztes erleichtert und die Information seiner Patienten verbessert werden.

Kommentar

Hinterlassen Sie einen Kommentar