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Neuer Fairtrade-Standard stärkt Position von Beschäftigten

Mit einem neuen Standard, basierend auf den bestehenden Prinzipien, soll die Situation der Beschäftigten in den zertifizierten Fairtrade-Mitgliedsunternehmen verbessert werden. Damit soll sich die tatsächliche Arbeitssituation in den Betrieben, vor allem in den Bereichen Pflanzen, Früchte, Tee und Kräuter, verbessern. Damit will man die am stärksten benachteiligten Gruppen durch das Fairtrade-System besser erreichen.

Bonn (csr-news) > Mit einem neuen Standard, basierend auf den bestehenden Prinzipien, soll die Situation der Beschäftigten in den zertifizierten Fairtrade-Mitgliedsunternehmen verbessert werden. Damit soll sich die tatsächliche Arbeitssituation in den Betrieben, vor allem in den Bereichen Pflanzen, Früchte, Tee und Kräuter, verbessern. Damit will man die am stärksten benachteiligten Gruppen durch das Fairtrade-System besser erreichen.

Seit 2012 arbeitet die Organisation für den fairen Handel an einer neuen Strategie, um die Arbeitnehmerrechte innerhalb des Systems zu stärken. Dazu wurden weltweit in 14 Ländern Workshops durchgeführt und mit über 400 Arbeitern fanden Gespräche statt. Darüber hinaus flossen die Ergebnisse aus 170 Gesprächen mit Management-Vertretern Fairtrade-zertifizierter Plantagen und Betriebe in die neuen Standards ein. Ebenso wie rund 120 Stellungnahmen von zertifizierten Produzenten, Händlern, Verbänden und NGOs. Durch den neuen Standard sollen sich nun die Rechte der Arbeiter verbessern.

Beispielsweise die Vereinigungsfreiheit, die zwar jetzt schon zu den Kernforderungen im Fairtrade-System zählt, praktische aber zahlreiche Arbeiter von diesem Recht keinen Gebrauch machen konnten. Mit dem neuen Standard werden die Betriebe aufgefordert, ihre Beschäftigten bei der Ausübung ihres Rechts auf Vereinigungsfreiheit zu unterstützen. So müssen die Betriebe ein Protokoll zur Vereinigungsfreiheit unterzeichnen und bei der Zertifizierung bestätigen lassen. Das Recht muss für die Beschäftigten offen und sichtbar kommuniziert werden. Gewerkschaftsvertreter sollen freien Zugang zu den Beschäftigten haben, um diese über eine Mitgliedschaft zu informieren. Jeder zertifizierte Betrieb muss zudem über eine demokratische gewählte unabhängige Arbeitervertretung verfügen. Fairtrade wird in Kooperation mit Hilfsorganisationen entsprechende Verbindungsstellen einrichten, die den Arbeitern unterstützend zur Seite stehen.

Von ebensolcher Bedeutung ist die Zahlung von existenzsichernden Löhnen. Auch diese Forderung besteht schon in den aktuellen Standards für die Fairtrade-Zertifizierung. Allerdings wurde für deren Einführung weder ein zeitlicher Rahmen vorgeschrieben noch gab es Vergleichswerte, an denen sich die Betriebe orientieren konnten. Im Rahmen eines Projekts soll nun ein Verfahren zur Ermittlung existenzsichernder Löhne gefunden werden. Dazu ist zunächst eine Methodik notwendig, die sich anschließend auf die unterschiedlichen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern anwenden lässt. Mit den dann ermittelten Richtwerten steht den Betrieben eine Orientierung zur Verfügung um existenzsichernde Löhne einzuführen, deren Bestand Fairtrade besser überprüfen kann. Weitere Verbesserungen betreffen die Fairtrade-Prämie. Bislang wurde über deren Verwendung gemeinsam, also Arbeiter und Management, entschieden. Zukünftig sollen alleine die Arbeiter darüber abstimmen, für welche Projekte die Prämie eingesetzt wird. Das Management soll nur beratend zur Seite stehen und nur bei geschäftsschädigenden oder illegalen Projekten eingreifen. Mindestens einmal pro Jahr sollen diese Abstimmungen stattfinden. In einem gewissen Umfang, etwa 20 Prozent, soll auch eine Barauszahlung der Prämie möglich sein. Alle neu eingeräumten bzw. verbesserten Arbeitnehmerrechte stehen ausdrücklich auch Wander- und Leiharbeitern zu. Neben diesen Meilensteinen, wie Fairtrade die Änderungen nennt, finden sich zahlreiche weitere Verbesserungen, wie etwa die Gleichbehandlung von Minderheiten, in den neuen Standards. “Unsere Arbeit ist längst noch nicht getan. Der neue Standard bietet den unterstützenden Rahmen für unsere Arbeit und wir müssen uns weiterhin unermüdlich dafür einsetzen, den Arbeiterinnen und Arbeitern zu einer Position zu verhelfen, in der sie sich frei und stark genug fühlen, mehr Fairness an ihren Arbeitsplätzen durchzusetzen“, sagt Wilbert Flinterman, Senior Berater für Arbeiterrechte und Gewerkschaftsbeziehungen bei Fairtrade International. “Wir werden noch weitere Partnerschaften mit lokalen Gewerkschaften und globalen Gewerkschaftsverbänden aufbauen, uns weiterhin für gerechtere Preise für Produzenten einsetzen und eine angemessenere Verteilung der Wertschöpfung in den Lieferketten vorantreiben“.