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Vergleich: Umweltverhalten der großen Automobilhersteller

Fiat macht vor wie es geht, zumindest in einer aktuellen Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach. In einer Studienreihe wurden die ökologischen Fußabdrücke von 13 global tätigen Automobilherstellern analysiert. Inzwischen bemühen sich ja fast alle Hersteller die Umweltauswirkungen ihrer Produktion zu minimieren. Mit welchem Erfolg diese geschieht soll die Studie zeigen.

Berlin (csr-news) > Fiat macht vor wie es geht, zumindest in einer aktuellen Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach. In einer Studienreihe wurden die ökologischen Fußabdrücke von 13 global tätigen Automobilherstellern analysiert. Inzwischen bemühen sich ja fast alle Hersteller die Umweltauswirkungen ihrer Produktion zu minimieren. Mit welchem Erfolg diese geschieht soll die Studie zeigen.

Häufig erschöpft sich die umweltpolitische Betrachtung der Automobilindustrie auf das Endprodukt Auto und dort vor allem auf den Schadstoffausstoß und den Treibstoffverbrauch. „Ein umfangreicher Blick der ökologischen Nachhaltigkeit muss jedoch auch die vorgelagerten Wertschöpfungsstufen der Fahrzeugherstellung im globalen Produktionsnetzwerk der Hersteller und verschiedene Umweltdimensionen berücksichtigen“, so die Motivation des CAM für die aktuelle Untersuchung „AutomotiveSustainability 2013“. Dazu wurden über 1000 Einzeldaten aus Umweltberichten der vergangenen fünf Jahre ausgewertet. Die Nachhaltigkeit der Produktion wurde dabei anhand von drei Kriterien untersucht: An der Transparenz der Berichterstattung, an den strategischen Umweltzielen und anhand konkreter betrieblicher Umweltindikatoren. Und dabei kommt eben Fiat als sehr umweltverträglich agierender Hersteller raus, allerdings neben Unternehmen wie BMW und Volkswagen, die schon eher für grüne Ansätze in der Produktion bekannt sind.

„Allerdings zeigt die Analyse der aktuellen Umweltberichte, dass es erhebliche Unterschiede in der Qualität der Berichterstattung gibt“, so Studienleiter Stefan Bratzel. Eine hohe Transparenz und Qualität der produktionsbezogenen Umweltberichte weisen die Hersteller Fiat-Chrysler, Volkswagen, BMW und General Motors auf. Sie liefern nicht nur auf konzernweiter Ebene detaillierte Informationen über alle relevanten Umweltindikatoren mit Fokus auf die Produktion, sondern benennen überwiegend auch für die untersuchten Dimensionen strategische Ziele, an denen sie gemessen werden können. Mit Daimler gelangt eine weitere deutscher Hersteller zumindest ins obere Mittelfeld. Die Stuttgarter berichten zwar wie die vier High Performer umfangreich über nahezu alle relevanten Umweltindikatoren und schlüsseln diese in einigen Bereichen auch für die verschiedenen Divisionen des Unternehmens auf. Jedoch fehlen mit Ausnahme der Reduzierung der Treibhausgasemissionen weitere strategische Ziele. Das weitere Mittelfeld bilden Renault, Nissan, PSA und Ford. Eine im Konzernvergleich überraschend geringe Transparenz der Umweltberichte im Hinblick auf Produktion weisen die japanischen und koreanischen Hersteller auf. Bei Hyundai-Kia und Mazda fehlen wichtige Umweltangaben als auch strategische Ziele. Große Defizite zeigt auch der Hybridpionier Toyota. Zwar veröffentlicht der japanische Konzern regelmäßig umfangreiche Nachhaltigkeitsberichte für die verschiedenen Regionen sowie Umwelterklärungen von einzelnen Fabriken, in denen sehr genaue Angaben über viele Umweltkennzahlen enthalten sind. Allerdings fehlen Umweltangaben und strategische Ziele, die konzernweite und globale Gültigkeit haben. So nennt Toyota keine strategischen, quantifizierbaren Ziele und benennt insgesamt nur zwei Indikatoren, die für die globale Produktion gelten. Dies ist aus Sicht der Studie ein großes Manko, da damit die produktionsbezogenen Umweltleistungen und ggf. Defizite von Toyota nicht gesamthaft bewertet und mit den Wettbewerbern verglichen werden können. Aufgrund bislang fehlender Daten für 2012 (Suzuki und Subaru) bzw. fehlender produktionsbezogener Angaben (Mitsubishi) konnten weitere Automobilhersteller nicht berücksichtigt werden. Ein Sonderfall ist Honda, da das Unternehmen auf Konzernebene zwar über Umweltbelange berichtet, diese jedoch nicht zwischen den Geschäftsfeldern Automobil, Motorrad- und Motorproduktion unterteilt. Ein Rückschluss auf die PKW Produktion war daher nicht möglich.

