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VW lässt Mitarbeiter in den USA über Betriebsrat abstimmen

Washington (afp) – Der Volkswagen-Konzern lässt die Belegschaft in seinem US-Werk in Chattanooga Mitte Februar über die Gründung eines Betriebsrats nach deutschem Vorbild abstimmen. VW habe gemeinsam mit der US-Autogewerkschaft UAW bei der US-Bundesbehörde für Arbeitsbeziehungen (NLRB) ein innerbetriebliches Votum beantragt, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die NLRB habe den 12. bis 14. Februar als Wahltermin festgelegt. Chattanooga verfügt bislang als einziger großer VW-Standort weltweit über kein Gremium zur betrieblichen Mitbestimmung. Für die US-Autoindustrie wäre das Modell eine Premiere.

Unter dem Druck des VW-Gesamtbetriebsrats hatte der Wolfsburger Konzern im September Verhandlungen mit der UAW über eine Mitbestimmung für die mehr als 3000 Arbeitnehmer in Chattanooga aufgenommen. Geplant sind laut Volkswagen die Einrichtung eines Betriebsrats, der die Interessen der Angestellten bei „internen Angelegenheiten“ in dem Werk vertreten soll. Arbeitszeit und Gehälter sollen zwischen dem Unternehmen und der UAW ausgehandelt werden. Außerdem würde die Belegschaft des im Mai 2011 eröffneten Werks im Bundesstaat Tennessee einen Sitz im Gesamtbetriebsrat erhalten.

Sollten die VW-Arbeiter für das Mitbestimmungsmodell votieren, hätte dies eine Signalwirkung. Die UAW spielt nämlich nur in den traditionellen Hochburgen der US-Autoindustrie im Norden und Mittleren Westen eine Rolle. Tennessee hat dagegen wie andere konservative Bundesstaaten im Süden der USA die Macht von Gewerkschaften per Gesetz ausgehebelt.

Als sich VW und andere ausländische Autobauer in den USA ansiedelten, wählten sie wegen der niedrigeren Arbeitskosten allesamt Standorte in den Südstaaten. BMW produziert seit 1994 in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina, Mercedes ist seit 1996 mit einem Werk in Tuscaloosa in Alabama präsent. Auch die japanischen und südkoreanischen Autokonzerne, die sich in der Gegend niedergelassen haben, könnten unter Druck geraten, dem Beispiel von VW zu folgen. Die Vereinbarung mit Volkswagen setze einen „neuen Standard in den USA für innovative Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Management“, erklärte UAW-Chef Bob King.

Konservative Politiker in den Südstaaten fürchten dagegen, dass der Einzug der Gewerkschaften der Wirtschaft schaden und Arbeitsplätze kosten werde. Sie werfen der UAW vor, mit ihren Lohn- und Pensionsforderungen die Krise bei den US-Autoriesen General Motors, Chrysler und Ford vor einigen Jahren verschärft zu haben. In Tennessee hatten der republikanische Gouverneur Bill Haslam und der republikanische Senator Bob Corker gegen die Gründung eines Betriebsrats im VW-Werk gewettert.

Nach jahrelangem starkem Wachstum hat sich die Nachfrage nach VW-Modellen auf dem US-Markt deutlich abgekühlt. Der Absatz ging 2013 um fast sieben Prozent zurück. Im Januar 2014 brachen die Verkäufe sogar um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. Bei der Automesse in Detroit kündigte Volkswagen vergangenen Monat einen neuen Geländewagen an, um diese von Analysten bemängelte Lücke in seiner Fahrzeugpalette für die USA zu schließen. Der Siebensitzer ist Teil von geplanten Investitionen von mehr als sieben Milliarden Dollar in Nordamerika in den kommenden fünf Jahren.