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Internationale Süßwarenmesse: Nachhaltige Kakaoproduktion ein prominentes Thema

Der Schweizer Schokoladenproduzent Barry Callebaut schickt einen Lastwagen zur Schulung von Kleinbauern in den Dschungel Westafrikas. ICAM, ein großer italienischer Hersteller, berichtet von sprunghaft steigenden Nachfrage zu nachhaltigem Kakao. Auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln finden sich Verantwortungsthemen bei vielen Anbietern.

Köln (csr-news) – Der Schweizer Schokoladenproduzent Barry Callebaut schickt einen Lastwagen zur Schulung von Kleinbauern in den Dschungel Westafrikas. ICAM, ein großer italienischer Hersteller, berichtet von sprunghaft steigenden Nachfrage zu nachhaltigem Kakao. Auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln finden sich Verantwortungsthemen bei vielen Anbietern.

„In den letzten fünf Jahren ist die Nachfrage zu nachhaltigem Kakao explodiert“, sagt ICAM-Exportmanager Giacomo De Ferrari. Der überwiegende Anteil der ICAM-Kakaoprodukte entspreche heute Nachhaltigkeitskriterien: Standards des biologischen Kakao-Anbaus oder Fairtrade-Standards.

Die Großen der Branche präsentieren sich als verantwortungsbewusst und verweisen auf ihr Engagement für die Kleinbauern am Anfang der Lieferkette. So präsentierte Barry Callebaut eine interessante Initiative: den „Cocoa Horizons Truck“ (Foto). Der mit einem Projektions- und einem Soundsystem ausgestattete geländegängige Lastwagen wurde im vergangenen Jahr in Belgien gebaut und startete im Dezember vom Regierungssitz der westafrikanischen Elfenbeinküste, Abidjan, aus zu seiner Jungfernfahrt in abgelegene Dörfer der Kakaoanbaugebiete. An den Abenden bietet er dort ein 30- bis 45-minütiges Multimediaprogramm zu nachhaltigen Anbaumethoden in der Landwirtschaft und dazwischen zur Abwechslung Zeichentrickfilme. Zugleich informiert das Programm über Malaria-Prophylaxe und sensibilisiert für das Thema Kinderarbeit. Mit dem Truck reist eine Krankenschwester und verteilt Medikamente. „Den Erfolg dieses Programmes werden wir evaluieren“, sagte Jens Rupp, Kommunikator im CSR-Team von Barry Callebaut. Ende 2014 soll über die Anschaffung weiterer Multi-Media-Trucks entschieden werden – und über mögliche Modifikationen dieses Programms.

Für viele Schokoladenproduzenten gehen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsschulungen für Kakaobauern Hand in Hand. Einen Grund dafür präsentierte Nicholas Camu, Leiter des Barry Callebaut-Nachhaltigkeitsprogramms „Cocoa Horizons“, am Montag auf der ISM: Bis zum Jahr 2020 wird die weltweite Kakao-Nachfrage auf 4,8 Millionen Tonnen steigen. Bei gleichbleibender Entwicklung wächst die Kakaoproduktion aber nur auf 3,8 Millionen Tonnen – ein Defizit von einer Million Tonnen Kakao. Ein wichtiges Ziel der Kakaoverarbeiter ist es deshalb, den Kleinbauern zu einer effektiveren Produktion zu verhelfen. Das verbessert deren Lebensstandard und erhöht die Menge des zur Verfügung stehenden Rohstoffs.

Während die Großen der Branche in Köln ihre Projekte und Initiativen präsentieren, setzen mittelständische Familienunternehmen auf den persönlichen Kontakt zu den Kleinbauern und deren Kooperativen. So etwa der Berliner Edelkakao-Anbieter Rausch Schokoladen. Wie dessen Geschäftsführer Jörn Schumann berichtet, seien die Manager seines Unternehmens in manchen Anbauregionen Süd- und Mittelamerikas sowie Papua-Neuguineas drei bis viermal pro Jahr zu Gast. Eine wichtige Aufgabe seiner Kollegen sei die Schulung der Kakaobauern – etwa zum verantwortungsvollen Umgang mit Pestiziden. Zugleich sensibilisierten sie die Familien für die Bedeutung der schulischen Ausbildung ihrer Kinder und stellten etwa Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Erfolg stelle sich am ehesten in langfristigen Lieferbeziehungen ein. Mit manchen Produzenten sei sein Unternehmen inzwischen elf Jahre in Kontakt, so Schumann. Und auch das ist typisch Mittelstand: Jürgen Rausch, der das Unternehmen in vierter Generation führt, gründete jüngst die „Jürgen Rausch Kakao Stiftung“. „Ich will einen Grundstein dazu legen, dass möglichst viele Kakaobauern selbstbestimmt von nachhaltige Kakaoanbau leben und ihren Kindern die bestmögliche Ausbildung geben können“, schrieb der Familienunternehmer.

Über bevorstehendes Wachstum berichtete auf der Kölner Süßwarenmesse der gemeinnützige Verein TransFair, Träger des Fairtrade-Labels. Zwar ist der Marktanteil von Fairtrade-gelabeltem Kakao in Deutschland mit 0,2 Prozent verschwindend klein, er soll sich in diesem Jahr aber etwa versechsfachen. Grund dafür ist ein neues „Kakao-Programm“, das auf eine Fairtrade-Zertifizierung auf Produktebene verzichtet. Fairtrade-Kakao-Kooperativen verkaufen ihren Rohstoff an Unternehmen, die diesen in verschiedenen Sortimenten nutzen. Ein neues Siegel auf der Verpackung oder der Unternehmenshomepage – also nicht das Fairtrade-Siegel – wird die Teilnahme eines Anbieters an diesem Programm kenntlich machen. Mit dabei sind die Unternehmen Lidl, Rewe und Mars.

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