Angesichts zunehmender öffentlicher Wahrnehmung und steigender Umweltkosten haben die untersuchten globalen Automobilhersteller ihre Anstrengungen zur Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes zwar in den letzten Jahren deutlich erhöht. Allerdings zeigen sich auch in diesem Punkt signifikante Unterschiede zwischen den Herstellern. Insgesamt reduzieren die globalen Automobilkonzerne den spezifischen CO2-Ausstoß je hergestelltem Fahrzeug im untersuchten Zeitraum um immerhin 17 Prozent auf jetzt rund 0,71 t je Fzg. Im nahezu gleichen Maße ist bei den Automobilherstellern der spezifische Gesamtenergiebedarf (-13,9%) gesunken. Nicht zuletzt bedingt durch eine hohe Fertigungstiefe weist Daimler den höchsten Energiebedarf auf, Nissan den geringsten. Dass die CO2 Emissionen etwas stärker zurückgegangen sind als der Energiebedarf ist darauf zurückzuführen, dass einige Hersteller verstärkt auf erneuerbare oder CO2-arme Energieträger setzen. Einen nennenswerten Anteil erneuerbarer Energie weisen auf Konzernebene nur BMW (21,4%), Renault (13,8%) und Fiat-Chrysler (6,7%) auf. Bei allen anderen Unternehmen liegt der bestimmbare Anteil erneuerbarer Energie unter zwei Prozent oder es werden dazu keine Angaben gemacht.

Des Weiteren hat sich seit 2008 die Menge des benötigten Frischwassers von 5,1 m³ um 12 Prozent auf rund 4,5m³ je Fahrzeug reduziert. Den geringsten Frischwasserbedarf weist 2012 mit rund 2.100 Litern je Fahrzeug BMW auf, während Mazda 13.300 Liter benötigt. Auch bei den Lösemitteln ist der Branchenschnitt deutlich um 16,8% gesunken. Daimler setzt dabei im Bereich der PKW und Vans Bestwert, Hyundai bildet das andere Ende der Skala ab. Entsprechend ergeben sich zwischen den betrachteten Herstellern spezifische Umweltprofile. „Es zeigt sich, dass noch erhebliche Verbesserungspotenziale in der Fahrzeugproduktion der Automobilhersteller schlummern“, so Stefan Bratzel. Grundsätzlich ist jedoch vor „naiven Benchmarks“ zu warnen, da eine Vielzahl von Faktoren wie unterschiedliche Fertigungstiefen oder unterschiedliche Mess- und Produktionsverfahren die untersuchten Werte beeinflussen können. Außerdem kann es auch aus der Perspektive des Umweltschutzes gute Gründe für höhere Werte bei den jeweiligen Einzelindikatoren geben, etwa wenn die Herstellung von leichteren, kraftstoffeffizienten Fahrzeugen mit neuen Fertigungsverfahren verbunden sind (z.B. neue Klebeverfahren von leichteren nichtmetallischen Karosserieteilen erhöhen den Lösemittelbedarf).

CAM

 

Obwohl sich nahezu alle Unternehmen bei der Umweltberichterstattung an den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) orientieren, besteht kein Konsens bezüglich der zu berücksichtigten Einrichtungen und Messgrößen. Einige Hersteller wie BMW, Fiat-Chrysler und Ford beziehen ihre Werte auf die globalen Produktionsstandorte, andere berücksichtigen darüber hinaus auch Büros, Lager und/oder Vertriebs- und Entwicklungszentren, nur Fabriken auf dem Heimatmarkt (Kia), oder gar eigene Kraftwerke (VW), was den Vergleich konkreter Einzelwerte weiter erschwert und sich generell negativ auf die Transparenz der Branche auswirkt.

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