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Bangladesch: Textilfabriken verweigern höheren Mindestlohn

Dhaka (afp) – In Bangladesch müssen offenbar immer noch zahlreiche Näherinnen auf den Ende 2013 erkämpften Mindestlohn warten. In der Hauptstadt Dhaka und Umgebung werde er in rund 60 Prozent der Betriebe gezahlt, teilte der nationale Verband der Textilhersteller und -exporteure am Donnerstag mit. In der Hafenstadt Chittagong zahlten nur fünf Prozent der Fabriken den höheren Lohn, erklärte der Verband.

Nach Angaben des Gewerkschaftschefs Babul Akter geben sogar nur 20 Prozent der Textilfabriken ihren Mitarbeitern den neuen Mindestlohn. „Erfahrene Arbeiter wurden zu Praktikanten herabgestuft, damit die Hersteller die Löhne nicht so stark anheben müssen“, sagte Akter und stellte die Zahlen des Herstellerverbands in Frage. Der Mindestlohn war im November nach heftigen Protesten heraufgesetzt worden. Ab Dezember sollte er für die rund vier Millionen Textilarbeiter im Land von 3000 Taka um 76 Prozent auf 5300 Taka (50 Euro) erhöht werden.

Die Lage sei aktuell „sehr schlecht“, erklärte der Herstellerband. Westliche Händler hätten Bestellungen abgesagt oder umgelenkt. Ein Ergebnis sei, dass die Neueinstellungen fast gestoppt worden seien. „Die Arbeiter haben Verständnis für die Situation“, sagte Verbands-Vize Shahidillah Azim. Die jüngsten offiziellen Zahlen belegen hingegen einen anderen Trend: Nach Angaben der Regierung legten die Kleiderexporte im zweiten Halbjahr 2013 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.

Bangladesch ist nach China weltweit zweitgrößter Produzent von Textilien. 80 Prozent der Exporte des Landes im Wert von umgerechnet rund 19 Milliarden Euro im Jahr sind Kleidung und Schuhe.