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Energie-Innovation im Schnellgang: Berlin und Paris forcieren Kooperation bei Energiewende

Frankreichs Präsident François Hollande hat die Latte für die deutsch-französische Zusammenarbeit bei der Energiewende sehr hoch gehängt: Ein gemeinsames Großunternehmen nach dem Vorbild des erfolgreichen Flugzeugbauers Airbus schwebt dem Sozialisten vor, wie er Mitte Januar verkündete. Nun arbeiten beide Seiten fieberhaft an einem Konzept, dessen Grundzüge bereits am 19. Februar beim deutsch-französischen Ministerrat in Paris stehen sollen. Ein „Airbus der Erneuerbaren Energien“ wird wohl nicht so schnell kommen, doch einige konkrete Projekte gibt es schon.

Paris (afp) – Frankreichs Präsident François Hollande hat die Latte für die deutsch-französische Zusammenarbeit bei der Energiewende sehr hoch gehängt: Ein gemeinsames Großunternehmen nach dem Vorbild des erfolgreichen Flugzeugbauers Airbus schwebt dem Sozialisten vor, wie er Mitte Januar verkündete. Nun arbeiten beide Seiten fieberhaft an einem Konzept, dessen Grundzüge bereits am 19. Februar beim deutsch-französischen Ministerrat in Paris stehen sollen. Ein „Airbus der Erneuerbaren Energien“ wird wohl nicht so schnell kommen, doch einige konkrete Projekte gibt es schon.

Von Christine Pöhlmann

Auf deutscher Seite ist Zurückhaltung zu spüren, was die Gründung eines Großunternehmens anbelangt. Das Beispiel Airbus sei nicht „eins zu eins“ auf die Energiewende übertragbar, meint Stephan Kohler, der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (Dena), die für das Bundeswirtschaftsministerium das Konzept für die deutsch-französische Kooperation erarbeitet und Projekte vorschlägt. Kohler kann sich aber eine gemeinsame „Industrieplattform“ vorstellen, über die Ausschreibungen laufen, um die Unternehmen zu Kooperationen in innovativen Bereichen zu bringen.

Die Herausforderungen sind riesig: Nicht nur die Konkurrenz aus China oder den USA soll abgehängt werden, es geht auch um die Entwicklung völlig neuer Technologien, um den Übergang von den klassischen Energieträgern zu den Erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne zu bewältigen.

Zudem sind die Ausgangslagen in Deutschland und Frankreich höchst unterschiedlich. Während im Nachbarland die Atomenergie – unter der Regie staatlicher Großunternehmen – von derzeit 75 auf 50 Prozent der Stromproduktion im Jahr 2025 zurückgefahren werden soll, ist in Deutschland der komplette Atomausstieg bis 2022 beschlossene Sache. Die Erneuerbaren machten 2012 in Frankreich 16,4 Prozent der Stromproduktion aus – vor allem durch Wasserkraft -, in Deutschland hingegen rund 23 Prozent.

Eines der konkreten Projekte, das daher von der deutsch-französischen Kooperation zu erwarten ist, ist der gemeinsame Ausbau intelligenter Stromnetze. Dena-Chef Kohler hält es für möglich, dass beim Gipfel am 19. Februar bereits ein gemeinsames Projekt in der Grenzregion vorgeschlagen wird.

Bei intelligenten Netzen geht es darum, die Vielzahl kleinerer Strom-Einspeiser, deren Leistung noch dazu abhängig von Wind oder Sonne schwankt, so zu koordinieren, dass Probleme im Netz vermieden werden. Der staatliche französische Netzbetreiber RTE hat beispielsweise ein System namens IPES entwickelt, „das anhand der Vorhersage des französischen Wetterdienstes die Möglichkeit bietet, eine zu 90 Prozent zutreffende Vorhersage (der Stromleistung) der Windparks auf Stunden- oder Tagesbasis zu erhalten“, wie Hervé Mignon von RTE erläutert.

Intelligente Netze, Energieeffizienz, bessere Wärmedämmung, Offshore-Anlagen oder Elektroautos nannte auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kürzlich in Paris als mögliche Kooperationsbereiche. Hollandes Idee solle „sehr schnell in praktische Projekte“ umgesetzt werden. Und sogar ein gemeinsames Unternehmen schloss der Minister perspektivisch nicht aus: Auch beim Airbus hätten anfangs viele gedacht, das Projekt sei „Unfug“ und werde nie mit dem damaligen Marktführer Boeing aus den USA konkurrieren können.

Ein Unternehmen ist derzeit bereits im Aufbau und laut Kohler „erfolgversprechend“. Es handelt sich um ein deutsch-französisches Konsortium für eine Photovoltaik-Fabrik, das vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zusammen mit dem französischen Pendant CEA-INES, einem Schweizer Forschungsinstitut und Unternehmen gegründet wurde. Durch ständige Innovationen und eine Multi-Gigawatt-Produktion soll China bei der „Zukunftstechnologie“ des Solarstroms Konkurrenz gemacht werden, wie das ISE schreibt.

Finanzierung und Standort der geplanten Photovoltaik-Fabrik sind laut ISE noch offen, die Industriepartner werden noch nicht verraten. Doch Kohler kann sich vorstellen, das Projekt in die deutsch-französische Kooperation einzubinden: „Wir werden bestimmt mit denen sprechen, wie man das einbauen kann.“

Auf jeden Fall wollen Berlin und Paris schnell Nägel mit Köpfen machen bei ihrer Kooperation. Kohler geht davon aus, dass möglichst nach der Sommerpause ein Konzept umsetzbar sein soll – „mit Verträgen“.