Agenturmeldung Nachrichten

FIFA verlangt „detaillierten Lagebericht“ von WM-Gastgeber Katar

Zürich (afp) – Nach wiederholten Skandalberichten aus dem WM-Gastgeberland Katar hat der Fußball-Weltverband FIFA einen „detaillierten Lagebericht zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen“ angefordert. Katars „Oberster Rat für Organisation und Nachhaltigkeit“ solle sich bis zum 12. Februar erklären, verlangte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die Verantwortlichen. Für den 13. Februar ist eine Anhörung vor dem Europäischen Parlament geplant.

Zuletzt hatte die britische Zeitung „Guardian“ von mindestens 36 weiteren Todesopfern auf den WM-Baustellen im Emirat am Persischen Golf berichtet. Die nepalesische Botschaft meldete ihrerseits fast 200 Todesfälle von Landsleuten unter den Gastarbeitern allein im vergangenen Jahr, von denen viele an Herzversagen gestorben sein sollen.

Der angeforderte Bericht aus Katar soll zur Vorbereitung auf die EU-Parlamentssitzung in Brüssel dienen, an der Theo Zwanziger, früherer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), als „von der FIFA mit dem Dossier Betrauter“ teilnehmen wird. Der Weltverband verlangt Informationen darüber, was seit dem letzten Doha-Besuch von FIFA-Präsident Joseph Blatter im November zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen ausländischer Arbeiter getan wurde.

„Die verantwortlichen Stellen in Katar haben Defizite in den Arbeitsstrukturen eingeräumt und sich verpflichtet, das Arbeitssystem und die entsprechende Gesetzgebung zu ändern, um humane Arbeitsbedingungen für alle zu schaffen“, war damals von der FIFA zu hören. Doch Berichten zufolge kommen nach wie vor immer wieder Gastarbeiter ums Leben, die offenbar zu Tausenden unter unmenschlichen Bedingungen leben, damit das Großprojekt bis zur WM 2022 realisiert werden kann.

Inzwischen hat Blatter laut FIFA persönlich mit Vertretern des Golfstaats, Unternehmen, Gewerkschaften und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO über den Arbeitnehmerschutz gesprochen. Zwanziger habe in den vergangenen Wochen mehrere Sitzungen mit Menschenrechts- und Arbeitsorganisationen abgehalten, unter anderem mit Amnesty International und der ILO. Trotz der wiedeholten Skandale äußerte sich die FIFA „fest von der positiven Kraft überzeugt“, die die WM in Katar „als Plattform für soziale Veränderungen haben kann, einschließlich der Verbesserung der Arbeitsrechte und der Bedingungen für Fremdarbeiter“.