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Der Preis der Natur: Ökobilanzierung schärft das CSR-Management

Wer die ökologischen Auswirkungen seines Unternehmens auf Natur und Gesellschaft in Euro und Cent bewertet, verbessert die Grundlage für sein Nachhaltigkeitsmanagement. Die Ausgangsfrage der Otto Group sei dabei gewesen: „Beschäftigen wir uns mit den richtigen CR-Herausforderungen?“, sagte deren Abteilungsleiter „Klimaschutz und nachhaltige Produkte“, Alexander Bartelt, am Dienstag auf einer Tagung in Bonn.

Bonn (csr-news) – Wer die ökologischen Auswirkungen seines Unternehmens auf Natur und Gesellschaft in Euro und Cent bewertet, verbessert die Grundlage für sein Nachhaltigkeitsmanagement. Die Ausgangsfrage der Otto Group sei dabei gewesen: „Beschäftigen wir uns mit den richtigen CR-Herausforderungen?“, sagte deren Abteilungsleiter „Klimaschutz und nachhaltige Produkte“, Alexander Bartelt, am Dienstag auf einer Tagung in Bonn.

Die Veranstaltung „How Business Values Nature“ beschäftigte sich mit der ökonomischen Bewertung von Naturkapital und dessen Inanspruchnahme durch Unternehmen (Ökobilanzierung). Die Otto Group hat erstmals für den CR-Report 2013 ihren ökologischen Fußabdruck in Euro erfasst. „Wir tun es, um das CR-Management auf eine neue Ebene zu heben“, sagte Bartelt gegenüber CSR NEWS. Neben den Stakeholder-Dialog trete damit ein objektiver Ansatz, der neue Handlungsfelder aufzeige. Für die Otto Group sei so deutlich geworden, welchen Anteil die Kunden durch ihren Umgang mit einem Produkt an dessen ökologischem Fußabdruck besitzen. Und während Textilien schon länger im Fokus des Otto-CR-Managements standen, seien andere Produkte wie Elektronikgeräte oder Haushaltsmaschinen nun ebenfalls stärker in den Blick gerückt.

Die Otto Group verwendet dabei die „estell Toolbox“ der CSR-Beratung Systain, mit der sich Umweltauswirkungen eines Unternehmens in Euro quantifizieren lassen. Systain-Direktor Moritz Nill stellte auf der Tagung drei „Kernfragen für Unternehmen“ vor: Welche Auswirkungen haben Geschäftsvorgänge auf Umwelt und Gesellschaft? Welches Feedback geht davon auf das Unternehmen aus? Und was sollte ein Unternehmen tun, um Risiken zu reduzieren? Bei der Datenerhebung stehe mancher Konzern vor der Herausforderung einer Supply Chain mit weit über 10.000 Lieferanten. Neben der Lieferkette (downstream) müsse für den ökologischen Fußabdruck zugleich der Produktnutzen beim Kunden (upstream) berücksichtigt werden.

Auf die Schwierigkeiten bei der Datenerhebung und -bewertung verwies Stefan Seidel, stellvertretener Leiter des Bereich Umwelt und Soziales bei Puma. Der Sportartikelhersteller gilt als Pionier der Ökobilanzierung. „Wir müssen mit weitreichenden Geschäftsentscheidungen vorsichtig sein, solange die Daten und Methoden nicht so klar sind“, sagte Seidel. Als Beispiel nannte er die Bewertung der Lederverarbeitung in Sportschuhen. Lederanbieter würden argumentieren, dass es sich bei dem Material um ein Nebenprodukt der Fleischerzeugung handele und dem Leder deshalb nicht alle mit der Tierhaltung verbundenen CO2-Emissionen zugerechnet werden dürften. Eine ethische Fragestellung benannte Michael Werner, Leiter des Bereiches Sustainability bei der Beratungsgesellschaft PwC: Die Einpreisung der Gesundheit und des Menschenlebens, zu der UN-Institutionen vielseitige Daten zur Verfügung stellten. „Der Wert eines Lebens in Indien unterscheidet sich vom Wert eines Lebens in den USA“, sagte Werner.

Eine kritische Bilanz zu den Bemühungen von Politik und Wirtschaft um den Erhalt der Biodiversität zog Kilian Delbrück, Referatsleiter im Bundesumweltministerium. Es gebe Fortschritte, aber auch Lücken. „Wir erreichen das Ziel nicht, den Verlust an Biodiversität zu stoppen“, sagte Delbrück. Bisher stellten sich zu wenige Unternehmer diesem Thema. „Wir müssen mehr tun, um die Herzen und den Verstand derjenigen zu erreichen, die sich noch nicht für Biodiversität engagieren.“ Zudem gelte es, bei der ökonomischen Bewertung von Naturkapital methodische Lücken zu schließen und Methoden zu harmonisieren. Und manche NGO müsse noch davon überzeugt werden, dass es Sinn mache, der Natur einen ökonomischen Wert zu geben.

Tobias Hartmann, Projekt-Manager bei Global Nature Fund, bestätigte gegenüber CSR NEWS: „Die Methoden sind natürlich alle noch am Anfang.“ Zudem gelte es, an der Verbesserung der Datenbasis zu arbeiten: Der Verbrauch von Wasser oder die Verschmutzung der Luft müssten in ihrem regionalen Kontext bewertet werden können. Unter den Konzernen gebe es nur wenige Vorreiter, die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Natur ökonomisch bewerten, bei kleinen und mittleren Unternehmen fehlten solche Vorreiter. Es brauche die Unterstützung der Bundesregierung, um Biodiversitätsthemen in der Wirtschaft voranzubringen, so Hartmann.

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