Nachrichten

Kritischer Agrarbericht – Agrarwende zum Wohl der Tiere

Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin stellte das AgrarBündnis – ein Bündnis von 24 Verbänden aus Landwirtschaft, Umweltschutz, Tierschutz und Entwicklungsarbeit – den Kritischen Agrarbericht 2014 vor. Schwerpunkt des 300-Seiten starken Jahrbuches ist diesmal die Tierhaltung – die müsse auch im Zentrum einer Agrarwende stehen.

Berlin (csr-news) > Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin stellte das AgrarBündnis – ein Bündnis von 24 Verbänden aus Landwirtschaft, Umweltschutz, Tierschutz und Entwicklungsarbeit – den Kritischen Agrarbericht 2014 vor. Schwerpunkt des 300-Seiten starken Jahrbuches ist diesmal die Tierhaltung – die müsse auch im Zentrum einer Agrarwende stehen.

In den immer wiederkehrenden Skandalen der Agrarindustrie geht es meist um Tiere, um die Umstände unter denen sie leben und geschlachtet werden. „Immer mehr Tierfabriken mit kranken und verhaltensgestörten Tieren, ein insgesamt zu hoher Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung, der Bau neuer XXL-Schlachthöfe, ein boomender Exportmarkt für Fleisch in alle Welt und die weitere Verdrängung bäuerlicher Betriebe auch hierzulande: Das sind die Themen, die immer wieder Menschen in großer Zahl auf die Straße bringen“ heißt es im neuen kritischen Agrarbericht 2014, der sich aus diesem Grund verstärkt mit der Tierhaltung beschäftigt. Esther Müller vom Deutschen Tierschutzbund hält einen Systemwechsel in der Landwirtschaft für überfällig: „Wir müssen weg von der Hochleistungszucht, wo Masthühner nicht mehr laufen können und Turbokühe leistungsbedingt krank werden und früh sterben. Wir müssen weg von der Tiermanipulation, wo Schnäbel und Schwänze kupiert werden. Wir brauchen eine Tierhaltung, wo die Haltungssysteme den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden und nicht umgekehrt“. Das eine andere, tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung möglich ist, das beweist unter anderem der Verein Neuland, den der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit dem BUND und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bereits vor mehr als 25 Jahren initiiert hat. Außerdem ist seit gut einem Jahr auch das Label „Mehr Tierschutz“ im Lebensmittelhandel vertreten. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, forderte neue Kennzeichnungsregeln für Fleischprodukte, um Tierleid, Umweltschäden und Gesundheitsrisiken durch die Fleischproduktion zu reduzieren: „Verbraucher müssen auf jedem Fleischprodukt Herkunft und Haltung der Tiere erkennen können. Sie müssen wissen, ob das Futter gentechnisch verändert war.“ Aber nicht nur die Konsumenten müssen in die Lage versetzt werden, selbst entscheiden zu kön-nen. Weiger sieht viel Handlungsbedarf für die Politik: „Das Tierschutzgesetz, das Baurecht, das Düngerecht, der Wasserschutz und das Arzneimittelgesetz müssen so verbessert werden, dass Massentierhaltung letztlich abgeschafft wird“.

Die Missstände in der Nutztierhaltung sind enorm. Aber ohne Tiere geht es nicht; insbesondere im Bio-Landbau, der mit seiner umweltfreundlichen Produktionstechnik ja Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft ist. Das machte Alexander Gerber, Vorstand von Demeter, deutlich. „Es kommt auf das Wie an. Denn eine Tierhaltung ohne Tierethik ist unserer Gesellschaft nicht würdig.“ Für die Haltung von Tieren gibt es gute Gründe. Nur tierischer Dung sichert dauerhaft hohe und stabile Erträge in einem System, das auf mineralischen Dünger verzichtet. Zurückgehende Erträge auf Bio-Marktfruchtbetrieben ohne Tierhaltung machen dies deutlich. Bernd Voß, Vorsitzender der AbL, stellte klar: „Tierschutz, Artenvielfalt und regionale Vielfalt auf dem Teller erhalten wir nur, wenn wir die Vielfalt der Bauern erhalten. Wir können uns den weiteren Verlust an eigenständigen Betrieben nicht mehr leisten.“ Voß forderte Bundesminister Hans-Peter Friedrich auf, die umfangreichen Möglichkeiten der neuen EU-Agrarpolitik zum Umsteuern aktiv zu nutzen. „Berlin muss jetzt dafür sorgen, dass mit den EU-Geldern in Deutschland nicht länger das Wachsen oder Weichen vorangetrieben wird, sondern dass die bäuerlichen Betriebe für ihre besonderen Leistungen aktiv gestärkt werden – auch in der Tierhaltung.

Um die Diskussion in der Landwirtschaft insgesamt etwas zu versachlichen hat der deutsche Bauernverband einen „Faktencheck Landwirtschaft“ herausgegeben. „Missverständnissen und Vorurteilen wollen wir entgegentreten, indem wir die Fakten für sich sprechen lassen und interessierten Menschen zugänglich machen“, erklärt DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Der Faktencheck beschäftigt sich unter anderem mit der Nutztierhaltung, den Agrarexporten, der Futtermittelversorgung und Futtermittelimporten sowie mit der Düngung.