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Cradle to Cradle für Drucksachen: das Kommunikationshaus Gugler

Das österreichische Kommunikationshaus Gugler bietet seinen Kunden Cradle-to-Cradle-Drucksachen. Beim herkömmlichen Papierrecycling landen zwischen 15 und 50 Prozent des Materials als mehr oder weniger giftige Schlämme im Sondermüll. Gugler verbessert Druckkomponenten, die Papierrecyclingreste aus dem so optimierten Verfahren könnten auch als Dünger auf die Felder ausgefahren werden, so Unternehmensgründer Ernst Gugler.

Melk (Wien) – Das österreichische Kommunikationshaus Gugler bietet seinen Kunden Cradle-to-Cradle-Drucksachen. Beim herkömmlichen Papierrecycling landen zwischen 15 und 50 Prozent des Materials als mehr oder weniger giftige Schlämme im Sondermüll. Gugler verbessert Druckkomponenten, die Papierrecyclingreste aus dem so optimierten Verfahren könnten auch als Dünger auf die Felder ausgefahren werden, so Unternehmensgründer Ernst Gugler.

„Druckprodukte sind nicht für den biologischen Kreislauf gemacht“, sagt Gugler. „ Ein Kilogramm Recycling-Toilettenpapier verseucht angeblich fünf Millionen Liter Wasser.“ Ein besonders Problem seien die Gelbpigmente in konventionellen Druckfarben. Diese Farbpigmente seien selbst in der chinesischen Textilindustrie verboten, bei ihrem biologischen Abbau entstünden auf die Erbinformation einwirkende Substanzen. Gugler verbannte diese Farbbestandteile aus seinen Cradle-to-Cradle-Drucksachen. „Das ISO-Farbspektrum können wir heute trotzdem fast zu 100 Prozent abbilden“, so der Unternehmer.

Die Entwicklung von Cradle-to-Cradle-Produkten ist ein Weg, auf dem ein Unternehmer Partner braucht. Für das österreichische Kommunikationshaus sind dies das Hamburger Umweltinstitut EPEA und die eigenen Lieferanten. Zunächst musste Gugler seine Lieferanten für eine Offenlegung ihrer Rezepturen gewinnen. Eine Geheimhaltungsvereinbarung erleichterte dies. Dann untersuchte EPEA die so ermittelten Komponenten und rankte sie. Elemente mit einem X-Ranking mussten sofort, C-gerankte Elemente müssen mittelfristig verbessert werden. Gugler bezieht heute Sondermischungen, die das Mehrfache der konventionellen Farben kosten. „Cradle-to-Cradle-Produkte kosten nur zwischen drei und fünf Prozent mehr als unsere sonstigen, ebenfalls Top-nachhaltigen Drucksachen“, sagt Gugler. Manche Kunden legen auf diese Ausführung besonderen Wert, der Cradle-to-Cradle-Anteil am Druckgeschäft in Melk macht heute etwa 15 Prozent aus.

Gugler: „Wir sind noch nicht perfekt.“ Nach und nach sollen weitere Produktelemente verbessert werden: Heftklammern, Buchdeckelpappe, Drucklacke sind Beispiele für die vielen Bestandteile von Drucksachen. Nach den Farben widmete sich Gugler den Bindeverfahrenstechniken z.B. Klebebindungen und ließ auch diese in Hamburg analysieren. Andere Druckereien möchte das Unternehmen als Lizenznehmer für sein Cradle-to-Cradle-Verfahren gewinnen. Gugler: „Interesse daran gibt es auch aus Deutschland, wir stehen in Verhandlungen.“ Von einer Verbreitung dieses Verfahrens würden Umwelt und Unternehmen profitieren, etwa weil ein höheres Einkaufsvolumen von Druckhilfsmittelkomponenten und Papieren den Preis von Spezialanfertigungen reduzieren könnte.


Ernst Gugler

Ernst Gugler gründete das gleichnamige Kommunikationshaus vor 25 Jahren. Als WWF-Aktivist setzte er sich bereits vor der Unternehmensgründung für den Naturschutz ein. „Diese Werte wollte ich auch im eigenen Unternehmen verwirklichen“, sagt Gugler. In seinen Bereichen Print, Marken- und Digital-Kommunikation beschäftigt das Unternehmen knapp 100 Mitarbeiter an drei Standorten und arbeitet für Konzerne ebenso wie für Mittelständler und Umweltschutzorganisationen. Nachhaltigkeit will das Medienhaus ganzheitlich leben: Eine ökologische Bauweise des Firmensitzes, die Bioküche mit umfangreichem vegetarischem Angebot oder ein Mobilitätsmanagement – Leihfahrräder für den Weg der Mitarbeiter vom Bahnhof zum Unternehmen – gehören zu den Aktivitäten. Demnächst wird Gugler einen Nachhaltigkeitsbericht nach dem neuen GRI-Standard G4 vorlegen, der zugleich eine Gemeinwohlbilanz und die Umwelterklärung nach EMAS abbildet.

Über das Cradle-to-Cradle-Druckverfahren berichtet Gugler im Internet: www.printthechange.com

Vorschau auf die kommende Ausgabe des CSR MAGAZIN:
Cradle to Cradle®: Nicht weniger schlecht, sondern gut

In Zeiten von Ressourcenknappheit, Umweltschutz und Energiewende etabliert sich die Idee der Kreislaufwirtschaft als Teil einer zukunftssicheren Wirtschaft. Erste Ansätze entsprechender Gesetzgebung sind in den Plänen der Deutschen Bundesregierung ,2 zu finden. Betriebe, die Geschäftsmodelle einer konsequenten Kreislaufwirtschaft kommerziell für sich nutzen möchten, befassen sich auf freiwilliger Basis mit den viel weiterreichenden Nachhaltigkeitskonzepten aus dem Bereich „circular economy“. Cradle to Cradle® (‚Von der Wiege zur Wiege‘) ist eines dieser Konzepte.

Cradle to Cradle® zertifizierte Produkte findet man in den unterschiedlichsten Kategorien wie WC-Papier, T-Shirts, Shampooflaschen, Bürostühle und Ziegelsteine. Das Zertifikat garantiert für diese Gegenstände absolute Unschädlichkeit für Mensch und Umwelt. Darüber hinaus versprechen Produzenten sich kontinuierlich für weitere Verbesserungen im Sinne der Cradle to Cradle® Philosophie einzusetzen.

Im Jahr 2002 veröffentlichten der amerikanische Architekt William McDonough und der deutsche Chemiker Michael Braungart ihr Buch „Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things“. Ihr Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass Nachhaltigkeit eine Frage des Designs ist. Sie formulierten in diesem Buch ihre Designprinzipien – und legten ihre Rechte an diesem Konzept fest. Drei Jahre später folgte ein Zertifizierungssystem, um Produkte anhand dieses Konzeptes testen zu können. So wird auch deutlich, dass Cradle to Cradle® zwei Dimensionen umfasst: allgemeingültige Designprinzipien auf der einen Seite und ein konkretes, produktbezogenes Prüfsystem auf der anderen. (…)

Lesen Sie den oben angeteaserten Beitrag von Tobias Stöcker in der Märzausgabe des CSR MAGAZIN. Als CSR NEWS-Partner erhalten Sie das CSR MAGAZIN und Zugang zu den exklusiven tagesaktuellen Nachrichten und einer Recherchedatenbank mit fast 10.000 Fachartikeln. Hier erfahren Sie mehr: www.csr-magazin.net

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