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Skandale erschüttern Vertrauen: Keiner kontrolliert die Kontrolleure von ADAC und Co.

Der Manipulationsskandal beim ADAC ist nur heraus gekommen, weil Mitarbeiter die Informationen gezielt nach außen gegeben haben. Eine interne Kontrolle gab es nicht. Der Mangel an Transparenz ist ein wiederkehrendes Problem bei Verbraucherorganisationen: Zuletzt wurde dies etwa der Stiftung Warentest im Rechtsstreit mit Ritter Sport angekreidet.

Berlin (afp) – Der Manipulationsskandal beim ADAC ist nur heraus gekommen, weil Mitarbeiter die Informationen gezielt nach außen gegeben haben. Eine interne Kontrolle gab es nicht. Der Mangel an Transparenz ist ein wiederkehrendes Problem bei Verbraucherorganisationen: Zuletzt wurde dies etwa der Stiftung Warentest im Rechtsstreit mit Ritter Sport angekreidet.

Von Ralf Iselmann

Im Zusammenhang mit dem ADAC meldete sich inzwischen die Vereinigung deutscher Autohöfe. Diese hält dem ADAC vor, neben der Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen beim Autopreis “Gelber Engel” auch den alljährlichen Raststättentest manipuliert zu haben. Der Vorwurf wiegt schwer: Der ADAC ist demnach Geschäftspartner des Raststättenbetreibers Tank&Rast und kassiert Geld durch Werbung. Dies sei der Grund, weshalb diese Raststätten im Test immer besser abschnitten als die mittelständisch betriebenen Autohöfe, beklagt die Vereinigung.

Ähnliche Vorwürfe gab es auch schon früher. Das Problem ist, dass eine unabhängige Kontrollinstanz fehlt. Weder die Verbraucherzentrale Bundesverband noch die Organisation Lobbycontrol kennen Einrichtungen, die bei solchen als Verbraucherinformation deklarierten Tests wie etwa von Raststätten eine Gegenkontrolle vornehmen. Im konkreten Fall steht somit dem – bis vor kurzem unangekratzten – Vertrauen in den ADAC lediglich die vergleichsweise unbekannte Vereinigung deutscher Autohöfe gegenüber.

Im Skandal um den ADAC-Autopreis wird es wohl keine juristischen Folgen geben. Die Staatsanwaltschaft München I sieht sich zumindest meilenweit von einem Ermittlungsverfahren entfernt, weil der ADAC wohl durch eine Test-Manipulation keinen finanziellen Vorteil erringen konnte.

Anders war es im Rechtsstreit des Schokoladenherstellers Ritter mit der Stiftung Warentest: Dieser ging zumindest vorläufig erfolgreich gegen die Bewertung einer Ritter-Sport-Schokolade mit der Note mangelhaft vor. Das Landgericht München I bewertete den Test vergangene Woche als unfair, vorläufig darf die Stiftung die Schokolade nicht mehr kritisieren.

Für die Stiftung war es der zweite große Streit um einen Test binnen kurzer Zeit. Im Sommer hatten die Warentester 9 von 16 getesteten Pedelec-Fahrrädern ein “mangelhaft” gegeben. Die Hersteller gingen auf die Barrikaden, kritisierten fehlende Transparenz bei den Tests und fehlerhafte Testdurchführungen. Stiftung Warentest korrigierte die Ergebnisse als Folge der Kritik aber nur minimal. Und die Organisation verweist auch darauf, als Stiftung bürgerlichen Rechts “frei bei der Testplanung und der Entwicklung und Anwendung ihrer Testkriterien” zu sein.

Der Test wurde zusammen mit dem ADAC durchgeführt. Beide Verbände bezeichnen sich als Verbraucherorganisationen. Lobbycontrol-Sprecherin Christina Deckwirth meint, dass diese Selbstbeschreibung zumindest beim ADAC nur bedingt zutrifft – dieser sei auch ein großes Wirtschaftsunternehmen mit entsprechenden Interessen.

Auf das Problem der großen wirtschaftlichen Interessen verwies auch Michael Adams, emeritierter Wirtschaftsrecht-Professor, im Deutschlandfunk. Die Deutschen würden unabhängige Institutionen lieben, etwa in der Wissenschaft und beim Tierschutz. Aber all diese Institutionen hätten das Problem, intern nicht die notwendige Transparenz zu organisieren.

Der Experte fordert für die Institutionen Transparenz, wie sie für Wirtschaftsunternehmen im Handelsgesetzbuch vorgesehen ist: Nämlich dass Geldströme, Verdienststrukturen der führenden Köpfe und die Umsätze der verschiedenen Geschäftsfelder veröffentlicht werden. Allerdings gebe es in den Institutionen Widerstand gegen solche Schritte, räumte Adams ein.

Seine Forderung bezieht sich auch auf die Kirche: Adams verwies darauf, dass im Zusammenhang mit dem Finanzskandal des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst die Katholiken von den großen kirchlichen Vermögen und der fehlenden professionellen Kontrolle überrascht waren. Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass viele Bistümer im so genannten Bischöflichen Stuhl große Vermögen verwalten. Diese wurden geheim geführt. Erst nach dem Skandal wurden sie öffentlich gemacht.