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The Public Eye Awards 2014: Gap und Gazprom erhalten den Schmähpreis

Mehr als 280.000 Menschen haben diesmal beim Public Eye Award abgestimmt, dann stand der Finalist fest. Der Preis, der von Greenpeace Schweiz und der Erklärung von Bern (EvB) für rücksichtsloses Geschäftsgebaren auf Kosten von Mensch und Umwelt vergeben wird, geht in diesem Jahr, mit großem Vorsprung, an den Ölkonzern Gazprom. Den gleichzeitig vergebenen Jury-Preis erhält der US-Textilgigant Gap, der sich laut Begründung wirksamen Reformen in der Textilindustrie in den Weg stellt.

Davos (csr-news) > Mehr als 280.000 Menschen haben diesmal beim Public Eye Award abgestimmt, dann stand der Finalist fest. Der Preis, der von Greenpeace Schweiz und der Erklärung von Bern (EvB) für rücksichtsloses Geschäftsgebaren auf Kosten von Mensch und Umwelt vergeben wird, geht in diesem Jahr, mit großem Vorsprung, an den Ölkonzern Gazprom. Den gleichzeitig vergebenen Jury-Preis erhält der US-Textilgigant Gap, der sich laut Begründung wirksamen Reformen in der Textilindustrie in den Weg stellt.

«Wir müssen sicherstellen, dass unser Wirtschaftsmodell mit unserem Wertesystem kompatibel ist und nicht, dass die Märkte es uns vordiktieren. Die Public Eye Awards machen auf unsere verloren gegangenen Werte aufmerksam», argumentiert der tschechische Ökonom Tomáš Sedláček auf der Pressekonferenz zur Preisvergabe. Während am Word Economic Forum (WEF) die großen Wirtschaftsführer über zukünftige Herausforderungen diskutieren, will die internationale Kampagne The Public Eye Awards auf die aktuellen und gravierendsten Fälle von Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden aufmerksam machen. „Zwar widmet sich dieses Jahr das WEF auch Gesundheits- und Umweltthemen, doch braucht es jetzt mehr als einprägsame Worthülsen an die Medien“, so die Initiatoren. Die Public Eye Awards fordern eine kritische Auseinandersetzung mit unserem gegenwärtigen Wirtschaftsmodell, konkrete Maßnahmen und rechtlich verbindliche Regulierungen von Staat und Konzernen. „Nicht mathematisch abbildbare Prozesse sind es, die letzten Endes über das Wohlergehen von Volkswirtschaften bestimmen, sondern Wertesysteme, die jenseits mathematischer Rationalitäten liegen“, zeigt Tomáš Sedláček das Versagen klassischer Modelle der Wirtschaftswissenschaft auf und fordert ein neues ökonomisches Denken.

Insgesamt waren für den diesjährigen Public Eye Award 12 Unternehmen nominiert. Neben den „Gewinnern“, Gazprom und Gap waren dies der staatliche südafrikanische Energiekonzern Eskom, die FIFA als verantwortliche Organisation für die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien, der Rohstoffhändler Glencore Xstrata, die Großbank HSBC, das weltweit größte Lachszucht-Unternehmen Marine Harvest und gemeinsam als die „Bienen-Killer“ die Chemiekonzerne Syngenta, Bayer und BASF. Mit deutlichem Abstand wurde Gazprom von den Abstimmungsteilnehmern für den Publikumspreis ausgewählt. Nominiert wurde der Ölkonzern von Greenpeace Russland, unter anderem, weil Gazprom in Verbindung mit der Festnahme von 28 Aktivisten sowie zwei Journalisten, den Arctic 30, mittlerweile zu einem Begriff geworden ist, der für die Ausbeutung der Arktis steht. Aufgrund der extremen Bedingungen, wie Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius, Eisbedeckung, heftiger Stürme und Dunkelheit, sind Ölbohrungen in der Arktis besonders riskant. Diesen Herausforderungen begegnet Gazprom mit einem völlig unzureichenden Notfallplan und setzt zudem auf völlig veraltete Technik: Die in der Arktis verwendete Plattform Prirazlomnaya besteht teilweise aus Komponenten stillgelegter Plattformen aus der Nordsee und rostete jahrelang in einer Werft in Murmansk vor sich hin. Im Dezember 2011 starben 53 Mitarbeiter, als die Gazprom Bohrinsel Kolskaya kenterte. Im selben Jahr verursachte Gazprom allein an Land 872 Ölunfälle – mehr als jeder andere Ölkonzern der Welt. «Gazprom ist das erste Unternehmen auf der Erde, dass Öl aus den eisigen arktischen Gewässern pumpt, obwohl ihre Sicherheitsbilanz an Land entsetzlich ist. Mittlerweile verurteilen die Menschen den Konzern wegen seiner miserablen Bilanz punkto Sicherheit, Umwelt und Transparenz, sodass es den Preis für das schlechteste Unternehmen 2014 erhielt“, so Kumi Naidoo, Executive Director von Greenpeace International.

Für die Jury war dagegen der amerikanische Textilgigant Gap das Unternehmen mit der rücksichtlosestens Geschäftspraxis. Nominiert wurde Gap vom International Labor Rights Forum, SumOfUs und United Students against Sweatshops, mit der Begründung, dass trotz des schwersten Industrieunglücks Bangladeshs, dem Einsturz der Rana Plaza Fabrik, mit über 1’100 Opfern und unzähligen Verletzten, sich Gap bis heute weigert, das rechtlich verbindliche Abkommen «Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh» zu unterzeichnen. Stattdessen unterminiert das Unternehmen mit einem Pseudo-Abkommen aktiv die Bemühungen für wirksame Reformen in der Textilindustrie. „Gap weigert sich weiterhin, sich vertraglich dazu zu verpflichten, gemeinsam mit seinen Zulieferern und lokalen wie internationalen Gewerkschaften sicherzustellen, dass die Sicherheitsmängel in den Fabriken behoben werden und die Arbeitnehmenden das Recht haben, ihre Arbeit unter gefährlichen Bedingungen zu verweigern», sagte Kalpona Akter, international anerkannte Arbeitsrechts-Aktivistin aus Bangladesch. Sie ist Geschäftsleiterin des Bangladesch Center for Workers Solidarity und war früher selbst Kinderarbeiterin in der Textilindustrie.