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„Tierwohl“-Initiative der Supermärkte verzögert sich

Osnabrück (afp) – Die im Herbst angekündigte Initiative der großen Supermarktketten, Landwirte für die artgerechtere Haltung von Schweinen und Hühnern besser zu bezahlen, kommt nicht wie gewünscht voran. Der für Anfang 2014 geplante Start der Initiative Tierwohl verzögert sich, wie der Verantwortliche für die Koordination der Initiative, Robert Römer, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der Bauernverband drang auf Tempo.

Aldi, Edeka, Kaiser’s Tengelmann, Kaufland, Lidl und Rewe hatten im September eine Erklärung unterzeichnet, in der sie sich zu einer Verbesserung der Tierhaltung, der Tiergesundheit und des Tierschutzes bekannten. Unterschrieben wurde die Erklärung auch von Konzernen der Fleisch verarbeitenden Industrie wie Tönnies, Vion und Westfleisch sowie vom Bauernverband und Verbänden der Schweine-, Hähnchen- und Putenhalter.

Die Supermärkte wollen in einen Fonds einzahlen, aus dem Bauern einen Zuschuss dafür erhalten, dass sie ihre Tiere gut behandeln: Dazu zählt etwa, dass die Landwirte den Tieren mehr Platz oder Auslaufmöglichkeit geben oder auf die Kastration von Ferkeln oder das Schnabelkürzen bei Hühnern verzichten. Die Handelsunternehmen wollen dann mit dieser „Tierwohl“-Initiative für sich werben – auf der einzelnen Packung mit Koteletts oder Hühnchenbrust wird es zunächst aber kein neues Siegel geben.

„Die Dinge sind soweit auf dem Weg“, sagte Römer, der bei QS in Bonn die Initiative koordiniert. Die Firma ist Trägerin des QS-Prüfsystems für Lebensmittel, an dem mehr als 100.000 Unternehmen aus Landwirtschaft, Schlachtung und Lebensmitteleinzelhandel teilnehmen. „Zwei bis drei Monate“ brauche es noch, um Details zu klären, dann müsse zudem das Kartellamt die Pläne prüfen. „Sobald wir grünes Licht von dort haben, wird die Initiative gestartet“, sagte Römer.

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, kritisierte das Tempo und gab dem Einzelhandel die Schuld: „Es hakt noch bei einigen Details. Wir sind dabei, mit dem Einzelhandel seine Vorbehalte zügig auszuräumen“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Dienstag. Die Landwirte könnten kurzfristig starten, versicherte Krüsken.

Der von den Supermarktketten zu füllende Fonds werde einen Umfang „zwischen einem kleinen zweistelligen bis maximal einem kleinen dreistelligen Millionenbereich“ haben, sagte der Bauernverbandsvertreter der Zeitung. Er nannte die „Tierwohl“-Initiative eine Chance für die Landwirtschaft. Sie könne dabei helfen, „aus dem Dilemma auszubrechen, dass zwar mehr Tierwohl gefordert wird, aber das Fleisch letztlich niemand kauft, weil es zu teuer ist“.

Der Tierschutzbund, der BUND und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hatten die Initiative kritisiert. Die Branchenlösung sei vor allem Teil einer Imagekampagne, um „das Leid von 67 Millionen Masthühnern und 30 Millionen Mastschweinen in Deutschland zu vertuschen“. Die Organisationen fordern stattdessen ein besseres Tierschutzgesetz gegen Tierleid sowie gegen Antibiotikamissbrauch in der Massentierhaltung.

Der Tierschutzbund unterstützt das Produktsiegel „Für mehr Tierschutz“, das vor genau einem Jahr eingeführt worden war. Die Produkte vom Huhn gibt es etwa bei Edeka, Lidl, Aldi Nord oder Real – aber nicht überall. Geschäfte mit Schweinefleisch-Produkten mit dem Tierschutzsiegel finden Verbraucher auf der Seite tierschutzlabel.info.

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